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08. Juli 2011
"Eltern notfalls vom Platz"
BZ-Interview: Bezirkjugendwart Harald Fengler über Probleme im Jugendfußball.
FUSSBALL. Fußball ist unter Jungen ein Selbstläufer und wird die Mädchen nach der Frauen-WM in Scharen zu den Vereinen führen. Diese allzu optimistische Einschätzung teilt Harald Fengler aus Albbruck nicht. Der Jugendwart des Bezirks Hochrhein beurteilt die Entwicklung im Nachwuchsbereich skeptischer, gerade mit Blick auf die rückläufigen Zahlen in der abgelaufenen Saison. Vor dem Bezirksjugendtag heute um 19.30 Uhr in der Stadthalle Wehr sprach Redakteur Matthias Kaufhold mit Fengler, der seit 2006 im Amt ist und für zwei weitere Jahre kandidiert.
BZ: Herr Fengler, in der Saison 2008/09 gab es am Hochrhein 745 Jugendmannschaften, 2009/10 waren es 713, und in der abgelaufenen Runde gerade noch 659. Wie erklären Sie diesen Rückgang?Harald Fengler: Der Zuspruch hat ja vor allem bei E- und F-Junioren nachgelassen. Das liegt vielleicht daran, dass die sportliche Breite zugenommen hat und heute nicht mehr jedes Kind Fußball spielen will. In den Schulen wandern Kinder durch die AGs in andere Sportarten ab. Deshalb ist vor allem im Vorschulalter und in den ersten zwei Grundschuljahren der Rückgang bei uns frappierend.
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BZ: Der Trend zeigt im Bezirk erstmals auch im Mädchenfußball nach unten. Ist man hier auf einen möglichen Boom nach der Frauen-WM angewiesen?
Fengler: Ich bezweifle ein bisschen, dass wir einen Boom kriegen werden. Ich befürchte, dass die Zahlen stagnieren werden. Für mich ist das auch kein Einbruch und deshalb nicht alarmierend. Wir haben kaum Großfeldmannschaften, weil es von der Personenzahl nicht reicht, gut. Aber sonst bieten wir in jeder Altersklasse bei den Mädchen einen Spielbetrieb. Es fehlen uns zwei, drei Mannschaften im Vergleich zum Vorjahr, letztendlich aber sind die Zahlen stabil.
BZ: Positiv fällt auf, dass es weniger Straffälle gegeben hat. Haben die Appelle der vergangenen Jahre gefruchtet?
Fengler: Es sieht so aus. Es gab deutlich weniger Mannschaftsabmeldungen als zuvor. Die Vereine haben also besser abgewogen, ob sie bei Spielermangel eine Mannschaft melden sollen oder nicht. Auch die Fälle von Bagatellstrafen, die wie bei falsch ausgefüllten Spielberichtsbögen durch Schludrigkeit entstehen, sind deutlich zurückgegangen.
BZ: Wie hat sich das Klima auf dem Platz entwickelt?
Fengler: Es ist weiter angespannt. Grobes Fehlverhalten blieb zwar aus, doch die Zahl der Platzverweise und persönlichen Strafen ist leicht gestiegen. Was mir Sorgen bereitet, ist das Gesamtverhalten auf dem Sportplatz. Viele verbale Fehltritte kommen inzwischen von außen. Es ist extrem auffällig, dass sich viele Zuschauer Verfehlungen leisten, entweder gegen den Schiedsrichter oder gegen andere Spieler. Da müssen die Vereine einschreiten und Eltern, die sich daneben benehmen, notfalls vom Sportplatz weisen.
BZ: Werner Bolte aus Lörrach wird als Nachfolger von Hansjörg Zölle Strafsachenbearbeiter der Aktiven. Wer übernimmt seinen Posten im Jugendbereich?
Fengler: Sein Nachfolger wird Thomas Bastian aus Rümmingen, der schon seit einem halben Jahr eingearbeitet wird. Da machen wir nahtlos weiter. Werner Bolte bleibt im Bereich Pokal und Halle für uns tätig, vielleicht wird er noch ein paar kleinere Staffeln übernehmen.
Harald Fengler
Fengler: In Marco Brendle und Ramon Leisinger bekommen wir zwei neue Jungschiedsrichter-Obmänner. Olaf Straube aus Wutöschingen und Uwe Sütterlin aus Eimeldingen werden als Staffelleiter aufhören. Sütterlin kandidiert ja eine Woche später als Bezirksvorsitzender. Neuer Staffelleiter wird Klaus Keser aus Schwörstadt, einen weiterer soll im nächsten Jahr gefunden werden.
BZ: Die Schiedsrichter klagen über mangelnde Kommunikation mit dem Bezirks-Fußballausschuss. Wie würden Sie das Verhältnis der Jugend-Vertreter zu diesem Gremium beschreiben?
Fengler: In den Ausschüssen ist das Verhältnis gut. Es sind ja ausschließlich Probleme zwischen bestimmten Personen, manche sagen zwischen den drei Vorsitzenden (neben Fengler der Bezirksvorsitzende Klaus Denzinger und der Schiedsrichter-Obmann Ralf Brombacher; d. Red.). Wir gehen davon aus, dass das Miteinander nach der Neubesetzung beim Bezirkstag wieder stimmt.
Autor: mat
