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17. August 2012

Kreisliga Schwarzwald

Grafenhausen in der Favoritenrolle

KREISLIGA A 2: Vizemeister Saig will "nur" unter die besten fünf / Aufbruchstimmung in Hölzlebruck, Lenzkirch und St. Märgen.

  1. Max Jaufmann (rechts) und seine Grafenhausener Teamkollegen belegten in der vergangenen Saison Rang drei. Jetzt scheint das Blatter-Team reif für den Titel. Foto: patrick seeger

  2. Kopf an Kopf: spannende Fußballspiele sind in der Kreisliga A garantiert. Foto: Patrick Seeger

FUSSBALL-KREISLIGA A II. Gut gespielt und toll gekämpft haben die Grafenhausener Fußballer in der vergangenen Frühjahrsrunde. Das haben sie nun davon: Die Elf von Trainer Markus Blatter wird von fast allen Übungsleitern der Konkurrenz auf den Favoritenschild gehoben. Beim SV Saig, in der vergangenen Saison immerhin Vizemeister, will Trainer Andreas Binder nichts von der Titeljagd wissen. "Für ganz oben reicht es bei uns nicht." Mit einer jungen Mannschaft will Trainer Wolfgang Andris beim SV Hölzlebruck die vergangene Zittersaison vergessen lassen. Aufbruchstimmung gibt es auch in Lenzkirch und St. Märgen. Ein Rück- und ein Ausblick.

SV Saig

Hoch motiviert waren die Saiger Fußballer nach einer spannenden Saison als Vizemeister in die Relegationsspiele gestartet. Das Tor zur Bezirksliga schien weit offen zu stehen. Doch statt des direkten Wiederaufstiegs gab es nur Ernüchterung – zu Hause unterlag die Binder-Elf unerwartet klar mit 0:3, in Neukirch gab es eine 5:7-Niederlage. Die Enttäuschung saß tief. Doch mittlerweile ist die Trauer über den verpassten Aufstieg neuer Zuversicht gewichen. "Wir haben das abgehakt", sagt Trainer Andreas Binder, der in der neuen Saison auf eine gewachsene Mannschaft und einen Neuzugang bauen kann – seinen Sohn Nico Binder. Nur zwei Spieler haben das Team verlassen, doch ein gravierender Abschied steht noch bevor. Von September an wird SVS-Torjäger Alexander "Ali" Winter sechs Monate lang in Nordirland studieren. Für Torjäger Nummer zwei, Viktor Schuchart, ist derzeit nach einem Muskelfaserriss jegliche Art von Ballarbeit tabu, zudem fallen Ralph Riedel und Dominik Blattert länger aus. Die Trainingsbeteiligung war in der Saisonvorbereitung alles andere als optimal. Trainer Binder konnte pro Übungseinheit meist nur sieben bis acht Kicker begrüßen. Um wenigstens Testspiele austragen zu können, wurde das Team mit Spielern der SVS-Reserve aufgefüllt. In Bonndorf gab es so eine 0:7-Niederlage, gegen Stegen ein 0:4. Immerhin: B-Kreisligist Göschweiler besiegten die Saiger mit 6:2-Toren. Andreas Binder macht sich keine Illusionen. "Für ganz vorne wird es nicht reichen." Favoriten seien schließlich andere – allen voran Grafenhausen, Fützen und Bräunlingen. "Aber wir wollen unter die besten fünf." Dass es gleich im ersten Spiel am Sonntag zum Titelfavoriten Grafenhausen geht, ist für Binder kein Problem. "Danach wissen wir auf jeden Fall, wo wir stehen."

