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01. Dezember 2011

Zwischen Gipfelnähe und Abgrund

Saigs Trainer Andreas Binder freut sich auf einen Bühnenkuss / Hölzlebrucker im Zwiespalt / Sorgen und Trotz in St. Märgen, Lenzkirch, Bonndorf und Löffingen.

  1. Die Kehrseite des Erfolgs: Marco Faller vom SV St. Märgen ist nach der 2:6-Heimniederlage gegen Bräunlingen am Boden zerstört. Foto: Patrick Seeger

  2. Patrick Faller (links) und seine Saiger Teamkollegen kletterten zuletzt mit fünf deutlichen Siegen nach oben und überwintern auf Rang zwei. Matthias Haas (rechts) mag angesichts der ernüchternden Leistungen des FC Lenzkirch gar nicht mehr hinsehen auf die Tabelle. Foto: patrick Seeger

FUSSBALL-KREISLIGA A II. Wer oben steht, dem fällt jeder Schritt leicht. Trotz 18 Spielen in den müden Beinen würden die Fußballer des SV Saig, die nach fulminanter Aufholjagd auf Rang zwei überwintern, ebenso gerne noch für mindestens 180 Minuten weiterspielen, wie die Kicker des auf Rang fünf notierten SV Grafenhausen. Doch der Terminplan ist unerbittlich. Weiter gekickt wird erst am 17. März 2012. Und das ist gut so, befinden die Trainer aus Bernau, St. Märgen, Lenzkirch, Bonndorf und Löffingen, die Kräfteverschleiß und innere Leere beklagen und die Winterpause herbeisehnten. Ein Rück- und ein Ausblick.

SV Saig

Warum aufhören, wenn’s am schönsten ist. "Ganz ehrlich, die Winterpause müsste jetzt noch nicht sein", sagt Saigs Trainer Andreas Binder, der mit seiner Mannschaft gerne noch ein, zwei Wochenenden länger gespielt hätte. Aus gutem Grund. Die vergangenen fünf Partien hatte das Team des Bezirksliga-Absteigers schließlich deutlich und dank Bestbesetzung gewonnen. "Wir sind gut drauf", freut sich Binder. Mit einer eindrucksvollen Aufholjagd hat sich die Elf aus dem Dorf unterm Himmel bis auf zwei Punkte an Spitzenreiter Gutmadingen herangepirscht und überwintert auf dem Platz des designierten Vizemeisters. "Vorne mitspielen", hatte Binder nach dem Abstieg die Losung ausgegeben. Doch nach einem Höhenflug sah es in Saig lange nicht aus. Mehr seit-, als aufwärts zeigte die Leistungskurve, die Binder-Elf dümpelte, geplagt von Verletzungsproblemen im Mittelfeld. "Wir waren Mittelmaß und haben uns durchgemogelt", erinnert sich der Trainer. Doch seit Mitte Oktober ging es stetig aufwärts. Und plötzlich scheint der Titel und damit der direkte Wiederaufstieg möglich. "Wir haben es im Frühjahr selbst in der Hand", sagt Binder, der keinen Grund sieht, "in der Winterpause personell etwas zu verändern". Saig verlassen wird Torhüter Marc Levering, der zum SV Hinterzarten wechselt. Doch gleichwertiger Ersatz zwischen den Pfosten ist längst gefunden: "Philip Diemand ist ein starker Rückhalt", lobt Binder. Während seine Fußballer nun erst einmal zum nichtstun gezwungen sind, gibt es für den Saiger Trainer keine Ruhepause, weil ihn viel Theater erwartet. Anfang Januar mimt der leidenschaftliche Laiendarsteller im Ensemble des SV Hölzlebruck einen jugendlichen Liebhaber. Wie er heißt? "Ich glaub’, ich bin der Tom", sagt Binder. "Aber ich bin auch die Tamara." Das klingt nach Komplikationen auf der Bühne. Fest steht immerhin schon, wen Binder vor erwartungsfrohem Publikum küssen darf. Die Glückliche heißt Nicole Bayer.

