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11. Januar 2012

Pädagoge auf der Ponderosa

Alexander Hassenstein soll den Bahlinger SC vor dem Abstieg aus der Fußball-Oberliga bewahren.

  1. Kein Lautsprecher. Doch Trainer Alexander Hassenstein (Mitte) versteht seine Tonlage durchaus der Situation anzupassen. Foto: frank seiter

FUSSBALL. Für das Unternehmen Klassenerhalt hat der Bahlinger SC eine wichtige personelle Lücke geschlossen: Alexander Hassenstein wird neuer Trainer beim Fußball-Oberligisten, der sich als Tabellen-15. in Abstiegsgefahr befindet. Der Vertrag gilt zunächst bis zum Saisonende. Der 38-jährige A-Lizenz-Inhaber aus Bühl wird sein Amt zum Trainingsbeginn am 18. Januar aufnehmen. Doch nicht nur deshalb verspürt Hans-Joachim Meyer, zweiter Vorsitzender und Geschäftsführer beim BSC, "eine Aufbruchstimmung, die den ganzen Verein erfasst hat".

Ende November befand sich der Verein auf dem Tiefpunkt: Durch die 0:3-Heimniederlage gegen die Stuttgarter Kickers II rutschten die Bahlinger, die mit großen Erwartungen in die Saison gestartet waren, auf den letzten Tabellenplatz. Trainer Jens Scheuer trat zurück. Und damit nahm ein interner Diskussionsprozess seinen Lauf, der die Verantwortlichen auf der Ponderosa enger zusammenrücken ließ. So sieht es zumindest Hans-Joachim Meyer: "Wir haben unglaublich viel in die Analyse unserer aktuellen Lage investiert und blicken jetzt gestärkt nach vorn."

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Zwei Hoffnungsträger hat der BSC-Teamkreis mit Meyer, dem ersten Vorsitzenden Dieter Bühler, dem früheren Spielleiter August Zügel sowie dem aktuellen sportlichen Leiter Roland Tranzer für das Frühjahr an Bord geholt: Neben dem neuen Trainer Alexander Hassenstein soll auch Rainer Scharinger als "Berater im organisatorischen Bereich" (Meyer) Impulse vermitteln.

Der 44-jährige Ex-Coach des Karlsruher SC unterhält aus seiner Zeit als (Spieler) Trainer beim BSC (2003 bis 2006) enge private Kontakte zu den Kaiserstühlern. Scharingers Engagement sei "ein reiner Freundschaftsdienst ohne finanzielle Verpflichtungen für uns", bekräftigt Meyer. Der neue Bahlinger Berater halte natürlich weiter die Augen nach einem Job im Profibereich offen und könne dann schnell wieder weg sein. Scharinger soll interne Abläufe verbessern, in sportliche Belange wolle er aber nicht reinreden, so Meyer. "Das ist mit einem Hassenstein auch nicht zu machen."

Ausgeguckt vom neuen BSC-Berater Rainer Scharinger

Hassenstein selbst würde den einen oder anderen Tipp aber nicht rundweg ablehnen: "Wenn Rainer was auffällt, kann er mir das unter vier Augen durchaus sagen." Beide pflegen seit ihrer gemeinsamen Zeit als Oberligaspieler (Hassenstein für den VfB Gaggenau und den ASV Durlach, Ex-Profi Scharinger für Durlach, den 1. FC Pforzheim und SV Sandhausen) ein gutes Verhältnis. Scharinger selbst war es, der im Auftrag der Bahlinger den Kontakt zu Hassenstein herstellte.

Nach zehn Jahren beim VfB Bühl, den Hassenstein zunächst als Spielertrainer in die Verbandsliga brachte, hatte der Gymnasiallehrer für Physik und Sport im vergangenen Sommer sein Amt abgegeben. "Ich brauchte eine Auszeit", sagt Hassenstein. Die Rückkehr auf die Trainerbank, wenn möglich bei einem Oberligisten, habe er aber nie ausgeschlossen. So ließ sich der Oberstudienrat von der Bahlinger Offerte schnell überzeugen: "Das ist eine Klasse-Mannschaft in einem hervorragend geführten Verein."

Das Team sei deutlich besser als Rang 15, man wolle den Tabellenstand aber ernst nehmen. Hassenstein will zwischen Mannschaft, Trainer und Vorstand eine neue Basis herstellen. Bei aller Trainertheorie sei ihm "die Freude am Spiel ganz, ganz wichtig". Meyer verspricht sich viel von Hassensteins pädagogischen Fähigkeiten: "Er soll nach einer überhitzten Phase wieder Ruhe ausstrahlen."

Dass der zweifache Familienvater nun 70 Fahrkilometer zu seiner neuen Wirkungsstätte zurücklegen muss, hat seine Entscheidung nicht berührt. Durch den dreispurigen Ausbau der Autobahn 5 sei der Weg in 35 Minuten gut zu schaffen. Und überhaupt: "Für Rainer Scharinger waren es 30 Kilometer mehr."

Neben Hassenstein gehören Edmir Bilali und Jens Matuschek, die das Oberliga-Team vorübergehend gemeinsam betreuten, weiterhin zum Trainerteam. Ergänzt wird der Kreis durch Torwarttrainer Gabriel Stockenberger. Einziger Neuzugang in der Winterpause ist bislang Colin Kanwischer. Der frühere südbadische Auswahlspieler kickte für den Verbandsligisten FC Singen, ging 2010 nach Kassel und studiert nun in Freiburg.

Autor: Matthias Kaufhold