Die königliche Fußballschule kommt

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Fr, 29. Juni 2018

Jugendfußball

Vom 20. bis 24. August richtet die Fußballschule von Real Madrid im Jahnstadion in Neustadt ein einwöchiges Trainingscamp aus.

JUGENDFUSSBALL. Sie nennen sich "Die Königlichen" und sie sind standesgemäß sehr stolz. Auf ihren Verein. Die Tradition. Und die vielen Erfolge. Real (spanisch: königlich) Madrid ist der erfolgreichste Fußballverein Europas und der Welt. Die Mannschaft hat in den vergangenen drei Spielzeiten jeweils die Champions League gewonnen. 13 Titel im bedeutendsten europäischen Klubwettbewerb (Cup der Landemeister/Champions League) sind einzigartig, dazu kommen 33 Titelgewinne und 19 Pokalsiege in Spanien. Die Mannschaft ist bestückt mit internationalen Topstars und über allen thront Cristiano Ronaldo. Auch wenn der extrovertierte Portugiese meistens wie der Gockel auf dem Mist über den Platz stolziert, seine Leistungen und Tore sind jedoch über jeden Zweifel erhaben. Real Madrid ist ein besonderer Verein mit besonderen Spielern. Und mit einer besonderen Aura.

"Wir finden, dass dieses

Camp etwas Besonderes ist."

Robin Dold vom FC Neustadt
Peter Brosi (59) aus Altglashütten, ehemaliger Stützpunkttrainer im Schwarzwald und nach wie vor mit dem DFB-Mobil auf Tour bei Vereinen und in Schulen, hatte Robin Dold (23) vor einem Jahr gefragt, ob er Lust habe, mit nach Bern zu kommen, wo die Fußballschule von Real Madrid eine Woche lang gastiert. Dold, stellvertretender Jugendleiter beim FC Neustadt und eine Zeit lang auch Trainer der Neustädter B-Junioren, musste nicht lange überlegen. Da wollte er dabei sein, das wollte er sehen. "Ich war gleich Feuer und Flamme", sagt er. Seine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Er schaute den Trainern eine Woche lang über die Schulter. "Die hatten richtig Ahnung. Das sind alles gut ausgebildete Leute, die ihr Leben mit Fußball verbringen", erzählt Dold. Der Zauber packte ihn und ließ ihn nicht mehr los. Sein Entschluss, die Real-Madrid-Fußballschule nach Neustadt zu holen, stand fest. Er redete mit Brosi, der die Kontakte für die "Fundación Real Madrid Clinics" vor Ort zu den Vereinen knüpft und auch als Campleiter fungiert. Dold sprach auch mit dem FC Neustadt und mit dem Freundeskreis. "Alle fanden die Idee gut und waren aufgeschlossen", sagt er, "wir finden, dass dieses Camp etwas Besonderes ist". Der Traum wird Wirklichkeit: Vom 20. bis 24. August gastiert die Real-Madrid-Fußballschule beim FC Neustadt im Jahnstadion. Alle großen Vereine haben mittlerweile Fußballschulen, die von Real ist die größte und erfolgreichste in Europa.

96 Kinder im Alter von sieben bis 15 Jahren können teilnehmen, Jungen wie Mädchen. Eine Vereinszugehörigkeit ist nicht Voraussetzung. "In Bern haben zwei amerikanische Austauschschüler mitgemacht, die zuvor nicht allzu oft einen Ball am Fuß hatten", erzählt Dold, "aber das ist das Gute an dem Konzept, dass alle, egal wie gut sie kicken können, an ihre Grenzen gebracht werden und Spaß haben". Alle Teilnehmer erhalten ein Real-Madrid-Trikotset (Trikot/Hose/Stutzen), einen Ball von adidas und eine Trinkflasche. Trainiert wird am Morgen und am Nachmittag nach den Vorgaben der Real-Madrid-Jugendakademie. Ein sportgerechtes Mittagessen gibt es im Neustädter Vereinsheim, "der Menüplan steht schon", sagt Dold. Die Kosten pro Teilnehmer belaufen sich auf 230 Euro, Nachwuchsspieler des FC Neustadt bekommen einen Zuschuss vom Freundeskreis.

Wenn Dold von den Trainingsmöglichkeiten und -methoden der Real-Fußballschule erzählt, kommt er ins Schwärmen: "Da sind echte Highlights dabei." Die Spieler haben bei Trainingsspielen Leibchen an, die immer mal wieder die Farbe wechseln. Wer eben noch Mitspieler war, ist plötzlich Gegenspieler. Auch an den Toren – oft wird auf vier gespielt – gibt es LED-Streifen, die die Farbe wechseln. Auffassungsgabe und Handlungsschnelligkeit werden geschult. Die Spieler haben zudem Armbänder an, die bei Trainingsspielen die Laufleistung messen. In den Spielbällen befindet sich ein Chip, so lässt sich die Geschwindigkeit von Pässen und Schüssen ermitteln. Die fußballerische Ausbildung ist eine Sache. "Mindestens genauso wichtig ist der Real-Madrid-Stiftung auch die Vermittlung von Werten", sagt Brosi, "Fairplay, Respekt, andere soziale Werte und das Auftreten allgemein". Die Besten des Camps qualifizieren sich für sogenannte "Tryouts". Die Besten der Tryouts werden zu einem Trainingscamp nach Madrid eingeladen. Der Kampf um die talentiertesten Nachwuchsspieler beginnt früh. Sehr früh.

Am Ende der Trainingswoche in Bern wurde der "social player" (der Sozialste der Nachwuchsspieler) ausgezeichnet. "Fußballerisch war er nicht der Beste, aber er ragte aus der Gruppe heraus, weil er anderen half und auch beim Aufräumen immer ganz vorne zu finden war", erzählt Dold, "und seine Mutter saß auf der Tribüne und hatte Tränen in den Augen".

Mehr Informationen dazu unter: http://www.fc-neustadt.de