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SV Grafenhausen

Erfolg macht offensichtlich hungrig. Tabellenfünfter sind die Grafenhausener nach 18 Spielen und wie in Saig gibt es wenig Lust auf die Winterpause. "Blöd, das jetzt Schluss ist", sagt Trainer Markus Blatter und berichtet von traumhaften Bedingungen wie im Frühjahr. Das letzte Spiel des Jahres gewannen die Grafenhausener auf dem durch Daniel Stritt gedüngten und von Platzwart Rudi Rosa akkurat getrimmten Rasenplatz, der Verbandsliga-Ansprüchen gerecht wird, mit 3:0 gegen Bonndorf und nahmen damit Revanche für die 1:2-Hinrundenniederlage, die Blatter monatelang gewurmt hatte. "Damals haben wir beim TuS die schlechteste Saisonleistung gezeigt." 30 Punkte gewonnen haben die Grafenhausener, die im Juni unglücklich den Aufstieg in die Bezirksliga verpasst hatten. "Doch es wäre mehr drin gewesen", sagt Blatter. Zu Hause musste sich sein Team nur dem SV Hölzlebruck geschlagen geben, zudem gab es zwei Unentschieden. Alle anderen Partien wurden meist deutlich gewonnen – gegen den aktuellen Tabellenzweiten Saig gelang ein überzeugender 5:1-Erfolg. Auswärts taten sich die Grafenhausener zu Saisonbeginn schwer. Doch das hat sich geändert. Zehn Punkte gewann die Elf auf fremdem Platz. "Von Auswärtsschwäche kann keine Rede sein", so Blatter, der sich jetzt darauf freut, den Ball links liegen zu lassen und (falls Schnee fällt) in die Bindung seiner Abfahrtsski einzuklicken. "Ein bisschen bällele" will er auch – mit seinen Kumpels in der AH-Elf aus Birkendorf. Am 11. Februar will er zur ersten Übungseinheit im neuen Jahr bitten. Eine Woche vor dem Start in die Frühjahrsrunde steht am Gardasee ein Trainingslager auf dem Programm. "Und dann", so hofft Blatter, "werden wir angreifen."

SV Hölzlebruck

Uli Zäh pustet kräftig durch. Die Bewertung der bisherigen 18 Saisonspiele fällt dem Hölzlebrucker Trainer nicht leicht, denn er ist zwiegespalten. Auf der einen Seite ist er zufrieden mit dem Erreichten, mit Rang acht und 26 Punkten. Die Entwicklung der Mannschaft sei erfreulich, sagt er. Das war nach dem Fortgang der Leistungsträger Peter Beha, Alexander Falkenstern und Peter Grüninger nicht unbedingt zu erwarten. Andererseits sind da die letzten drei Spiele vor der Winterpause, die Zäh missmutig stimmen. Allesamt gingen sie verloren. "Obwohl der Trainingsbesuch gut war, ist uns zuletzt etwas der Saft ausgegangen." Das ärgert ihn. Es war mehr drin, findet er, wenngleich einige Stammkräfte zuletzt ausfielen. "Wenn es spielerisch nicht so läuft, muss man halt auch mal die Motorsäge auspacken und rattern lassen", knurrt Zäh. Der Makel der Mannschaft wurde gerade in den jüngsten Spielen offenkundig. Sie verfügt im Angriff über keinen "Knipser". Die Chancen, die sich die Elf durch schnelles Flügelspiel erarbeitet, führen zu selten zum Erfolg. "Zwischendrin, bis zum Sieg in Grafenhausen, haben wir aber richtig gut gespielt", sagt Zäh, "da hat man gesehen, dass das eine Mannschaft mit tollem Teamgeist ist".

