Kaltstart zwischen Winter und Frühling

Johannes Bachmann und Jürgen Ruoff

Von Johannes Bachmann & Jürgen Ruoff

Do, 15. März 2012

Kreisliga Schwarzwald

Fußballer der Kreisliga A freuen sich auf den Rundenbeginn und klagen über hartnäckiges Weiß / Besetzungssorgen in Saig, keine Chance auf den Anpfiff in St. Märgen.

FUSSBALL-KREISLIGA A II. Die Vorfreude auf den ersten Ballkontakt unter Wettkampfbedigungen ist trotz Besetzungssorgen und bisweilen miserabler Vorbereitung groß. In der Grauzone zwischen Winter und Frühling beginnt für die Fußballer der Kreisliga A, Staffel II am Wochenende die Fußball-Saison 2012. Noch ehe der Ball rollt, gibt es den ersten Spielausfall. Der Rasenplatz des SV St. Märgen liegt unter einer 30 Zentimeter dicken Schneeschicht begraben. Beste Winter sportbedigungen herrschen noch über roter Erde in Saig und auf dem Kunstrasen des FC Bernau.

SV Saig

Angreifen, um den Titel mitspielen: das war der Anspruch der Saiger Kicker, die vor der Winterpause von Sieg zu Sieg eilten und Weihnachten als Tabellenzweiter erlebten. Doch Mitte März 2012 ist die Zuversicht dahin. Kaum Platz, um sich zu bewegen, geschweige denn den Ball laufen zu lassen, gibt es im Dorf unter dem Himmel. 20 Meter breit ist der weißfreie Streifen auf dem Sportplatz vor dem Tor – "und dann gibt es noch zwei schulterbreite Bahnen auf roter Erde ohne Schnee", berichtet SVS-Trainer Andreas Binder. Der Rest ist mit einer 30 Zentimeter dicken Schneeschicht bedeckt. Die Vorbereitung auf die Frühjahrsrunde gestaltete sich extrem schwierig – und eintönig. "Laufen, laufen, nix als laufen" – so fasst Binder die Übungseinheiten zusammen. Der Ball rollte dann doch: in Freiburg und bei zwei Testspielen. Gegen den Landesligisten FC Neustadt gab es eine 0:4-Niederlage, dem Bezirksligisten SV Hinterzarten mussten sich die Saiger nach robuster Gegenwehr mit 2:3-Toren geschlagen geben. "Es war keine gute Vorbereitung", sagt Andreas Binder und obwohl er Wille zur Leistung erkennt, sind die Sorgen wenige Tage vor dem Saisonstart groß. Stürmer Alexander "Ali" Winter hat sich eine Zerrung zugezogen und kann derzeit nur humpeln, Torjäger Viktor Schuchart klagt über Knieschmerzen, Tiago Borges zwickt die Leiste. Die Mannschaft, die angreifen wollte, wirkt angegriffen. "Wir müssen jetzt von Spiel zu Spiel denken", sagt Binder. "Vielleicht wächst die Mannschaft ja über sich hinaus."

SV Grafenhausen

Markus Blatter strotzt vor Zuversicht. "Im Fußball ist alles möglich", weiß der Trainer des SV Grafenhausen, der auf Rang fünf trotz neun Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter Gutmadingen zumindest von der Vizemeisterschaft träumt. Der Hartplatz ist seit zwei Wochen geräumt, der Ball rollt beim SVG schon routiniert durch die Reihen, auch wenn es Besetzungssorgen gibt. Marius Stulz und Tobias Lutz sind bei den schriftlichen Abiturprüfungen gefordert, dennoch sieht Blatter nach guten Trainingsleistungen und mehr oder minder erfolgreichen Testspielen keinen Grund zur Klage. Gegen Dillendorf feierte der SVG einen 5:2-Sieg, beim SV Eggingen gab es eine 0:5-Niederlage. Am vergangenen Wochenende stimmten sich die Grafenhausener bei 15 Plusgraden mit einem Trainingslager am Gardasee auf die Herausforderungen der Frühjahrsrunde ein. Dabei ging es natürlich um Übungen am Ball und ein Testspiel, das gegen ein Team aus der bayerischen Bezirks-Oberliga mit 0:6 verloren ging, aber vor allem um das, was Sportpsychologen "Teambuilding" nennen. Blatter sagt dazu "Kameradschaft". Die gilt es in der Fremde zu beweisen. "Die Partie in Pfohren wird ein echter Prüfstein", blickt Blatter auf das erste Punktspiel der Frühjahrsrunde voraus.

