BZ-Interview

Debatte um SC-Sieg gegen Bayern: Dufner fühlt sich falsch verstanden

Michael Dörfler

Von Michael Dörfler

Do, 21. Mai 2015 um 20:20 Uhr

SC Freiburg

Das Abstiegsendspiel zwischen Hannover 96 und dem SC Freiburg steht bevor. Keiner kennt die beiden Klubs besser als Dirk Dufner. Der sorgte zuletzt für reichlich Zündstoff. BZ-Redakteur Michael Dörfler hat nachgehakt.

BZ: Herr Dufner, hatten Sie mittlerweile mal Zeit, sich das Spiel des SC Freiburg gegen Bayern München anzuschauen?
Dufner (lächelt): Ich verstehe, worauf Sie mit Ihrer Frage anspielen. Deshalb bin ich auch dankbar, dass ich bei Ihnen was dazu sagen kann. Schließlich wurde bundesweit kolportiert, ich wäre nach dem 2:1-Sieg der Freiburger sauer gewesen . . .
BZ: Waren Sie’s denn nicht? Zeitungsberichte jedenfalls waren so zu interpretieren.
Dufner: Bedauerlicherweise wurde das falsch wiedergegeben. Ich möchte kurz erläutern, wie es wirklich war: Kollegen von Ihnen haben mich nach unserem Spiel in Augsburg gefragt, was ich zum Sieg der Freiburger und zur Leistung der Bayern sagen würde. Daraus wurde dann gemacht, ich hätte die Leistung kritisiert. Das konnte ich ja gar nicht bewerten, weil ich es gar nicht gesehen habe. Ich kannte doch nur das Ergebnis.

BZ: Und das hat Ihnen auf den Magen geschlagen?
Dufner (lacht): Ein Sieg der Bayern hätte uns in unserer Situation deutlich mehr geholfen. Den Journalisten in Augsburg habe ich dann gesagt, und zwar ohne auch nur eine Szene des Spiels selbst gesehen zu haben, dass die Freiburger wohl alles in das Spiel reingeworfen haben und es offenbar besser ist, wenn man erst zum Schluss einer Saison gegen die Münchner spielen muss. Dann nämlich, wenn sie schon den Meistertitel haben. Das war schon alles. Und das stimmt ja auch. Mir ist noch mal wichtig zu betonen, dass das von mir in keiner Weise despektierlich gemeint war.

BZ: Jetzt kommen die Freiburger am Samstag zum Saisonfinale nach Hannover. Wie ist denn die Stimmung bei 96?
Dufner: Durchaus angespannt, aber auch konzentriert würde ich sagen. Das ist Abstiegskampf pur, weshalb die Lage in Freiburg ähnlich sein dürfte. Das nehm’ ich zumindest mal an. Abstiegskampf ist intensiv. Wir haben’s jetzt ganz gut gemacht bei unserem 2:1-Sieg zuletzt in Augsburg, wo wir zugegebenermaßen mit der einen oder anderen Entscheidung des Unparteiischen auch ein bisschen Glück hatten. Dafür sah’s in einigen Spielen zuvor andersrum aus. Insofern ist man in Hannover jetzt in der Situation, wonach sich über die Saison hinweg alles wieder ausgleicht. Der Sieg in Augsburg nach ganz langer Zeit ohne Dreier war für uns genau so wichtig, wie für den Sportclub der Erfolg gegen die Bayern. Was heißt: Jetzt haben wir es in der eigenen Hand.

BZ: Wie die Freiburger auch.
Dufner: Genau. Das ist für beide Seiten viel wert.

"Der Sportclub hat eine gute Mannschaft beisammen."
BZ: Ist es ein Vorteil in dieser Saison, wenn es jetzt gegen einen Klub geht, den zumindest Sie in- und auswendig kennen?
Dufner: Nein. Wir spielen zwar Fußball, aber in einer solchen Extremsituation geht es auch um viele andere Dinge. Zudem kennen wir uns in der Liga alle gut genug, um uns einschätzen zu können.

