Ein sportlicher Offenbarungseid

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Di, 11. September 2018

Landesliga Staffel 3

Neustadts Trainer blickt nach 1:5-Heimklatsche mit einem Notkader Richtung Bezirksliga / FCL-Coach Bärmann lobt Willensstärke.

FUSSBALL-LANDESLIGA. Der Erfolg hat viele Väter. In der Niederlage wird man schroff auf sich selbst zurückgeworfen. Wie gnadenlos die vermeintlich schönste Nebensache der Welt sein kann, erlebt nun schon seit Wochen Benjamin Gallmann, leidgeprüfter Trainer des Verbandsligaabsteigers FC Neustadt, der mit seiner Mannschaft auch eine Etage tiefer keinen Halt findet. Nach der 1:5-Heimniederlage gegen den FC 08 Villingen II scheinen die mit mageren drei Punkten auf dem drittletzten Platz notierten Neustädter im freien Fall.

Gallmann, der vor dem Anpfiff zwei Tage lang versucht hatte, irgendwie elf Mann auf den Platz zu bekommen und Christof Bruhn aus dem Fußballruhestand zum FCN zurückholte, war schon fünf Minuten nach dem Anpfiff fassungslos. Nach dem 0:2 und dem Platzverweis für Niklas Eckert waren die Neustädter nicht mehr konkurrenzfähig. "Wir hätten noch höher als 1:5 verlieren können", so Gallmann. Es ist ein Offenbarungseid in höchster sportlicher Not.

"Die Gefahr des Abstiegs

besteht definitiv."

FCN-Trainer Benjamin Gallmann
Dass die Vereinsführung um den sportlichen Leiter Rolf Eckert zusammen mit Gallmann im Juli sehenden Auges eine strukturelle Krise einfach nicht sehen wollte, ist offensichtlich. Aus dem fußballerischen Miniaturkader des FCN ist Anfang September eine bemitleidenswerte Notgemeinschaft geworden, der das Scheitern droht. Zerbröselt jetzt alles beim FC Neustadt? Gallmann atmet hörbar durch, seine Stimme wirkt brüchig: "Ja, die Gefahr des Abstiegs besteht definitiv." Es wäre, nach dem herben Scheitern in der Verbandsliga, ein Fall ins Bodenlose. Die Bezirksliga, das ist für die Neustädter eine terra incognita. Seit mehr als einem halben Jahrhundert spielt die erste Fußballmannschaft des FCN auf überbezirklicher Ebene.

Besserung scheint nicht in Sicht. Es könnte noch schlimmer kommen und womöglich soweit, dass die Neustädter es nicht mehr schaffen, eine Mannschaft zu stellen. Momentan gebe es in seinem Minimalteam, abgesehen von Fabian Papa, der sich in der vergangenen Woche das Kahnbein brach und bis nach der Winterpause ausfallen wird, keine Verletzten, so Trainer Gallmann. "Im Oktober und November kann das ganz anders und schlimmer aussehen." Was also tun? Gallmann gibt zu, dass er ratlos ist wie einer, der auf hoher See Wasser mit einem Becher aus einem Boot schöpft, das halbvoll gelaufen abzusaufen droht. Nichts mehr schönreden will er. "Offen gesagt geben wir ein ganz schlechtes Bild ab", so Gallmann "und mir gehen so langsam die Ideen aus". Dennoch stellt er sich vor die Mannschaft, die mittlerweile so klein ist, dass sie sich fast geschlossen hinter seinem Rücken verstecken kann. Er sei kein Typ, der einfach hinwerfe, sagt der Trainer. Helfen wolle er, wo er könne, auch wenn er wisse, dass er sich dabei aufreibt. Draufhauen sei nicht sein Ding, "aber es ist jetzt verdammt schwer, eine Kritikkultur zu leben". Sorgen bereite ihm nicht nur der aktuelle Ist-Zustand des FC Neustadt, sondern auch die Zukunft.

Die Zeit, in der das Team aus der Wälderstadt als erste Fußballadresse im Hochschwarzwald galt, scheint vorbei zu sein. Im vergangenen Verbandsligajahr war Torhüter Rick Kiefer, der vom Stadionnachbarn SV Hölzlebruck zu seinem Stammverein zurückkehrte, einziger externer Neuzugang. Vor dem Neuanfang in der Landesliga gelang es der FCN-Führung lediglich, Torjäger Thomas Fischer vom A-Kreisligisten SV Gündelwangen als Verstärkung von außen ins Jahnstadion zu lotsen. Zerschlagen hat sich die Hoffnung, dass aus dem Kader der FCN-Reserve, die wie die Erste einen Abstieg hinter sich, ein bisschen Hilfe kommen könnte. Wie es weitergeht mit dem FC Neustadt? "Ich weiß es nicht", gesteht Benjamin Gallmann.

Auf drei, vier Leistungsträger muss Uli Bärmann, neuer Trainer des Landesligisten FC Löffingen, in diesen Tagen immer mal wieder verzichten. Doch er hat genügend Personal, um das Flaggschiff des Vereins auf Kurs zu halten. Lecks sind nicht in Sicht und auch wenn der Dampfer des neuen Kapitäns kein Schnellboot ist, kommen die Löffinger selbst in rauer See ordentlich voran. In Stockach gelang dem FCL nach einem kuriosen Spielverlauf ein 4:3-Sieg, mit dem sich die Löffinger in der Landesligatabelle auf Rang acht verbesserten. Ein Erfolg des Kollektivs, aus dem Bärmann einen Mann besonders hervorhebt: Torhüter Dominik Osek. Der hielt den FCL im Spiel und glänzte mit drei herausragenden Rettungstaten.

"Wir sind aufgewacht

und waren aufgeweckter."

Trainer Uli Bärmann
Mit dem ersten Durchgang zeigte sich Bärmann "überhaupt nicht zufrieden, da haben wir kein Bein auf den Boden gebracht, der Spielaufbau hat nicht gepasst". Geschuldet war das vielleicht auch Bärmanns Spielsystem. Ob das zu kompliziert ist? In Durchgang zwei, so der Trainer, habe er "ein einfacheres System" spielen lassen und ein bisschen umgestellt. Plötzlich lief es für die Löffinger, obwohl die Stockacher nach der 3:1-Führung des FCL per Elfmeter verkürzten und das 4:2 durch Isele (88.) vom ominösen Punkt noch auf 3:4 verringerten. Frischer und sinnvoller habe seine Mannschaft im zweiten Durchgang gespielt, so Bärmann, "wir sind aufgewacht und waren bis zum Schlusspfiff das aufgewecktere Team".