SV Hölzlebruck

Herr Zäh, haben Sie ein bisschen Zeit, lautet die Frage. Der Hölzlebrucker Trainer lacht schallend. "Das wird nicht billig", sagt er und lacht erneut. Das war in den vergangenen Wochen und Monaten nicht immer so, dem stets brodelnden Schwarzwald-Vulkan ist das eine oder andere Mal das Lachen vergangen. Ein bisschen fußballmüde sei er, das gibt er zu. Zäh spricht von einer schwierigen Zeit, der Umbau der Mannschaft von Alt auf Jung geriet immer wieder ins Stocken. Zudem vermisste Zäh bei der Spielersuche die Unterstützung des Vereins. "Es war und ist nicht einfach in Hölzlebruck", sagt er – Verein und Trainer haben beschlossen, dass der gemeinsame Weg im Sommer endet. Einige Spieler, die im Herbst noch für die Gelb-Schwarzen kickten, stehen im Frühjahr nicht mehr zur Verfügung: Alexander Sinner ist in China, berufs- und studienbedingt fallen Thomas Waldvogel, Thomas Fischer und Stefan Mayer aus. Tief enttäuscht ist Zäh von Stefan Modrezejewski, der im vergangenen Sommer aus Eisenbach kam. "Der kommt einfach nicht mehr ins Training", sagt Zäh. 15 Punkte gibt er als Ziel für die restlichen zwölf Spiele aus. "Das müsste reichen, um in der Liga zu bleiben. Das ist das Ziel."

FC Bernau

Es ist durchaus möglich, dass der FC Bernau am Sonntag bei der SG Fützen/Epfenhofen antritt, ohne zuvor ein vernünftiges Balltraining absolviert zu haben. "Sowas geht dann nur über den Kopf und den Willen", sagt José Rodrigues, der zusammen mit Raphael Schlachter die Bernauer Mannschaft coacht. Im hinteren Albtal ist seit Wochen und Monaten tiefer Winter, erst jetzt bekommt der weiße Teppich erste Risse. Früher sind sie in solchen Fällen mit schwerem Gerät auf den Hartplatz gefahren und haben das hartnäckige Weiß einfach beiseite geschoben. Das geht auf dem neuen Kunstrasenplatz nicht mehr. Der verträgt kein schweres Gerät, also müssen sie warten. Und laufen. Einmal haben sie sich bei minus 17 Grad zum Lauftraining getroffen. Nach fünf Minuten wurde der Versuch abgebrochen: "Es ging einfach nicht. Es hat dir alles zusammengezogen. Es war zu kalt", sagt Rodrigues. Die Testspiele sind auch ausgefallen. "Wir müssen uns eben in den ersten Spielen einspielen", sagt Rodrigues süffisant. Er vertraut bei der Mission Klassenerhalt auf die Bernauer Tugenden: Kampf, Heimstärke und Kameradschaft. Wenn er an den Saisonauftakt am Sonntag denkt, beschleicht José Rodrigues schon ein mulmiges Gefühl: "Mol schaue, wie mir inikömme."

SV St. Märgen

Holger Wursthorn winkt ab. "Das wird nix." Der St. Märgener Rasenplatz liegt unter einer 30 Zentimeter dicken Schneeschicht begraben. Für das Heimspiel gegen den FC Löffingen II sieht der SV-Trainer "null Chance". Darüber ist er nicht wirklich böse, sind doch (zu) viele St. Märgener verletzt, krank oder beruflich verhindert. Matthias Löffler und Matthias Hermann fallen als Doppel-Sechs derzeit aus. Zudem ist der Stammtorhüter verletzt. "Personell sieht’s dünn aus", berichtet Wursthorn von dicken Sorgen. In den Testpielen holperte der Ball, dem 4:3-Erfolg in Buchenbach folgten eine 1:4-Niederlage gegen Liga-Konkurrent Lenzkirch und ein 2:2 gegen St. Peter. Nach der ungebremsten Talfahrt im November, die mit Beginn der Winterpause auf Rang zwölf endete, hofft Wursthorn auf eine Trendwende. "Wir spielen gegen den Abstieg. Es darf nur aufwärts gehen." Schließlich will er, wenn er im Juni nach drei Jahren als Trainer in St. Märgen seinen Abschied nimmt, den Klassenerhalt feiern.

