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08. Juli 2011

"Fußball ist für Kinder Nummer eins"

BZ-INTERVIEW mit Willi Schmider, der heute Abend in Bonndorf nach 15 Jahren als Jugend-Bezirkswart seinen Abschied nimmt.

  1. Fußball-Funktionär aus Leidenschaft: Willi Schmider Foto: Junkel

JUGENDFUSSBALL. Heute Abend endet beim Fußball-Jugendbezirkstag in der Stadthalle Bonndorf eine Ära. Nach 15 Jahren als Bezirksjugendwart macht Willi Schmider Platz für seinen designierten Nachfolger Ulrich Müller aus Grafenhausen. BZ-Redakteur Johannes Bachmann unterhielt sich mit dem 71-jährigen Fußballfunktionär aus Wolterdingen über traumhafte Momente mit schwedischen Jung-Fußballerinnen, das lange Ringen um Spiele-Nachmittage bei den F-Junioren und den steten Kampf um Fairness.

BZ: Sie sind seit 15 Jahren Jugendbezirkswart. Jetzt geben Sie Ihr Amt auf. Wie groß ist Ihre Wehmut?

Schmider: Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Vor meiner Arbeit als Jugendbezirkswart war ich sieben Jahre lang Jugend-Staffelleiter. Also enden jetzt insgesamt 22 Jahre Arbeit für den Jugendfußball. Das fällt mir nicht leicht.

BZ: Was hat Ihnen in Ihrer Zeit als Jugendbezirkswart am meisten Kopfzerbrechen bereitet?

Schmider:
Gute Frage. Die Einführung des Spielnachmittags bei den F-Junioren und die Abkehr von einer Spiel- und Punktwertung bei den kleinsten Kickern war eine zähe Geschichte. Da gab es viel Widerstand bei Eltern und Betreuern. Die Akzeptanz war am Anfang gleich Null. Das hat damals viel Kraft gekostet und sehr viel Überzeugungsarbeit erfordert. Diese Abkehr vom allzu frühen Leistungswillen war nur schwer zu vermitteln. Es hat fast drei Jahre gedauert, bis die neue Spielordnung bei den F-Junioren richtig und ohne Vorbehalt angenommen wurde und es auch die Vereine akzeptiert hatten. Unschön ist allerdings nach wie vor, dass viele Vereine mit ihren F-Junioren nicht bei den Spielnachmittagen antreten.

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BZ: Welchen Stellenwert hat heute der Mädchenfußball?

Schmider: Einen ganz großen. Die Mädels stehen im Moment ja fast an erster Stelle, wenn es nach DFB-Präsident Theo Zwanziger geht. Den großen Run auf den Mädchen-Fußball gibt es im Schwarzwald dennoch nicht. In der kommenden Saison wird sich die Zahl der Mädchen-Mannschaften sogar um zwei Teams verringern.
BZ: Fußball elektrisiert die Menschen. Viele Jugendliche träumen davon, einmal Profikicker zu werden. Und doch ist die Zahl der Jugendfußballer im Schwarzwald rückläufig. Wie passt das zusammen?Schmider: Dafür gibt es viele Gründe, aber aus meiner Sicht ist das zuerst und zuletzt mit dem Geburtenrückgang zu erklären. An der demographischen Entwicklung der Bevölkerung kommt auch der Jugendfußball nicht vorbei.

BZ: Kann es vielleicht sein, dass andere Sportarten attraktiver sind als Fußball?

Schmider: Nö. Das heißt, eigentlich ist das ausgeschlossen. Fußball ist und bleibt im Schwarzwald für Kinder und Jugendliche Sportart Nummer eins.

BZ: Fehlt es der Jugend von heute an der Bereitschaft, auch bei Sauwetter dem Ball nachzujagen?

Schmider: Da ist was dran. Der Wille, bei Regen und Sturm zum Training zu kommen, ist bei vielen Kindern und Jugendlichen nicht sehr ausgeprägt. Wenn’s regnet, heißt’s, ich hab’ keine Lust. Die Jungen von heute sind manchmal vielleicht ein bisschen verwöhnt.

