Mit Fairplay in die Niederlage

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Di, 04. September 2018

Bezirksliga Schwarzwald

Der Bonndorfer Lukas Weißhaar bereitet mit Ehrlichkeit am Ball den Gutmadinger Eckballtreffer zum 2:0-Endstand vor.

FUSSBALL. Fairplay kann wehtun. Diese Erkenntnis teilten die Bonndorfer Bezirksliga-Fußballer mit einem Teamkollegen, der sich in der 65. Spielminute in Gutmadingen sportlich ehrlich verhalten hatte. Robust hatte Lukas Weishaar bei einem Angriff des SVG verteidigt, der Ball zischte nach einem Zweikampf ins Tor-Aus, Schiedsrichter Öz entschied auf Abstoß durch Bonndorfs Torwart Kay Schlageter. Doch Weishaar gestand, das nicht der Gutmadinger Stürmer, sondern er als Letzter den Ball berührt hatte. Öz nahm seine Entscheidung zurück und entschied auf Eckball, den SVG-Torjäger Manuel Huber Sekunden später von der Fahne weg mit Effet zum 2:0 im TuS-Tor versenkte.

Damit war die Bonndorfer Niederlage besiegelt. TuS-Trainer Björn Schlageter hat der Treffer "nicht gefallen", wie er im Gespräch mit der BZ zugibt, "aber was Lukas gemacht hat, war Fairplay und damit in Ordnung". Trotz der Niederlage zeigte sich der TuS-Coach mit der Leistung seiner Elf einverstanden, die vor allem in der ersten Halbzeit einige Chancen hatte, "aber im Abschluss war mein Team nicht zwingend genug". Den Blick auf die Tabelle und Rang elf verkneift sich Schlageter, "es ist halt so, wie es ist". Während die Bezirksliga-Konkurrenten am Mittwoch einen kompletten Abendspieltag vor sich haben, dürfen sich die Bonndorfer ausruhen – die Heimpartie gegen Hochemmingen wurde auf Wunsch des HSV auf Mittwoch, 24. Oktober verlegt.

"Das war ein schöner Sonntag", blickt Nils Boll, neuer Trainer des SV Grafenhausen, auf den 7:0-Heimerfolg seiner Elf gegen Oberbaldingen zurück. Die Gäste machten dem SVG das Siegen leicht. Nach einem radikalen Umbau läuft in Oberbaldingen derzeit wenig zusammen, mit 1:13-Toren steht der SVO dort, wo ihn fast alle Kreisliga-A-Experten erwartet hatten: ganz unten, als Abstiegskandidat Nummer eins. Nach der 2:0-Führung habe er gewusst, "dass da nichts mehr schiefgehen kann", so Boll. "Es war einfach angenehm, in aller Ruhe zu sehen, wie die Mannschaft Tor um Tor herausgespielt hat." Ruhe, die Boll in dieser Saison wohl nicht mehr so oft finden wird. "Wir können gegen alle gewinnen", weiß der TuS-Coach nach der geschlossenen Mannschaftsleistung vom Sonntag, "aber wir können auch gegen alle verlieren."

Zeljko Cosic, Trainer des A-Kreisligisten FC Lenzkirch und als gebürtiger Kroate wie seine Landsleute nun schon seit zwei Monaten Fußball-Vizeweltmeister, ist kein Freund von Hauruck-Fußball. Spielerisch sollen seine FCL-Kicker die Aufgaben auf dem Platz lösen und dennoch Kampfstärke zeigen. Trotz sieben Punkten aus den ersten drei Spielen ist Cosic "nicht ganz zufrieden". Zum Auftakt habe der FCL zwar mit Routine einen Kampfsieg gefeiert, doch danach gab es mit einem 2:2 bei Aufsteiger Bonndorf einen nicht einkalkulierten Punktverlust. Deshalb wurde Cosic vor der jüngsten Partie deutlich und auch ein bisschen laut. Die harsche Kritik zeigte Wirkung, gegen die spielstarken, von Trainer Jörg Kienast geleiteten Öfinger, gelang den Lenzkirchern ein überzeugender 4:1-Heimsieg. Ein Erfolg des Kollektivs mit erkennbarer Lust an der Ballarbeit. "Alle Tore waren fein herausgespielt und keine Zufallsprodukte", freut sich Cosic. Wo seine Mannschaft steht, könne er derzeit nur erahnen, Rang vier sei eine hübsche Momentaufnahme, doch erst Anfang Oktober werde erkennbar sein, "was wir in dieser Saison draufhaben".

Das rollende "R" kommt ihm locker über die Lippen. Jakup Sevimli, neuer Spielertrainer des A-Kreisligisten SV Gündelwangen und Nachfolger von Nurhan Ardiclik, ist ein Großstadtkind. In München ist er aufgewachsen, beim Bayern-Rivalen, den "Sechzgern", hat er in der Oberliga gespielt. Das Stadtleben hat er genossen. Doch jetzt fühlt er sich in der Provinz rundum wohl. In Bonndorf arbeitet Sevimli bei der Firma Dunker-Motoren. In Gündelwangen ist Sevimli, der in der vergangenen Saison noch beim Verbandsliga-Absteiger Bad Dürrheim aktiv am Ball war, jetzt in einer Dorfgemeinschaft angekommen, die ihn motiviert. Rundum wohl fühle er sich beim SVG, "weil Fußball hier noch ein Hobby in Freundschaft ist". Enorm sei der Zusammenhalt, "das ist hier ein verschworener Haufen". Im Derby gegen Aufsteiger TuS Bonndorf II gelang den Gündelwangern ein 2:2, mit dem Sevimli "absolut zufrieden" ist – schließlich musste er auf gleich sieben Stammspieler verzichten. Und obwohl er wollte, durfte er nicht selbst an den Ball. Nach zwei gelben Karten und dem daraus resultierenden Platzverweis in Aasen war Sevimli am Sonntag gesperrt. Von außen erlebte er mit, wie seine Rumpfelf das tat, was Gündelwanger Fußballer halt so tun. Kämpfen, laufen, für den Kumpel da sein auf dem Platz.