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12. März 2010

Blumensträuße statt Rosenkrieg

Bemerkenswert reibungslos regelt Fußball-Landesligist FC Zell die Nachfolge von Trainer Karlheinz Nann im Sommer.

  1. Nach sechs Jahren FCZ geht Karlheinz Nann im Sommer. Foto: schön

  2. Vorbildliche Einstellung: Nachfolger Kurt Schwald. Foto: kaufhold

FUSSBALL. Wenn es gut geht, bleibt am Ende eine unauffällige Narbe. Wenn es schlecht läuft, klafft eine blutende Wunde, die nie verheilt. Fußballtrainer haben zu ihren alten Vereinen oftmals ein Verhältnis, das mit schwierig noch freundlich umschrieben ist. Tiefe Gräben werden meist dann aufgerissen, wenn ein Verein seinen Trainer vorzeitig entlässt oder ihn nicht weiter beschäftigt. Doch ein Abgang aus Not ist ja meist die Regel, und die Floskel vom gegenseitigen Einvernehmen nicht mehr als Maskerade. Es ist deshalb ungewöhnlich, wie reibungsfrei beim Landesligisten FC Zell der Wechsel von Karlheinz Nann zu Kurt Schwald im Sommer vorbereitet wurde.

Zwei Dinge sprachen eigentlich für die Variante Rosenkrieg und Intrigenstadl: Zum einen hat sich Nann in seinen fast sechs Jahren beim FC Zell so viel Anerkennung erarbeitet, dass er von Vereinsseite kaum geräuschlos verabschiedet werden konnte. Zum anderen galt Schwald lange Zeit im Wiesental als Reizfigur, die wegen ihrer impulsiven Art vielen Spielern und Mitgliedern des eher bedächtig werkelnden Klubs suspekt war – trotz einer Spielerkarriere, die den gebürtigen Atzenbacher bis in die Oberliga führte, trotz der Erfolge als Spielertrainer beim FC Wehr, den Schwald zweimal in die Verbandsliga führte. Der Zeller Vorsitzende Adrian Philipp steckte in einer Zwickmühle: "Dem einen ist der Kalle zu leise, dem anderen ist der Kurt zu laut."

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Den Stein brachte dann Nann selbst ins Rollen. Im vergangenen Dezember informierte er die Klubleitung, dass er im Sommer 2010 aufhören will. Schon im Vorjahr konnte er nur mit Mühe zum Weitermachen überredet werden. "Ich brauche jetzt mal eine Pause", sagt Nann. Und: "Viele Spielen brauchen eine neue Ansprache." Nann wollte den Zeitpunkt zum Aufhören selbst bestimmen.

"Dabei gehöre ich zu den langatmigen Trainern", sagt der 56-jährige Kriminalbeamte. Sieben Jahre war er zuvor am Stück beim SV Todtnau, sechs Jahre beim FC Schönau. Er sei immer offen und ehrlich mit seinen Spielern umgegangen: "In 28 Jahren habe ich noch niemanden angelogen", sagt Nann. In der neuen Saison will er die Wochenenden erst mal genießen. Zwei Anfragen aus der Bezirksliga hat er schon abgelehnt. Nann will mindestes ein halbes Jahr warten, "ob ich noch mal das Feier in mir spüre".

Das Feuer lodert zweifellos in Kurt Schwald. Anfang Februar gab der Verein bekannt, dass Schwald im Sommer die Nachfolge von Nann antritt. "Kurt ist ein Fachmann, im Bezirk gibt’s keinen besseren Trainer", ist sich Jürgen Philipp sicher. Der Vorsitzende streitet jedoch ab, dass der Wechsel bereits von langer Hand geplant war, als Schwald vor einem Jahr infolge seiner Demission beim Freiburger FC als Spieler nach Zell zurückkehrte.

Nann selbst brachte den Stein im Dezember ins Rollen

Nun erweist sich jedoch genau dieser Schritt als Volltreffer: "Das Jahr als Spieler war enorm wichtig für mich", sagt Schwald. Zum einen habe er dabei die Spieler kennenlernen können und wisse nun, wie er mit den verschiedenen Charakteren umgehen müsse. Zum anderen konnte Schwald auch Ressentiments in der Mannschaft ausräumen. "Mit seiner Trainingseinstellung ist er für die Mannschaft ein Vorbild, und auf dem Platz hilft uns seine Ansprache weiter", sagt Nann.

Nann und Schwald – beide schätzen sich gegenseitig. Nann lobt Schwalds loyale Art, Schwald attestiert Nann großes Geschick beim Umbau der Mannschaft im Herbst. Schwald organisiert nun als Abwehrchef die Dreierkette. "Das war die beste Umstellung, die er machen konnte", sagt Schwald anerkennend.

Beide zusammen haben noch ein großes Ziel vor Augen: den Klassenerhalt. Zell hat bereits ein Spiel mehr als die Konkurrenz absolviert und nur vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegsregion. "Ich glaube, allen Spielern ist der Ernst der Lage bewusst", sagt Schwald. Nann setzt auf die Rückkehrer Thorsten Thaler, Simon Jäckh und Fabio Muto. Zweieinhalb Monate hat er noch Zeit beim FC Zell: "In denen will ich mit der Mannschaft alles investieren, um nicht abzusteigen."

Autor: Matthias Kaufhold