BZ: Dann wollen wir das mal überprüfen. Was glauben Sie denn, weshalb die Saison für die Freiburger so gelaufen ist, wie sie sich jetzt dargeboten hat?
Dufner: Den Unterschied machen Nuancen. Wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele Punkte der Sportclub in manchen Spielen in den Schlussminuten unglücklich liegengelassen hat, dann weiß man, dass die Freiburger eigentlich in einer ganz anderen Tabellenregion zu Hause sein könnten. Im Hinspiel ist uns ja auch erst sehr spät das 2:2 gelungen. Uns in Hannover geht es übrigens ganz ähnlich. Wenn du die Spiele gewinnst, bekommt die Saison eine ganz andere Dynamik. Da gehen die Spieler mit breiter Brust raus aufs Feld. Leider war das für beide Klubs in den zurückliegenden Monaten nicht so der Fall. Nichtsdestotrotz finde ich, dass der Sportclub Freiburg eine gute Mannschaft beisammenhat.

BZ: Bedeutet das, dass am Samstag beide Teams mit breiter Brust in der HDI-Arena erscheinen?
Dufner: Das ist schwierig vorherzusagen. Wir sollten das einfach abwarten.
"Verschwörungstheorien sind völlig albern."

BZ: Weil die Psyche eine Rolle spielt?
Dufner: Selbstverständlich, die spielt sogar eine sehr große Rolle. Gleichwohl haben uns die letzten Ergebnisse schon selbstbewusst gemacht. Und wir spielen vor eigenem Publikum, das ist sicherlich von Vorteil. Weil wir auch die Anhänger wieder hinter uns haben – was bekanntlich nicht immer so war in dieser Runde. Entsprechend werden wir in die Partie gehen.

BZ: Beide Teams müssen ja auf Sieg spielen, wollen sie nicht von den Ergebnissen auf den anderen Plätzen abhängig sein.
Dufner: Deshalb sind auch Verschwörungstheorien völlig albern, die davon sprechen, wir könnten das Ergebnis vorher absprechen. Das ist im Profifußball unmöglich und ausgeschlossen.
"Freiburg war auch nicht nur zum Wohlfühlen."

BZ: Na ja, bei einem Unentschieden wäre die Wahrscheinlichkeit schon recht groß, dass beide Klubs das rettende Ufer erreichen könnten.
Dufner: Nur wissen wir vorher nicht, wie die Konstellationen auf den anderen Plätzen sein werden. Es bringt alles nichts: Beide Mannschaften werden voll auf Sieg spielen müssen.

BZ: Und das vor vollen Rängen?
Dufner: Natürlich, wir sind ausverkauft.

BZ: Kommen wir zu Ihnen. Wie lebt man in einem Klub, der gewollt oder ungewollt doch recht häufig in den Schlagzeilen steht? Zumal, wenn man zuvor die vermeintliche Wohlfühl-Oase Freiburg kennengelernt hat?
Dufner: Freiburg war auch nicht nur zum Wohlfühlen. Das ist dort ja auch Profifußball. Und an die hiesige Mediensituation gewöhnt man sich, man lernt damit umzugehen. Ich hatte ja auch schon mal das Vergnügen, bei den Münchner Löwen gewesen zu sein. Dort war es auch nicht groß anders als jetzt in Hannover.
BZ: Wie sieht Ihre persönliche Zukunftsplanung aus. Hier und da wird ja spekuliert, Ihre Zeit in Hannover könnte zu Ende gehen?
Dufner: Das weiß ich nicht. Fakt ist, dass ich noch einen Vertrag bis zum Ende der kommenden Saison habe. Alles andere wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Dirk Dufner

Der aus Hausach stammende Anwalt war von 2000 bis 2004 Sportdirektor beim TSV München 1860. Anschließend machte er sich als Sportanwalt selbständig. Im Mai 2007 übernahm Dufner als Nachfolger von Andreas Bornemann das Amt des Sportdirektors beim SC Freiburg. 2013 einigten sich Dufner und der Sportclub auf eine sofortige Vertragsauflösung. Einen Tag später wurde der 47-Jährige als neuer Sportdirektor in Hannover vorgestellt.

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