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29. November 2011
FC Neustadt setzt vor Winterpause ein Zeichen
Landesligist FC Neustadt setzt vor der Winterpause ein Zeichen.
FUSSBALL-LANDESLIGA. Zuletzt suchte der FC Neustadt Halt im Kreis. Vor dem letzten Spiel des Jahres im Jahnstadion fassten sich die Spieler an den Schultern, bückten sich vornüber und schrien nach einem kurzen Moment des Innehaltens: "Einer für alle, alle für einen." Als das Spiel abgepfiffen war und die unerfreulichen Wochen mit dem 3:1-Sieg gegen die DJK Villingen doch noch einen versöhnlichen Abschluss gefunden hatten, schloss sich der Neustädter Kreis erneut, dieses Mal mit Trainern und Betreuern. Wieder hielten sie inne, aber sie schrien die Botschaft nicht mehr lauthals hinaus.
Wie könnte sie gelautet haben, die Botschaft, die da nach Spielschluss und vor dem Gang in die lange Winterpause im Kreis ausgeheckt wurde? Lasst uns im Frühjahr einiges anders machen. Besser vor allem. Lasst uns Dinge wie in den vergangenen Wochen nicht noch einmal durchleben. Lasst uns noch enger zusammenrücken, denn nur als Kollektiv sind wir richtig stark. "Teamgeist ist für mich etwas ganz Wichtiges", sagt Neustadts Trainer Heiko Geng, "daran müssen wir arbeiten". Das haben sie getan. Zuletzt verstärkt, da der sportliche Erfolg ausblieb. Vor dem Happyend gegen die DJK Villingen hatte der FC Neustadt drei Spiele in Folge verloren und jeweils vier Gegentore kassiert. Sportlich waren es die düstersten Wochen für den FC Neustadt in der bisherigen Saison.Werbung
Jetzt ruht der Ball. Die Runde im Frühjahr beginnt erst am 24./25. März. Sechs Wochen vorher will Trainer Geng mit der Mannschaft wieder ins Training einsteigen. "Von uns will im Moment niemand mehr einen Ball sehen", sagt der Neustädter Trainer, die vergangenen Wochen haben Spuren hinterlassen. Sie waren intensiv und zehrend. Haben Nerven gekostet. Jeder solle jetzt erst einmal Abstand gewinnen, "die Geilheit auf Fußball", wie es Geng nennt, müsse sich in der Pause erst wieder einstellen.
Von der spielerischen Leichtigkeit, die die Mannschaft zu Beginn der Saison auszeichnete, war im letzten Spiel des Jahres nichts mehr zu sehen. Beim 3:1 gegen die DJK Villingen wurde Fußball geackert und gekämpft, die Leistungen im Sommer glichen hingegen noch einem Gleitflug: Das war beim Weiterkommen im Pokal gegen den Verbandsligisten Bad Dürrheim so und auch beim 7:4 im ersten Landesligaspiel gegen Rielasingen-Arlen. Für die meisten Landesliga-Trainer stand fest: Der FC Neustadt spielt um den Titel mit. Der Vorjahresvierte hatte sich exzellent verstärkt, zehn neue Spieler wurden geholt. Neben Talenten wie Rick Kiefer, Stefan Ketterer und Tobias Gutscher auch gestandene Verbandsligaspieler wie Dominic D’Antino, Peter Schubnell und Josip Katava sowie Marcel Wetzig vom Ligakonkurrenten FC Furtwangen. Die hochtrabenden Prognosen waren Geng gar nicht recht, er trat auf die Erwartungsbremse, wann immer es möglich war: "Wir haben viele neue Spieler. Die Mannschaft muss sich erst finden. Ich sehe uns nicht da vorne in der Tabelle." War es das Understatement eines Trainers, der Druck von seiner Mannschaft fernhalten wollte? War es ehrliche Überzeugung oder Weitsicht? Denn die ersten Turbulenzen ließen nicht lange auf sich warten. Wetzig verletzte sich an der Leiste und fiel aus. Mit Dominic D’Antino hatte er in den Pokalspielen im defensiven Mittelfeld geglänzt – doch plötzlich ließ sich der Furtwanger nicht mehr blicken. Nach wenigen Wochen hatte ein Sinneswandel bei ihm eingesetzt und er wollte zurück zu seinem Heimatverein. Der FC Neustadt ließ ihn ziehen, Wetzigs Weggang sorgte für Unruhe. Und riss sportlich eine Lücke. "Das musste die Mannschaft erst einmal verkraften, dass ihr da einfach einer den Rücken zukehrt", sagt Geng.
Am zweiten Spieltag war der FC Neustadt Tabellenführer, anschließend begann der Landesligakurs der Blauen zu fallen. "Intern taten sich einige Stolperfallen auf, die wir aus dem Weg räumen mussten", sagt Geng. Es gab Zwist und erneute Unruhe. Die Konstanz auf dem Spielfeld litt darunter, nach der 1:4-Niederlage gegen Pfullendorf II Anfang November begann sich die Negativspirale immer schneller zu drehen: 0:4 beim Hegauer FV und 0:4 beim FC Rielasingen-Arlen. "Eine bis dahin passable Saison haben wir uns in drei Spielen kaputt gemacht", sagt Geng. Die Niederlage und die vielen Gegentore drückten auf die Stimmung, "da macht Training dann keinen Spaß mehr", sagt der Coach der Blauen.
Im Kader des Tabellenachten FC Neustadt steckt Qualität, das hat die erste Saisonphase gezeigt. Egal, ob mit oder ohne Wetzig. "Potenzial ist da", sagt Trainer Geng, "und wir haben im letzten Spiel vor der Winterpause auch noch einmal mit dem Erfolg gegen Villingen ein Zeichen gesetzt". Vielleicht war das ja die Botschaft im Kreis. Vielleicht haben sie einfach nur den Moment genossen, dass der Kampf an diesem Tag mit einem Sieg belohnt wurde.
Autor: Jürgen Ruoff


