Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

15. November 2011

FC Neustadt ist nach Niederlage verunsichert

Löffinger und Saiger Fußballer behalten mit klaren Siegen im dichten Nebel den Durchblick.

  1. Alle Hände voll zu tun hat Neustadts Torhüter Rick Kiefer. Zuletzt musste er allerdings den Ball zu oft aus dem Tornetz holen. Foto: Thomas Scherer

  2. Lichtblick im Schattenspiel: Die Löffinger Fußballer (ganz in weiß) gewannen das Hochschwarzwald-Derby gegen Bonndorf mit 3:1. Foto: seeger

FUSSBALL. 15 Mal ist der FC Neustadt in dieser Saison bisher angetreten, vor allem in den ersten Landesligaspielen beeindruckten die Blauen mit Offensivfußball und einer respektablen Ausbeute: 7:4 gegen Rielasingen-Arlen, 4:0 bei der DJK Villingen und gegen den FC Königsfeld. Am Wochenende drehte der Hegauer FV den Spieß um: 0:4 verlor der FC Neustadt dort, wo er in den vergangenen Jahren noch nie etwas zu bestellen hatte. Das ist die höchste Niederlage, die die FCN-Fußballer in dieser Runde bisher einstecken mussten. Vorne fehlt plötzlich die Treffsicherheit und hinten wackelt die Abwehr.

Für Alfons Janisch war es ein besonderes Spiel. Das Neustädter Vorstandsmitglied ist in Welschingen aufgewaschen, dort hat er lange gekickt und beim Bau des Stadions, in dem am Sonntag gespielt wurde, 1968 noch selbst Hand angelegt. Treffen Neustadt und der Hegauer FV aufeinander, schlagen stets zwei Herzen in Janischs Brust. Das eine Herz hatte am Sonntag allen Grund zur Freude: Der geborene Welschinger sah Konterfußball allererster Güte von der Hegauer Mannschaft. Für sein anderes Herz, das heftig für die Blauen pocht, waren es allerdings bittere Augenblicke. "Wir haben viel zu offensiv angefangen", sagt Janisch, der beim FC Neustadt jahrelang Spielausschussvorsitzender war. Die Neustädter rannten gegen einen schnell angreifenden Gegner anfangs ins offene Messer. "Bei uns hat da einiges nicht gestimmt." 0:2 lag Neustadt nach einer Viertelstunde bereits zurück, anschließend besann sich die Mannschaft auf ihre Qualitäten und hatte durch Saliou Aborida und Alexander Ambs einige Großchancen. Mehrmals tauchten sie allein vor dem Tor der Hegauer auf, aber plötzlich geht schief, was vor ein paar Wochen noch problemlos klappte. Wie das geht, zeigten die Hegauer im zweiten Durchgang: Zwei der drei Konter wurden erfolgreich abgeschlossen. 0:4 war ein niederschmetterndes Ergebnis, zumal die Gäste aus dem Hochschwarzwald in den zweiten 45 Minuten mehr vom Spiel hatten. "Wir kriegen im Moment zu viele Gegentore. Acht Stück in zwei Spielen, das geht gar nicht", klagt Janisch und ergänzt: "Die Spiele gewinnst du in erster Linie hinten. Eine gute Abwehr ist die Basis." Die ist bei den Neustädtern zuletzt ins Wackeln geraten.