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SV Grafenhausen

"Topfavorit? Wir? Echt?" Grafenhausens Trainer Markus Blatter versteht es, den ungläubig Staunenden zu mimen, auch wenn er es besser wissen müsste. Kompakt, schlagkräftig, angriffslustig präsentierte sich seine Mannschaft in der vergangenen Frühjahrsrunde. Rang drei zum Saisonende war kein Zufall. Der Kampf um den Titel scheint jetzt der logische nächste Schritt, zumal die Grafenhausener keinen einzigen Abgang zu verzeichnen hatten. Drei von sechs A-Junioren haben in der Vorbereitungsphase den Sprung in den Kader der ersten Mannschaft geschafft. Blatter freut sich auf die erste Standortbestimmung gegen den SV Saig, weil er seine Mannschaft nach konsequenten Trainingseinheiten auf einem guten Weg weiß: "Ich kann nicht klagen." In den Testspielen offenbarten die Grafenhausener Spielwitz, besiegten Bezirksligist Hinterzarten nach 0:2-Rückstand mit 4:2, schlugen den B-Kreisligisten Birkendorf mit 5:0, ließen ein 5:5 gegen Schlüchttal folgen und bezwangen Dillendorf mit 4:0. Ergebnisse, die ermutigen sollten. Doch Blatter wiegelt ab. "Das sind Tests, da kann mer gar nix sägge." Jetzt mal im Ernst, spielt Grafenhausen um den Titel? "Ach", sagt Blatter, "da fallen mir erst mal Saig und Kirchen-Hausen ein". Klar sei aber, "dass wir vorne mitspielen wollen". Noch ehe es richtig los geht, gibt es die ersten Blessierten: Daniel Stritt ist ebenso verletzt wie der ehemalige A-Junior Friedrich Schulz, der sich beim Fußballtennis eine Kapselverletzung zuzog und mindestens vier Wochen ausfällt.

SV St. Märgen

Drei Jahre lang machte Holger Wursthorn in St. Märgen einen guten Job. Die Spieler verabschiedeten ihren Trainer zum Saisonende mit Wehmut und wünschten sich einen Neuen, auf den viele Kicker des SV schon in der C-Jugend gehört hatten: Andreas Saier. Der 41-Jährige kennt den Verein von innen, war lange Jahre Jugendtrainer, führte dann die Saiger Reserve und tritt jetzt als Wunschkandidat an. In St. Märgen setzt er nach der vergangenen Zittersaison weitgehend auf Eigengewächse. Externe Zugänge gab es keine und so erbt Saier die Personalnot, die schon sein Vorgänger beklagt hatte. "Der Kader ist zu dünn besetzt", so Saier. "Da darf nicht viel passieren, sonst bekommen wir Probleme." In der Vorbereitungsphase hat Saier bei optimalen Trainingsbedingungen und wöchentlich drei Übungseinheiten viel experimentiert und manchen Versuch verworfen. "Wir haben einiges probiert, was daneben ging." Etwa gegen Buchenbach. Am Ende eines gescheiterten Experiments stand eine 0:4-Niederlage. Doch mittlerweile steht die Mannschaft, die in der kommenden Kreisliga-A-Saison einen Platz im Mittelfeld anstrebt. Dass sie Tore schießen können, bewiesen die St. Märgener jüngst mit einem 11:0-Erfolg gegen B-Kreisligist Friedenweiler.

SV Hölzlebruck

Der HSV steht vor einem Umbruch. Fünf Externe und fünf A-Junioren verstärken den Kader von Trainer Wolfgang Andris, der in der vergangenen Saison nach dem Rücktritt von Uli Zäh 180 Minuten vor Toresschluss eine Mannschaft übernommen hatte, die nur mit Mühe den Klassenerhalt schaffte. "So eine Saison will in Hölzlebruck keiner mehr erleben", weiß Andris, der von einer gelungenen Vorbereitung berichtet. "Die Jungs haben prima mitgezogen, der Trainingsbesuch war richtig gut." Viel gelaufen sind die Hölzlebrucker Kicker in den vergangenen Wochen, "denn Fitness ist die Basis der Konzentration", so Andris. "Wenn man nicht fit ist, kann man nicht Fußball spielen." Läuferisches Können, das bei diversen Testspielen in Angriffslust mündete. Gegen Bezirksligist Hinterzarten gab es ein 1:3, Dittishausen besiegte der HSV mit 2:1 und Bezirksligist Türkgücü Bräunlingen mit 3:2. Damit nicht genug, gelang ein 4:0-Erfolg gegen den FC Gütenbach. "Die Stimmung passt", ist Andris überzeugt, der eine der jüngsten Mannschaften der ganzen Liga in die neue Saison schickt – das Durchschnittsalter seiner Kicker liegt bei 21 Jahren.

