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06. Dezember 2011
Husch, husch ins Netzchen
Der Winter lässt weiter auf sich warten, aber im Amateurfußball ist jetzt schon Pause – eine Bilanz.
FUSSBALL. Der Amateurfußball am Hochrhein gönnt sich eine dreimonatige Winterpause. Die Saison 2011/2012 verlief für die meisten Mannschaften bisher eher frustrierend. Die Lörracher Sportredaktion zieht Bilanz – und schaut in die Zukunft.
SV WEILWas ist nicht alles geschrieben und erzählt worden über diesen SV Weil im Herbst 2011? Fehler hat der Verbandsligist gemacht, haufenweise gar, wie der sportliche Leiter Perseus Knab eingesteht. Dazu konnte der Verein nie die Enttäuschung über das verpasste DFB-Pokalspiel gegen Schalke 04 abschütteln, von der körperlichen Belastung von 40 Pflichtspielen in der vorangegangenen Saison ganz abgesehen. "Der Akku war leer", sagt Knab. Und es spricht einiges dafür, dass er das noch immer ist. Jüngster Beweis ist das 3:3-Remis gegen Denzlingen, das nach 3:0-Vorsprung wie eine Niederlage gewertet werden darf. Akut ist auch das Torwartproblem, das Knab vor Wochen bekannte. Das wurde nicht nur am Samstag offensichtlich. Jetzt soll in den verbleibenden zwölf Spielen die Wende gelingen. Soll heißen: Der Akku wird wieder aufgeladen, indem neue Spieler verpflichtet werden. Einer davon ist Guiseppe Catanzaro, der beim FC Steinen-Höllstein aus dem Team flog, weil er handgreiflich wurde. Im Gegenzug wird wohl Stürmer Simon Biesinger nach Steinen gehen, auch wenn das Knab noch nicht bestätigt. Interesse besteht nach Auskunft von Knab an Jens Lupberger und Johannes Scholz, die noch beim FC Wehr spielen. Damit die Abwehr Stabilität gewinnt, soll außerdem David Pinke nach Weil gelotst werden. Das 19-jährige Talent spielt derweil noch bei Steinen-Höllstein, will aber unbedingt wechseln.
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FC STEINEN-HÖLLSTEIN
Den Abwerbeversuch aus Weil hat Trainer Joachim Trautwein längst vernommen. Dieser Umstand trübte die sonst perfekte Leistung seiner Mannschaft beim 5:0-Auswärtssieg in Untermünstertal. "Wir wollen ihn nicht nötigen, bei uns zu bleiben", sagt Trautwein, weiß aber selbst, dass Pinkes Verbleib gegen seinen Willen wenig Vorteile bringt. "Er will weg, mit allen Mitteln", sagt Trautwein – und wartet nun auf den Anruf eines Weilers. Wie der Wechsel vonstatten geht, ist aber noch nicht sicher. Klar ist nur, dass sich Trautwein auf ein Tauschgeschäft, das die Weiler gerne zelebrieren, nicht einlassen möchte. "Das muss sich der SV Weil etwas kosten lassen", sagt er. Mindestens vierstellig solle der Betrag sein. Immerhin, so Trautwein, verliere er einen seiner besten Spieler, den er auf die Schnelle nicht kompensieren könne. Verstärkung gibt es hingegen im Sturm. Von den Black Stars Basel kommt Oguzhan Tokmak, der die Freigabe am 1. Januar erhält. Außerdem wechselt Edison Fonseca aus dem Pforzheimer Raum nach Steinen. Das große Problem der bisherigen Saison, die Undiszipliniertheiten, sollen zudem ein Ende finden. "Das hat uns fünf Punkte gekostet", rechnet Trautwein vor.
