"Die Jungs denken zu viel"

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Di, 25. Oktober 2011

Bezirksliga Schwarzwald

Zu viele Dribblings statt kluger Spielzüge in Löffingen / Grafenhausener zeigen zwei Gesichter.

FUSSBALL. Kluge Köpfe verstecken sich nicht nur hinter Zeitungen – sie sind auch am Ball gefragt. Doch zu viel Schläue an der Kugel ist bisweilen hinderlich. Das glaubt zumindest Jürgen Feuerstein, Trainer des Bezirksligisten FC Löffingen, der seine Elf am Sonntag im glücklich in letzter Minute gewonnenen Heimspiel gegen Hüfingen mit einer einfachen Taktik aufs Feld geschickt hatte. "Schnell und direkt" spielen sollten die Rothosen. Das klappte eine halbe Stunde lang gut, doch dann verebbte der Schwung, weil die FCL-Kicker den Kopf einschalteten. "Die Jungs denken manchmal noch zu viel selber", zürnte Feuerstein.

Um Missverständnissen vorzubeugen – Jürgen Feuerstein will natürlich mündige Spieler. Blöd nur, so befand der Coach, "wenn die sich wider besseres Wissen dumm anstellen". Statt ihre läuferische Überlegenheit auszuspielen und mit schnellem Direktpassspiel die Hüfinger zu überrumpeln, beschnitten sich die Löffinger ihre Freiräume mit energieraubenden Dribblings und rannten sich gegen die tief gestaffelten Hüfinger fest. Da mochte Feuerstein an der Außenlinie noch so laut werden, gehört hat ihn offensichtlich niemand. "Das war einfach ärgerlich", so der Trainer, "da übst du die ganze Woche und dann ist nach einer halben Stunde auf dem Platz alles vergessen". Positiv war so nur das Ergebnis. Dank Zimochs 1:0 in der Nachspielzeit behaupteten die Löffinger Rang drei. "Oben mit dranbleiben" will Feuerstein nun in den restlichen sechs Spielen vor der Winterpause. "Und wir wollen die Verfolger abschütteln." Das geht nur, wenn seine Spieler mitdenken (dürfen).

Gut geölt sind die Stimmbänder von Holger Wursthorn, dank dem Verzehr von Sanddornbonbons. Gleich eine halbe Tüte leerte der Trainer des SV St. Märgen im Heimspiel gegen den Tabellenletzten Bonndorf II, bei dem seine Mannschaft früh mit 0:1 in Rückstand geriet. Und Wursthorn schluckte. Das zeigte Wirkung. Weil seine Stimme trug und die Spieler erreichte. So wurde aus dem Rückstand ein 3:1-Sieg, den die Stürmer Saier, Gerhard und Dold zementierten. Weil sich Wursthorn Mitte der zweiten Halbzeit nicht mehr um den Sieg sorgen musste, konnte er großzügig sein – und dem hüstelnden BZ-Fotografen zwei Drops anbieten. Aufgeräumt konnte der Trainer schließlich auf einen Pflicht- und Arbeitssieg zurückblicken, "aber ein spielerischer Genuss war’s nicht". Jetzt geht der Blick nach vorn. Tabellenzehnter sind die St. Märgener, doch das sei nur eine Momentaufnahme. "Bis zum Beginn der Winterpause wollen wir unter die ersten fünf", sagt Wursthorn.

Zwei Gesichter – eine Mannschaft: Zu Hause scheinen die Grafenhausener, die am Sonntag den Titelfavoriten Saig nach Anlaufschwierigkeiten mit 5:1 vom Platz fegten, in dieser Saison unschlagbar. Daheim haben sie teilweise grandiose Siegen gefeiert und nur ein Unentschieden hinnehmen müssen. Auf Gegners Platz will der Elf nichts glücken: auf der Habenseite stehen ein Sieg und ein Unentschieden. Trainer Markus Blatter kann sich die Auswärtsschwäche nicht erklären. "Wir spielen keinen anderen Fußball als zu Hause." Vielleicht, so Blatter, liege es an der Psyche der jeweiligen Gegner. "Die nehmen uns auswärts nicht ernst."