"Was willsch jetz do sägge?"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Di, 17. April 2012

Bezirksliga Schwarzwald

Trainer Markus Blatter ist fassungslos: SV Grafenhausen verspielt zweimal eine Dreitore-Führung.

FUSSBALL. Markus Blatter war fassungslos. Nach diesen verrückten 90 Minuten. So etwas hat der Coach des SV Grafenhausen in seiner Trainerlaufbahn noch nicht erlebt. Zweimal verspielte seine Mannschaft gegen den FC Lenzkirch einen Dreitore-Vorsprung. Blatter schaute nach Spielschluss ungläubig drein. Er was sprachlos. Das Erlebte konnte er auf die Schnelle nicht verarbeiten. Wie auch? 4:1 und 5:2 führte sein Team – "da denkt man, das ist gegessen". Am Ende stand’s aber 5:5. "Was willsch jetz do sägge?"

Die Schuldigen für das Debakel waren schnell gefunden. "Wir sind selber schuld", sagt Blatter, "nach einer 5:2-Führung darf so etwas nicht mehr passieren". Vor allem seine Spieler müssen sich an die Nase fassen. Denn nach einer guten ersten Halbzeit und einer 3:1-Führung erlahmten Zielstrebigkeit und Disziplin. Der SV Grafenhausen lieferte eine unterirdische zweite Halbzeit ab, für Blatter war sie "indiskutabel". Die Nachlässigkeiten der Heimelf bauten den am Boden liegenden Gegner wieder auf. Mit einfachen Mitteln kam der FC Lenzkirch zum Erfolg. Mit langen Bällen aus der Abwehr und vorne hatten sie den jungen Fabian Kanefeyer, der die Lenzkircher Tore drei bis fünf erzielte. "Kick and rush", raunzt Blatter. Nicht sein Ding, aber an diesem Tag sehr effizient vom A-Kreisligisten FC Lenzkirch umgesetzt.

"Das war ein nasser Hartplatz, da konnte man gar nicht richtig Fußball spielen", erwidert Oliver Mahler. Er hat die Lenzkircher Mannschaft als Trainer nach der Trennung von Francois Blondeau übernommen. Vor zwei Jahren spielte Mahler schon einmal den Feuerwehrwahn und damals gelang ihm mit der Mannschaft der Klassenerhalt in der Kreisliga A 2. Dasselbe Ziel hat er jetzt wieder. Er will den Vorletzten aus dem Tabellenkeller herausführen. Die Mission ist nicht einfach, "aber wir glauben an uns. Wir haben neun Endspiele vor uns, in denen wir bis zum Schluss kämpfen werden. Wie in Grafenhausen".

Mahler hat die Lenzkircher Mannschaft wiederbelebt. Er hat ihr den Glauben an sich selbst zurückgegeben. Mahler ist Lenzkircher, in der Mannschaft spielen nur Eigene. Er kennt die Spieler, er spricht ihre Sprache. "Wir schielen nach vorne", sagt Mahler, "in dieser Liga ist alles möglich". Sogar das Unmögliche.

Für Blatter was das Tor zum 4:5 der Knackpunkt. "Ein klares Abseitstor", sagt der Trainer des SV Grafenhausen. Schock und Verärgerung saßen tief bei seinen Spielern, der FC Lenzkirch bekam jetzt so richtig Oberwasser. "Typisch" für dieses Spiel und diesen Tag sei das 5:5 gewesen, findet Blatter. Einer seiner Spieler fabrizierte vor dem eigenen Tor einen Querschläger, der Ball fiel an der Strafraumgrenze herunter. Dort stand Fabian Kanefeyer. Der junge Stürmer nahm den Ball volley und als hätten die Grafenhausener Spieler in der zweiten Halbzeit nicht schon genug ertragen müssen, schlug das Spielgerät auch noch im Torwinkel ein. Ein Supertor. Auch Oliver Mahler war fassungslos, es war jedoch eine andere Fassungslosigkeit als bei seinem Grafenhausener Trainerkollegen. Seine Mannschaft hatte mit drei angeschlagenen Spielern einen Dreitore-Rückstand aufgeholt. "Grandios. Ich bin so stolz auf die Jungs", sagt Mahler. Nach dem Spiel in der Kabine sprach er die bedeutungsschweren Worte: "Das Spiel war ein Zeichen. In der Mannschaft steckt Potenzial, es muss nur abgerufen werden. Wir schaffen das."

Auch im Löffinger Haslachstadion kippte ein Spiel. Es war das Aufeinandertreffen zweier Bezirksliga-Teams, die ambitioniert einen vorderen Tabellenplatz beanspruchen. Mit einem Sieg wäre der FC Löffingen noch einmal dem zweiten Platz näher gekommen, den Gegner FC 08 Villingen U 23 innehat. Entsprechend der Bedeutung begannen die Rothosen das Spiel motiviert und konzentriert. Sie erarbeiten sich zahlreiche Chancen. Andreas Weißenberger hatte drei Hundertprozentige, Benjamin Gaudig zwei. Aber nur eine wurde verwertet, durch Weißenberger. "Da haben wir es versäumt, das Spiel zu entscheiden", sagt Jürgen Feuerstein. In der zweiten Halbzeit spielten die Villinger "aggressiver und zielstrebiger" (Feuerstein), der Erfolg blieb nicht aus. Die Nullachter glichen zum 1:1 aus. "Wir haben den Kopf hängen lassen und die bekamen die zweite Luft", sagt der Löffinger Trainer. Mit dem Resultat, dass der Villinger Reserve zehn Minuten vor Spielschluss auch noch der Siegtreffer gelang. "Wir haben jetzt zehn Punkte Rückstand auf Villingen und zwölf auf Tennenbronn. Die ersten beiden Plätze sind für uns nicht mehr erreichbar", sagt Feuerstein.