FC ZELL
Die Zeller legten einen blitzsauberen Saisonstart hin, drei Siege und neun Tore in den ersten drei Spielen bedeuteten die Tabellenführung. Dann folgten allerdings nur noch zwei Siege, zudem vier Remis und acht Niederlagen. Hauptgrund dafür war, dass die Zeller sich zwar viele hochkarätige Torchancen erspielten, daraus aber zu wenig Kapital schlugen. Lediglich Torjäger Ralf Kiefer, der 13 Tore auf seinem Konto hat, sorgte regelmäßig für Jubel. Johannes Rapp fehlte dagegen vor dem gegnerischen Gehäuse das Selbstvertrauen. Die Wiesentäler haben das Problem erkannt und hoffen, dass sie in Fabio Muto und Philipp Wengenmayr, die beide bereits beim FC Zell spielten und zuletzt beim SV Weil waren, Verstärkung gefunden haben. "Beide haben sich in Weil abgemeldet und bei uns angemeldet", erklärte der zweite Vorsitzende des FC Zell, Mathias Agostini. Allerdings sind die Zeller vom guten Willen der Weiler abhängig. Legen jene sich quer, könnten sie die beiden für ein halbes Jahr sperren. "Mit ihnen können wir die Klasse halten", glaubt Agostini. "Wir wären in der Offensive weniger auszurechnen." In der Defensive müssen die Zeller zudem ihre individuellen Fehler reduzieren.
SV HERTEN
Der Aufsteiger war von Anfang an von Verletzungsproblemen geplagt. Gleich im ersten Spiel kassierte die Mannschaft von Trainer Thorsten Szesniak eine 2:6-Pleite beim Mitaufsteiger Spvgg Untermünstertal. Bis zum siebten Spieltag mussten die Hertener warten, bis sie durch ein 0:0 gegen die SF Elzach-Yach ihren ersten Landesligapunkt ergatterten. Am zehnten Spieltag folgte der erste Sieg gegen den FC Auggen. Es folgte gleich darauf ein 5:3-Erfolg gegen den Bahlinger SC II. Auch gegen den SV Kirchzarten holte die Szesniak-Elf einen weiteren Dreier. Mehr Punkte gab es für sie indes nicht zu erben. In den letzten vier Spielen vor der Winterpause waren die Hertener chancenlos, ließen oft auch den Willen und den letzten Einsatz zum Sieg vermissen und stehen nun mit zehn Punkten auf dem letzten Tabellenplatz. Natürlich würde sich der Verein in der Winterpause gerne verstärken, "Unsere Ausgangsposition ist bei unserer Lage in der Tabelle aber natürlich nicht einfach", gibt Thorsten Szesniak indes zu.
FV LÖRRACH-BROMBACH
Als größte Aufgabe sah Trainer Ralf Moser in diesem Herbst die Einigung der beiden fusionierten Vereine. Stand jetzt ist, dass dies nicht ganz so einfach vonstatten ging, wie sich das der Trainer vorher dachte. "Es gab nicht nur Harmonie", sagt er. Gleichwohl möchte er den Blick nach vorne richten und auch das für ihn enttäuschende Spiel am Sonntag gegen Rhodia Freiburg abhaken. "Diese Niederlage wird uns nicht umhauen", sagt er. Sein Credo für den Rest der Saison lautet: Erst die Einigung, dann das Ziel. Bedeutet, dass er die Aufstiegsränge zwar nicht aus den Augen verlieren wird, aber auch nicht an dem Ziel festhalten möchte, im oberen Drittel mitzuspielen. "Erst müssen wir zusammenwachsen", sagt er.
DIE PROGNOSE
Für den SV Weil wird der Klassenerhalt eine Mammutaufgabe. Die Spieler sind verunsichert, die Nerven gespannt. Ob Neuzugänge helfen? Kann sein. Der Abstand zu den Nichtabstiegsplätzen ist groß. Für den SV Herten in der Landesliga ist die Situation noch schlechter. Unterschied zu Weil: Die Mannschaft zeigt nicht einmal gute Ansätze. Gute Chancen haben hingegen Zell und Steinen-Höllstein. Beide haben das Zeug für den Klassenerhalt. Lörrach-Brombach kann beim Aufstieg vermutlich nicht mehr eingreifen.
Autor: Andreas Frey und Felix Held