Werbung


Löffingens Trainer Jürgen Feuerstein und seine Mannschaft haben am Sonntag beim zehnten Saisonsieg alles richtig gemacht. Statt den Revanche-Gelüsten des Landesliga-Absteigers TuS Bonndorf nachzugeben, gewann die Elf des Tabellendritten nach dem 2:1 im Hinspiel auch die erste Partie der Rückrunde (3:1) gegen den TuS. Vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil die Löffinger bei dichtem Nebel im Haslachstadion nur schwer auszumachen waren. Statt traditionell in leuchtendem Karmin, liefen die Löffinger, im Bezirk Schwarzwald sonst als Rothosen bekannt, ganz in Weiß auf. Gut auszumachen wie Leuchttürme waren dagegen die rot-schwarzen Bonndorfer. Die diffusen Lichtverhältnisse hatten freilich, wie FCL-Trainer Jürgen Feuerstein bekräftigt, "keinen Einfluss auf die Leistungen beider Teams". Packend, schnell, attraktiv war das Hochschwarzwald-Derby. Nach einem Löffinger Abwehrfehler gingen die Bonndorfer in der 13. Minute durch Isele in Führung, doch die Löffinger ließen sich nicht aus dem Konzept bringen. "Wir haben den Kopf nicht in den Sand gesteckt", erinnert sich Feuerstein, "die Jungs haben sich nach dem Rückstand prima ins Spiel hineingesteigert". Und so hieß es nach Treffern von Beha und Gaudig nach einer halben Stunde 2:1. Nach dem Seitenwechsel gehörten die ersten Minuten erneut dem TuS, ehe sich beide Teams einen Schlagabtausch auf Augenhöhe lieferten. "Es ging hin und her", so Feuerstein. Die Entscheidung fiel dann in der 74. Minute: Andreas Weißenberger traf zum 3:1 – und die Bonndorfer schienen zu resignieren. Trainer Feuerstein zollte seinem Team nach dem Schlusspfiff ein Gesamtlob. "Die Jungs haben auf ihre Chancen gehofft, haben sie bekommen und dann ihre Tore gemacht."

Holger Wursthorn, Trainer des A-Kreisligisten SV St. Märgen, bleibt derzeit nur die Hoffnung, "dass bald die Winterpause kommt". Die ist noch 180 Minuten entfernt und das macht die Aufgabe nicht eben leichter. Momentan, so Wursthorn, sei seine Mannschaft nur bedingt konkurrenzfähig. "Verheerend" seien die Personalprobleme – in Matze Löffler und Matthias Hermann sowie Steve Gerhard fiel am Sonntag die komplette Mittelfeldachse aus. Ein Verlust, der trotz seit Wochen überdurchschnittlich gutem Trainingsbesuch auf dem Platz nicht zu kompensieren war: St. Märgen musste sich eine Woche nach der 2:6-Heimniederlage gegen Bräunlingen beim Tabellenzweiten Gutmadingen mit 1:6 geschlagen geben. Wursthorns Spiel-Analyse fällt knapp aus. "Gutmadingen hat gute Spieler, die treffen. Und wir treffen nicht." Schnelle Abhilfe scheint nicht in Sicht. "Wir sind völlig aus dem Konzept gekommen", gibt Wursthorn zu.

Im Dorf unter dem Himmel strahlte beim Anpfiff am Sonntagnachmittag noch die Sonne über dem grauen Nebelmeer. Derart gut beleuchtet boten die Saiger Fußballer in der ersten Halbzeit eine glänzende Leistung, überrannten die sichtlich überforderten Bernauer, ließen einen Klassenunterschied erkennen und führten zur Pause mit 6:0. Die Partie war entschieden. Doch nach dem Seitenwechsel musste Saigs Trainer zittern. "Ich hab’ einen Spielabbruch befürchtet", sagt Andreas Binder. Der drohte nicht wegen Ruppigkeiten auf dem Feld, sondern dank der Kapriolen des Himmels. Die Sonne schien plötzlich in einem Milchsee ertrunken zu sein. "Der eigentliche Gegner war der Nebel", so Binder, "ich hab’ vom Sechzehner aus des Gegners Tor nicht mehr erkannt". Schiedsrichter Rendler hätte bei rigoroser Regel-Auslegung wohl Grund gehabt, die Partie abzupfeifen, ließ aber beide Mannschaften gewähren. So hieß es nach zerfahrener zweiter Halbzeit am Ende 7:0. Jetzt sieht Andreas Binder das Team des Tabellendritten auf dem richtigen Weg. Die Zeit des "Durchmogelns" sei vorbei: "Seit drei Spielen sieht das, was wir zeigen, endlich nach Fußball aus."

Autor: Jürgen Ruoff und Johannes Bachmann