Die Grenzen des Grütts

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Fr, 31. August 2018

Jugendfußball

Für den FV Lörrach-Brombach ist die A-Junioren-Oberliga eine Herkulesaufgabe / Schleith: "Es muss etwas passieren.".

JUGENDFUSSBALL. Zum dritten Mal tritt der FV Lörrach-Brombach mit der A-Jugend in der Oberliga, der zweithöchsten deutschen Spielklasse an. In Sachen Jugendarbeit ist der FVLB der Vorzeigeclub am Hochrhein. Mit seiner großen Jugendabteilung aber gerät der Verein an sein infrastrukturelles Limit.

Die Fähigkeit, etwas stillschweigend hinzunehmen, gehört nicht zu den Charakterzügen von Bernd Schleith. "Wir sind an unseren Grenzen. Wir brauchen mehr Platz und sind auch auf mehr Sponsorengelder angewiesen", intoniert der 70-Jährige am frühen Donnerstagnachmittag seine Sorgen. Schleith gehört zum FVLB wie der Bollenhut zum Schwarzwald. Von 1988 bis ’92 war er selbst Trainer der ersten Mannschaft, mit der er in der Relegation zur Landesliga nur knapp scheiterte.

Vor einem Jahr packte der FVLB nun sogar den Aufstieg bis in die Verbandsliga. Mittlerweile als zweiter Präsident etwas in den Hintergrund getreten, kümmert Schleith sich immer noch leidenschaftlich um die Organisation der Jugendabteilung. Eine höchst erfolgreiche. Und verantwortungsbewusste: "Wir organisieren Anti-Suchtworkshops und kümmern uns um die Ausbildung unserer Spieler", betont Schleith.

Zur Verdeutlichung das Lörracher Zahlenspiel: 25 Juniorenteams tummeln sich neben drei Aktivenmannschaften im Grüttpark. Ein Stab aus knapp 80 Trainern und Betreuern umsorgt die Talente: Insgesamt 470 an der Zahl. Alles auf lediglich zwei Plätzen. A-Jugend-Assistent Hansjörg Brugger muss jede Woche tüfteln, um alle Teams unterzubekommen. Selbst die Verbandsliga-Mannschaft der Aktiven kann nicht über das ganze Feld trainieren. "Das ist auch ein Appell, uns hier zu helfen", sagt Schleith. Ein Aufruf an Sponsoren und die öffentliche Hand. "Es muss etwas passieren, wenn wir das so weitermachen sollen und wollen."

Der Erfolg wäre ja schon mal da. Und das seit Jahren. Die C-Jugend spielt in der Verbands- und Landesliga, die B-Jugend tritt ebenfalls in der Verbandsklasse an. Die U 19 steht vor ihrer zweiten Oberligasaison, es ist das dritte Mal überhaupt in der Vereinsgeschichte, dass ein Jugendteam in der zweithöchsten Liga antritt. Eine infrastrukturelle Herkulesaufgabe.

In der Oberliga treten Traditionsclubs wie Waldhof Mannheim oder SSV Ulm an. Dort kicken die Aktiven im semiprofessionellen oder Profibereich. Und der Etat ist weitaus größer. "Allein die Auswärtsfahrten kosten uns über 6000 Euro", klagt Schleith, "und essen müssen die Jungs ja auch noch." Die Jugendarbeit sei mit Abstand der größte Ausgabenposten beim FVLB.

Das letzte Oberliga-Abenteuer endete mit dem direkten Abstieg. "Es wäre schon gut, wenn wir es schaffen, uns langfristig zu etablieren", findet der "Vize". Hinderlich sei aber die geographische Lage. Clubs aus der Schweiz und Frankreich graben Talente ab. "Im Dreiländereck ist es schwer, Jugendspieler auf Oberliganiveau auszubilden." Und auf Externe zu setzen, hat sich in der Vergangenheit nicht gelohnt. "Die sind nach einem Abstieg direkt weg. Dabei wollen wir die Spieler ja an unseren Verein binden."

Dabei helfen soll vornehmlich Angelo Cascio. Der 41-jährige Schopfheimer ist seit vergangener Saison U-19-Cheftrainer. Und packte prompt den Aufstieg. "Wir haben als Team gearbeitet", nennt er die Hauptgründe. Der B-Lizenzinhaber wolle stets Fußball spielen lassen, "die A-Jugend ist noch Ausbildungszeit, wir wollen uns nicht aufs Verteidigen fixieren. Das freie Spiel, der Spaß, steht im Vordergrund."

Gleichzeitig muss Cascio einen im Jugendbereich gewohnten Umbruch verwalten. "Einen großen", wie er sagt. Nur sechs Spieler aus der Vorsaison sind noch dabei (Avellina, Behringer, Bertino, Brändle, Kessler, Komljenovic), aus der B-Jugend und extern wurde ergänzt, unter anderem mit Can Koyuncu (FC Wehr), David Bilic und Niclas Markanic, die beide vom FC Schönau kamen. Markanic war zuvor beim SC Freiburg. Nicht einfach: Der beim FVLB aufgerückte Torjäger Sidi Tindano muss ersetzt werden, 22 Mal traf er vergangene Runde. "Er wurde aber auch immer gut bedient. Und Danilo (Avellina) ist auch für viele Tore gut", sagt Cascio. Letzte Saison in der Verbandsliga waren es neun. "Körperlich werden wir vielen anderen unterlegen sein", vermutet Schleith. "Wir wollen das spielerisch lösen", sagt Cascio. Die Vorbereitung war daher umso intensiver. Auf viermal pro Woche wurde das Training geschraubt. Beim Turnier in Hausen an der Möhlin schlug sich der FVLB gegen Teams wie den VfL Bochum, Bahlinger SC und FK Izmir achtbar und wurde Vierter. "Wir hoffen, das Beste aus dem Abenteuer Oberliga zu machen", beschwört Cascio. Zumindest zum Auftakt am Sonntag geht es beim FV Löchgau zu einem Gegner der Marke: auf dem Papier schlagbar.

Kader, Tor: Marius Fuchs, David Amigos Morales. Abwehr: Tim Brändle, NiclasMarkanic, Leonardo Komljenovic, Catu Hucke, Lorenz Zickenheiner, Angjelo Bisha, David Bilic, Alexander Wiegand. Mittelfeld: Lukas Kessler, Fabian Macho, Julian Rümmele, Marco Molo, Can Koyuncu, Johannes Binkert, Jonas Bornemann, Yannik Behringer, Galdim Selmonaj. Sturm: Danilo Avellina, Gabriele Bertino, Mykola Sheremet, Antonio Santoro, Patrick Mihaljevic. Trainer: Angelo Cascio. Co-Trainer: Max Sonnenschein, Gianfranco Oliveri. Betreuer: Christoph Macho.