FC Bernau

Die Bernauer haben einen Standortnachteil. Wenn andere nach der Winterpause schon wieder trainieren und Bälle streicheln, dann räumen sie im hinteren Albtal noch Schnee und Eis beiseite. Die ersten Spiele im Frühjahr verlaufen deshalb oft nicht nach Wunsch. Der FC Bernau hat aber gelernt, mit derlei Nachteilen umzugehen. "Wir gleichen das durch andere Tugenden aus. Wir sind ein eingeschworener Haufen. Das ist unser Vorteil", sagt Raphael Schlachter, der den Tabellenelften zusammen mit José Rodrigues coacht. Verletzungen rissen allerdings allzu oft Lücken in den Zusammenhalt, anders sind die deftigen 0:7-Niederlagen gegen Saig und Grafenhausen nicht zu erklären. Benedikt Köpfer und Sebastian Maier kamen nur sporadisch zum Einsatz, in Torwart Fridolin Heni, Markus Schwarz, David Florin und Florent Ramani fielen wichtige Spieler lange aus. "Wir müssen schon in jedem Spiel 100 Prozent geben, um eine Chance zu haben. Aber dann ist es gegen uns nicht einfach zu gewinnen", sagt Schlachter, der den 3:1-Sieg gegen Hölzlebruck im letzten Spiel vor der Winterpause "richtig geil" fand. Ein Erfolgserlebnis, das stimuliert: "Wir hätten schon gerne einen einstelligen Tabellenplatz. Rang acht oder neun, das würde unseren Leistungsstand wiedergeben", findet der Bernauer Trainer.

SV St. Märgen

Holger Wursthorn holt tief Luft für einen Stoßseufzer: "Endlich Winterpause." Debakel in Serie hatte die Elf des St. Märgener Trainers in den vergangenen fünf Spielen hinnehmen müssen. Aus der erweiterten Spitzengruppe stürzte das Team auf Rang zwölf ab. Irgendwann hat es Wursthorn aufgegeben, die Gegentreffer zu zählen: "Gefühlt waren’s 348 Tore." Statt nach zwei, drei Toren Rückstand die Niederlagen in Grenzen zu halten und "mit Zuschieben das Schlimmste zu verhindern", hätten seine Fußballer munter weiter gestürmt. "Wir sind mit fliegenden Fahnen untergegangen." Die Verunsicherung in den Köpfen wurde damit nicht kleiner. Doch Wursthorn, der die starke Trainingsbeteiligung ("da kommen zwischen 18 und 25 Leute") als Indiz für den Leistungswillen sieht und die Vorstandsriege des SV St. Märgen hinter sich weiß, bleibt zuversichtlich. "Wir werden nicht aufgeben, weiter arbeiten und im Frühjahr das Glück erzwingen." Bis zum Trainingsauftakt Anfang Februar werden die St. Märgener den Ball immer mal wieder ohne Leistungsdruck streicheln können – beim Futsalturnier am 17. Dezember in Hinterzarten und beim Soccer-Turnier am vorletzten Tag des Jahres in der heimischen Weißtannenhalle.

FC Lenzkirch

Es hat fast schon Tradition beim FC Lenzkirch, dass die Mannschaft den Jahreswechsel in der abstiegsgefährdeten Zone verbringt. Zum dritten Mal in Folge hat sie eine schlechte Hinrunde gespielt, in den vergangenen Spielzeiten konnte sie das jeweils mit einer famosen Erfolgsserie im Frühjahr wettmachen. Erleben wir erneut ein Lenzkircher Frühjahrswunder? "Oh, oh, oh", ruft Trainer Francois Blondeau, denn er weiß um die Schwierigkeit, das Kunststück stets auf Neue zu wiederholen. Es ist wie der Tanz auf dem Seil, der auch mal schief gehen kann. Zumal der Drittletzte in den ersten Spielen nach der Winterpause auf Torwart Philipp Jägler verzichten muss, der eine Weltreise macht. Ersatz ist nicht in Sicht, Blondeau hat keine Ahnung, wen er dann ins Tor stellen soll. "Ich bin kein Zauberer", sagt der Lenzkircher Trainer. Ein bisschen Magie wird aber vonnöten sein, um die Kurve erneut zu kriegen. "Die Mannschaft hat was drauf. Wenn wir komplett sind, können wir vorne mitspielen", ist Blondeau überzeugt. Komplett war seine Mannschaft zuletzt aber viel zu selten. Etliche Spieler waren angeschlagen – Matthias Haas, Dominik Walleser, Christian Strübe, Felix Jägler – und in Christopher Haas fehlte der Spielmacher im Mittelfeld. "Wir werden aber alles geben, um in der Liga drinzubleiben", verspricht Blondeau.

