Auf der Suche nach Stabilität

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

So, 24. Dezember 2017

SC Freiburg

Der Sonntag Im Kampf gegen den Abstieg liegt der SC Freiburg zur Saisonhalbzeit zufriedenstellend.

Schon vor Saisonbeginn war den Verantwortlichen des SC Freiburg bewusst, dass der Vorjahres-Aufsteiger während dieser Spielzeit in der Fußball-Bundesliga gegen den Abstieg kämpft. So ist es auch gekommen. Dank einiger erfolgreicher Spiele zum Ende der Hinrunde ist das Ziel Klassenerhalt jedoch realistisch erreichbar.

Die Enttäuschung war bei nicht wenigen SC-Anhängern groß, als im Sommer der Sportclub nicht mal den Einzug in die Playoffs zur Europa League schaffte und gegen ein No-Name-Team aus Slowenien – NK Domzale – ausschied. Spätestens aus heutiger Sicht entpuppt sich dieser sportliche Misserfolg als Segen. Um diese widersprüchliche Behauptung nachvollziehen zu können, muss man sich nur mit dem 1. FC Köln beschäftigen.

Der Vorjahresfünfte scheiterte in der Liga wegen der Mehrfachbelastung komplett, die hohe Anzahl an Spielen sorgte zudem für zahlreiche Verletzte – für viele Experten ist der Abstieg der Rheinländer längst besiegelt.

Der SC Freiburg hingegen blickte ausgerechnet in Köln in den Abgrund, als er am 15. Spieltag im Besitz von nur zwölf Zählern nach rund einer halben Stunde vermeintlich aussichtslos mit 0:3 zurücklag. Es wäre unschön auszudenken, in welcher Stimmung Mannschaft und Trainer am zweiten Tag des neuen Jahres die Vorbereitung für die Rückrunde aufnehmen würden, wäre das Spiel in Köln verloren gegangen.

Doch in Müngersdorf drehten Nils Petersen und Co. aufsehenerregend das Spiel zu einem vielumjubelten 4:3-Erfolg und sammelten anschließend gegen Borussia Mönchengladbach und den FC Augsburg vier weitere wertvolle Zähler. Somit liegt der Sportclub zum Weihnachtsfest mit 19 Punkten und als Tabellendreizehnter im Soll. Der Rückrunde darf der Sportclub zuversichtlich entgegenblicken – vor allem, wenn es gelingt, die Auswärtsschwäche des zu Ende gegangenen Herbstes zu beheben.

"Wenn ich auf unsere Auswärtsbilanz und die Zahl der Gegentore blicke, wird mir schlecht", sagte Streich, ehe sich seine Spieler in den Weihnachtsurlaub verabschiedeten.

Einzuräumen ist, dass der Liga-Terminplan während der Hinrunde für Auswärtsauftritte bei RB Leipzig, Bayer Leverkusen und Bayern München sorgte. Oberflächlich gesehen, wären angesichts der Leistungsdifferenz zu diesen drei Gegnern bereits mehr als die Hälfte der fünf Freiburger Auswärtsniederlagen erklärt. Legt man der Pleite im Derby beim VfB Stuttgart eine ungerechte Schiedsrichter-Entscheidung – beim Stande von 0:0 – zugrunde, bliebe nur der schwache Auftritt in Wolfsburg als dankbares Analysematerial. Es spricht jedoch für die SC-Verantwortlichen, dass sie diesem Argumentationsmuster nicht folgen wollen und nach tieferen Ursachen für nur fünf Auswärtspunkte aus acht Spielen forschen (siehe auch Interview mit SC-Mannschaftskapitän Julian Schuster auf folgender Seite).

Schwere Heimspiele im Frühjahr

Eine deutlich bessere Bilanz in fremden Stadien braucht der Sportclub in der Rückrunde auch schon wegen zahlreicher komplizierter Heimspiele. Diese wird möglicherweise der statistische Schlüssel im Kampf um den Klassenerhalt, den die Freiburger gegen den Hamburger SV, Werder Bremen, den 1. FSV Mainz o5 und vielleicht auch gegen den VfB Stuttgart führen müssen. Man könnte es auch so formulieren: Um in diesem Rennen zu reüssieren, braucht der Sportclub in fremden Stadien mehr Stabilität als in den vergangenen Monaten.

Dafür will sich der Verein während der nun folgenden Winterpause verstärken – angeblich auf mehreren Positionen: Mal ist die Rede von einem Stürmer, mal von einem offensiven oder kreativen Mittelfeldspieler, auch ein weiterer Linksverteidiger ist im Gespräch. Ob deswegen ein Aleksandar Ignjovski, Amir Abrashi oder der vom FC Liverpool ausgeliehene Ryan Kent schon in dieser Winterpause den Breisgau verlassen müssen, wird sich an den kommenden Tagen herausstellen.

Fakt ist: Schon am 2. Januar beginnt die Vorbereitung auf die Rückrunde. Wie in den vergangenen Jahren reist der Bundesligist dafür wieder ins spanische Sotogrande. Dort ist am 7. Januar, 13 Uhr, ein Testspiel gegen den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern terminiert. Laut Vereinsangaben soll aber noch ein zweites Vorbereitungsmatch in Spanien stattfinden.