FC Lenzkirch

Die französische Seele verträgt mehr Erschütterungen als die deutsche. Der Franzose ist ja lebenslustig und daueroptimistisch. Das war auch im Fall von Francois Blondeau so, als er vor anderthalb Jahren das Traineramt beim FC Lenzkirch übernahm. Obwohl der Kader stets klein, der Trainingsbesuch schwach und die sportlichen Erfolge bescheiden waren, sprühte Blondeau vor Zuversicht. Die ist nun weg, "Katastrophe" sagt er, "eine einzige Katastrophe". Es werde viel geredet im Verein, aber wenig gemacht. Derzeit steht ihm ein Kader von zwölf Spielern zur Verfügung. Ein Torwart ist nicht dabei. Philipp Jägler ist weg, aus der zweiten Mannschaft hat sich ein Spieler bereit erklärt, zwischen die Pfosten zu stehen. Gelernt hat er das Bälle fangen nicht und so endete ein Testspiel gegen Gündelwangen mit 7:5. Ein Eishockey-Ergebnis. Blondeau hat genug. Über den Sommer hinaus will er nicht Trainer beim FC Lenzkirch bleiben. Derzeit führt er Gespräche mit der neu gewählten Vereinsspitze, "vielleicht ist auch schon früher Schluss", sagt er. Egal ob er die Mannschaft trainiert oder ein anderer Trainer, die Mission Klassenerhalt beim FC Lenzkirch ist schwierig. Drittletzter ist die Mannschaft, auf den Viertletzten Möhringen sind es bereits sechs Punkte Rückstand. Und viel passieren darf nicht, denn der Kader ist klein. Sehr klein.

TuS Bonndorf II

Norbert Plum ist Optimist. Doch manchmal wird die Zuversicht des Bonndorfer Trainers auf eine harte Probe gestellt. "Der Trainingsbesuch liegt bei 58 Prozent", berichtet Plum, "und Besserung ist nicht in Sicht". Zwar gibt es auf dem Hartplatz im Waldstadion seit rund zwei Wochen ordentliche Trainingsbedingungen, doch das Leistungsgefälle innerhalb der Mannschaft ist enorm. "Die, die da sind, ziehen gut mit", weiß der Coach. Bei den Testspielen konnte Plum kein einziges Mal auf so etwas wie eine Wunschformation setzen. Gegen die auf dem letzten Platz notierten Kicker des Aufsteigers FC Löffingen II kassierten die Bonndorfer im ligainternen Duell eine 1:7-Niederlage. Gegen Stühlingen gab es einen 2:0-Sieg, nach 90 Minuten gegen Weizen stand ein 2:2. "Ich hoffe, dass nur zwei Teams absteigen und wir uns auf den drittletzten Platz retten", sagt Plum. Um den Wunsch Realität werden zu lassen, hat er drei Haudegen reaktiviert, die er bei den Alten Herren zu früh beim alten Eisen sieht: Jens Hogg, Alex Bündert und Armin Preiser.

FC Löffingen II

Gerold Happle, der mit Volker Haas und Andreas Hirschbolz die zweite Löffinger Mannschaft betreut, ruft den Fußballgott an. Das muss er auch, denn die Lage der Rothosen ist prekär. Tabellenletzter ist die Mannschaft mit nur zehn Punkten aus 18 Spielen. Happles Hilferuf gen Himmel lautet: "Wenn es einen Fußballgott gibt, dann sorgt er für Gerechtigkeit. Es waren in der Hinrunde viele knappen Spiele, wir hatten einfach viel Pech." Nach fußballerischem Ermessen ist die Rothosen-Reserve so gut wie abgestiegen. "Es würde an ein Wunder grenzen, wenn wir das noch schaffen", findet auch Happle. Zumindest hat die Mannschaft jetzt in Florian Hoffmann wieder einen Torwart, in der Hinrunde stand phasenweise ein Feldspieler im Tor. Der neue Schlussmann kam vom SV Göschweiler, dorthin wanderten aber auch drei Löffinger Spieler (Kornjenko, Lassen, Tomic) ab. Das erste Spiel in St. Märgen fällt aus, der FC Löffingen II hat eine Woche mehr Vorbereitungszeit.