FC Lenzkirch

Oliver Mahler ist der Mann für die unmöglich scheinenden Missionen. Zweimal schon übernahm er den FC Lenzkirch zu Beginn oder mitten in der Frühjahrsrunde – und führte eine Elf, die unrettbar verloren schien, doch noch jeweils zum Klassenerhalt. In der neuen Saison hat Mahler diesmal im Atmos-Stadion von Anfang an das Sagen und das ist gut so. Nach Umstrukturierungen und einigen Umbrüchen im Verein sieht er sein Team nach soliden Trainingsleistungen ("ich kann nicht klagen") auf einem guten Weg. Testspiele mit wechselnder Intensität brachten sein Team voran. Nach dem 0:1 gegen Dittishausen wehrten sich die Lenzkircher tapfer gegen den Schweizer Zweitligisten Old Boys Basel und unterlagen mit 0:7. Gegen Nußbach gelang ein 5:0-Sieg, in Hinterzarten gab es eine 1:3-Niederlage. "Wir haben jetzt etwas mehr Breite in der Spitze", sagt Mahler, der keine Lust auf eine dritte Zittersaison verspürt. "Wir wollen vernünftig starten und nicht wieder so einen chaotischen Auftakt erleben wie in den vergangenen zwei Jahren."

FC Löffingen II

Was nicht sein darf, das nicht sein kann. Mutig stemmten sich die Löffinger in der vergangenen Saison gegen den Abstieg und hatten mit viel Mühe spät Erfolg. Als Drittletzter beendete das Team die Saison und setzte sich in der Relegation im Kampf um den Klassenerhalt knapp gegen den SV Hammereisenbach durch. FCL-Trainer Andreas Hirschbolz, in Personalunion auch neuer Spielausschussvorsitzender des FC Löffingen, macht sich keine Illusionen. "Für uns geht es erneut zuerst und zuletzt um den Klassenerhalt." Um dieses Ziel zu erreichen, brauche sein Team vor allem Nervenstärke. Dass sie Fußball spielen können, bewiesen die Kicker der FCL-Reserve, die in der Saisonvorbereitung meist zusammen mit den Fußballern des Löffinger Bezirksliga-Kaders trainierten, in einigen Testspielen, bei denen für Hirschbolz nicht das Ergebnis, sondern die mannschaftliche Geschlossenheit im Vordergrund stand. Gegen Döggingen gab es ein 1:2, in Unadingen gewann die FCL-Reserve mit 5:2 und in Dittishausen gelang ein 3:1-Erfolg.

SV Gündelwangen

Trainer Stefan Haberstroh freut sich auf ein aufregendes Abenteuer. 1983 spielte der SV Gündelwangen erstmals in der Kreisliga A, 1991 gelang zum zweiten Mal der Sprung aus der Kreisliga B nach oben. Doch beide Male musste der SVG nach nur einer Saison den Abstieg hinnehmen. Das soll sich jetzt nach dem dritten Aufstieg endlich ändern. "Klassenerhalt, ganz klar, das ist unser Ziel ", sagt Haberstroh. "Wir wollen jetzt mal länger als nur zwölf Monate oben bleiben." Eine "gute junge Truppe" sieht er um sich, doch der Kader sei nicht eben üppig besetzt. "Wenn zwei, drei Schlüsselspieler ausfallen, wird es eng", fürchtet Haberstroh. Doch an Sorgen mag er jetzt nicht denken – schließlich ist die Vorfreude auf die neue Saison im Meisterteam der Kreisliga B, Staffel 3 riesengroß. Trotz Urlaubszeit war die Trainingsbeteiligung in den vergangenen Wochen ausgezeichnet – in den Testspielen (2:3 gegen Hinterzarten II, 1:5 in Grüningen, 2:2 gegen Döggingen, 3:3 in Dillendorf) hat Haberstroh aber noch nicht seine Wunschformation gefunden.

FC Neustadt II

Nenad Kapetanovic, Trainer der Neustädter Reserve, die sich als Kreisliga-B-Meister in die Kreisliga A katapultierte, arbeitet eng mit Andreas Ackermann, dem Chef des Landesliga-Teams, zusammen. Ziel der FCN-Reserve ist "nur der Klassenerhalt", so Kapetanovic. "Das ist machbar", glaubt Andreas Ackermann, "denn in der Zweiten gibt es wirklich gute Jungs". Gute, die sich schon in der Landesliga-Elf beweisen durften und auf die Ackermann auch in der kommenden Saison setzt: "Der Weg in die Erste führt über die Zweite." Der Unterbau der Landesliga-Elf sei bedeutsam für die Struktur der Mannschaft – und der gelungene Sprung in die Kreisliga A motiviere die Spieler zusätzlich. "Das Niveau ist deutlich höher als in der Kreisliga B", so Ackermann. "Wenn ich jetzt einen Spieler für die Zweite abstelle, macht der das gerne."

Autor: Johannes Bachmann