BZ: Gibt es junge Fußballer, die Sie für ihre Gradlinigkeit bewundern?
Schmider: Ja doch, etliche. Vor allem jene, die in die Stützpunkte kommen und um einen Platz in den Auswahlmannschaften kämpfen, sind bereit, Opfer zu bringen und auch mal über ihren eigenen Schatten zu springen. Das imponiert mir.

BZ: Fairplay ist am Ball ein hehres Ziel. Doch die Realität sieht auf dem Platz oft anders aus. Die Zahl der Tätlichkeiten von Jung-Fußballern sowie von Fans und Eltern nimmt jährlich zu. Und Schiedsrichter werden ganz unverhohlen bedroht. Macht Ihnen das Angst?

Schmider: Viel Angst macht mir das nicht. Ruppigkeiten gab es auch schon früher. Probleme gibt es weniger mit den jungen Kickern als vielmehr mit den Eltern. Das hab’ ich jüngst bei den D-Junioren beobachtet. Die werden von außen von Betreuern und Familienmitgliedern regelrecht aufgewiegelt. Das ist eine ungute Entwicklung. Da mangelt es an Führungsqualität.

BZ: Wie lässt sich dieser Trend zur Gewaltbereitschaft stoppen?

Schmider:
Wir müssen bei den Eltern der Jugendfußballer ansetzen und ihnen klar machen, dass sie auch am Spielfeldrand eine Vorbildfunktion für ihre kickenden Kinder haben. Alle müssen an einem Strang ziehen, Eltern, Betreuer, Vereinsmitarbeiter.

BZ: Braucht es mehr Vorbilder und mehr Vertrauen? Oder mehr Strafen?

Schmider:
Nur Vertrauen sorgt für Bewegung. Und man muss miteinander reden. Ich war jetzt schon mehrfach bei den Jugendspielern von Türkgücü Bräunlingen, die ja als sehr emotional gelten. Wenn ich mit denen geredet habe, war alles optimal. Wenn sich die jungen türkischen Fußballer ordentlich behandelt fühlen, dann spielen sie auch ordentlich.

BZ: Erinnern Sie sich an Ihre schlimmste Niederlage?

Schmider:
Da bleibt nichts haften. Obwohl, schockiert war ich, als im vergangenen Jahr beim Hallenfußball-Endrundenturnier in Schonach ein Zuschauer von der Tribüne aufs Spielfeld sprang und eine wüste Schlägerei anzettelte. Das war ein Albtraum. Aber so etwas kann passieren, egal wie viele Kontrollen es gibt.

Und Ihr größter Sieg?

Schmider: Das war das Länderspiel der B-Juniorinnen zwischen Deutschland und Schweden. Ich habe die Schwedinnen damals in Stuttgart vom Flughafen abgeholt. Das war’ die Krönung meiner Laufbahn als Fußball-Funktionär.

BZ:
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Jugendfußballs im Schwarzwald?

Schmider: Ein bisschen mehr Effizienz. Im Vergleich mit den Jugendteams aus dem Breisgau und dem Raum Bodensee gibt es Defizite. Daran ist nicht zuletzt der Winter im Schwarzwald schuld, der die Spielpläne durcheinander bringt.

BZ: Wer soll heute Abend beim Jugend-Bezirkstag in Bonndorf als Ihr Nachfolger gewählt werden?

Schmider: Ulrich Müller aus Grafenhausen, mein bisheriger Stellvertreter. Er ist gut in die Materie eingearbeitet. Bei ihm ist der Jugendfußball garantiert in guten Händen.

BZ: Was macht Willi Schmider ohne Jugendfußball?

Schmider: Der Willi wird am Samstag und Sonntag auf den Sportplatz gehen. Aber nur dorthin, wohin ich auch wirklich will. Und ich werd’ in Zukunft natürlich ein bisschen mehr kegeln gehen als bisher.

Autor: jb