Auswärtsspiel

Christian Streich: "Auch die Dortmunder machen Fehler"

Michael Dörfler

Von Michael Dörfler

Fr, 30. November 2018 um 20:00 Uhr

SC Freiburg

Der SC Freiburg ist bei Borussia Dortmund zu Gast und möchte sich so teuer wie möglich verkaufen. Roland Sallai muss passen, Nils Petersen dürfte länger spielen als zuletzt gegen Bremen.

Jeremy Toljan, dies wird kolportiert, soll ein netter, liebenswürdiger Typ sein. In Freiburg allerdings ist der eine oder andere Zeitgenosse auf den 24-Jährigen bis heute nicht ganz so gut zu sprechen. Am 27. Januar dieses Jahres hat der Abwehrspieler dem Sportclub Freiburg nämlich eine Sensation vermasselt. Toljan traf seinerzeit für die Dortmunder Borussia in der dritten Minute der Nachspielzeit doch noch zum 2:2 (1:1) – was für die Freiburger so etwas wie ein Schlag in die Magengrube war. Der Punktgewinn war zwar immer noch ehrenwert. Ein Sieg hätte dem Prestige aber noch besser getan. Erfolgreich war der SC bei den Schwarz-Gelben nämlich zuletzt vor 17 Jahren. Im Oktober 2001 sorgten Soumaila Coulibaly und Sebastian Kehl, der heute als Leiter der Lizenzspielerabteilung der Borussen fungiert, für einen 2:0-Erfolg der Südbadener. Es war dies der einzige Sieg in 18 Bundesligapartien in Dortmund. Eine Bilanz, die nicht gerade gute Laune fördernd wirkt.

Die Vergangenheit interessiert Christian Streich nicht

"Wir können nicht unbedingt davon ausgehen, in Dortmund zu gewinnen." Ein Satz, der wie eine Warnung klingt. Doch Christian Streich ist die Vergangenheit wurscht. Der Cheftrainer der Freiburger hat sich mit der Gegenwart zu beschäftigen, was angesichts der zuletzt gebotenen Leistungen der Dortmunder bitter genug ist. Gut, am Mittwoch gab es lediglich ein 0:0 in der Champions League gegen den belgischen Vertreter aus Brügge. Und das auch noch vor eigener Kulisse. Doch in der Liga ist die Borussia ein dickes, bisher kaum zu bohrendes Brett: Tabellenführer mit vier Punkten Vorsprung auf den zweiten Gladbach, schon sieben Zähler auf den Dritten Frankfurt – 16 gar auf Freiburg. Und in der Bundesliga hat das Team zu Hause erst einmal gepatzt. Ein 2:2 gab es gegen die Berliner Hertha. Ein Mutmacher vielleicht. Weil, wie Streich sich erinnert, "wir gegen die Berliner beim 1:1 auch einen Punkt geholt haben". An der Spree wohlgemerkt.



Was also tun in Westfalen? "Wir müssen an der absolut obersten Kante spielen, wir müssen zudem extrem schnell sein, im Kopf wie mit den Beinen". Streichs Rat an seine Spieler hat einen Grund: "Die Dortmunder haben halt ein saumäßiges Tempo." Ein dermaßen hohes, dass es schon manchen Branchenkollegen schwindelig wurde ob der Spielkunst der Borussen.

Respekt spricht aus den Worten Streichs, der in der guten Einkaufspolitik des Rivalen den Schlüssel zum neuerlichen Höhenflug sieht. Doch zuviel Ehrfurcht kann hemmend wirken. Streich sagt deshalb auch: "Die Spieler müssen wissen, dass wir auch in Dortmund gewinnen wollen." Dem fügt er noch hinzu: "Es ist durchaus möglich, auch dort ein Tor zu schießen – oder sogar zwei."

Auch der BVB ist verletzlich

Streich will dabei nicht überheblich klingen, zu Spinnereien neigt er ja sowieso nicht. Der Coach kleidet lediglich in Worte, was ihm bewegte Bilder signalisiert haben: "Auch Dortmund ist verletzlich, auch die machen Fehler." Wenige zwar, wie Streich einräumt, man müsse da schon genau hingucken. Aber das Videostudium habe schon die eine oder andere Idee in seinem Kopf reifen lassen, sagt der Coach. Welche, will er nicht näher ausführen. Nur, dass es mit dem Bilderstudium auch seine Grenzen hat. "Sonst geht’s dir", berichtet der Trainer anschaulich, "wie bei einem fünfstündigen Museumsbesuch. Da siehst du nach zweieinhalb Stunden vor lauter Gemälden auch keine Feinheiten mehr."



Verbal macht Streich auch um die Aufstellung einen weiten Bogen. Kein Hinweis, kein gar nichts. Vielleicht, weil er und seine Trainerkollegen am Donnerstag selbst noch nicht so richtig wissen, auf wen sie nun setzen wollen. Trotz der zuletzt beklagten Verletztenmisere ist der Sportclub noch immer recht großzügig sortiert. Der Kader bietet heute Alternativen, die es zum Beispiel in der vergangenen Saison so nicht gegeben hat. "Wir sind breiter aufgestellt", bestätigt der Coach, der indes bedauert, dass er auf Roland Sallai in Dortmund weiter verzichten muss. Doch dafür dürfte Nils Petersen nach seiner Schulterverletzung wieder soweit hergestellt sein, dass für den Nationalspieler in Westfalen mehr Spielzeit drin sein dürfte, als die 22 Minuten zuletzt gegen Werder Bremen.

3500 Anhänger wollen dem Sportclub den Rücken stärken

Dass Luca Waldschmidt zu den ganz besonders Motivierten gehört, braucht nicht besonders herausgestrichen werden. Der frühere Hamburger, der sich mit drei Toren und ebenso vielen Vorlagen bislang zum Freiburger Topscorer aufschwingt, fährt geradezu freudig nach Dortmund. "Ich spiele immer gerne gegen die Besten", sagt er und erinnert schmunzelnd an die Begegnung bei den Münchner Bayern; "auch dort haben wir gepunktet".

Viel wird in Dortmund, wohin den Sportclub 3500 Fans begleiten werden, aber davon abhängen, wie sicher die Abwehr positioniert ist, wie stabil das Gefüge mit dem zu erwartenden spielerischen Druck der Hausherren umzugehen weiß. Vielleicht wirkt da eine Nachricht etwas beruhigend. Jeremy Toljan wird aller Voraussicht nach nicht dabei sein.

SC kompakt: In Dortmund nicht dabei sind Kübler (Trainingsrückstand nach Muskelfaserriss), Abrashi (Trainingsrückstand nach Kreuzbandriss), Höfler (Innenbandriss im Knie), Kath (Bauchmuskelreizung), Stanko (Knie), Sallai (Adduktoren).