TuS Bonndorf II

"Wir wurden richtig gebeutelt", sagt TuS-Trainer Norbert Plum, der sich mit seiner Elf deutlich mehr erhofft hatte und nun nur einen Zähler vor Aufsteiger Löffingen II auf dem vorletzten Platz überwintern muss. Bei der Aufstellung hatte Plum mehr Qual als Wahl, weil er nehmen musste, wer spielen konnte. Krankheiten, Verletzungen, Rote Karten und dann bisweilen auch noch Urlaubswünsche machten viele taktische Überlegungen zunichte. Von der Viererkette verabchiedete sich der stellvertretende Vereinschef schon kurz nach dem Saisonstart, weil er im Training unter der Woche meist nicht mehr als sechs bis sieben Mann seines Kaders zu Gesicht bekam. Und die jungen, der A-Jugend entwachsenen Kicker hatten mit der robusten Spielweise in der Kreisliga A ihre liebe Mühe. In Zweikämpfen sind die schmalen, zerbrechlich wirkenden jungen Bonndorfer schon rein optisch häufig die Unterlegenen. "Meine Jungs sind so schmal wie Bleistifte", so Plum, "und dann prallen die auf Abwehrspieler, die so robust sind wie ein Betonblock". Kein Wunder also, dass die Bonndorfer Hoffnungen zerschellten. Damit nicht genug, muss die TuS-Reserve in der Frühjahrsrunde wohl ohne den etatmäßigen Libero Uwe Intlekofer auskommen, der im letzten Spiel des Jahres in der Bonndorfer Bezirksliga-Elf auflief – und sich in Pfaffenweiler einen doppelten Bänderriss zuzog. Doch trotz aller Sorgen ("ich hab’ einige graue Haare mehr bekommen"), hält Plum im Abstiegskampf unbeirrt zu seiner Mannschaft: "Es bringt nichts, wenn ich den Optimismus verliere."

FC Löffingen II

Gerold Happle gibt sich kämpferisch: "Das mit dem Klassenerhalt, das wird extrem schwierig. Aber wir wollen ihn schaffen", sagt der Mann, der zusammen mit Volker Haas seit ein paar Wochen den FC Löffingen II coacht. Trainer Bruno Ott war Anfang November von seinem Amt zurückgetreten. Die Reserve der Rothosen überwintert auf dem letzten Tabellenplatz, mit zehn Punkten aus 18 Spielen fällt die Bilanz mickrig aus. Happle glaubt dennoch an das Wunder, "denn wir waren in den meisten Spielen fußballerisch nicht schlechter als der Gegner". Mangelnde Erfahrung und Cleverness gaben den Ausschlag, dem jungen Löffinger Team entglitten viele Punkte in der Schlussphase. "Von der 85. Minute an haben wir einiges verschenkt, da hat sich die Mannschaft oft nicht sehr clever angestellt", sagt Happle. Ein anderes Problem ist die enorme Rotation. 32 Spieler kamen in der Löffinger Zweiten bisher zum Einsatz, die Erste hat Vorrang. "Ein eingespieltes Team zu formen, ist so natürlich schwierig."

Der Sieg im letzten Spiel vor der Winterpause gegen den FC Bräunligen (2:0) ist für Happle jedoch ein Signal, dass das Unmögliche möglich ist. "In der Mannschaft ist Leben", sagt er. Worte, die wie eine Kampfansage klingen.

Autor: Johannes Bachmann und Jürgen Ruoff