22. Spieltag

Dem SC Freiburg fehlt es in Hannover an Comeback-Qualität

Daniela Frahm

Von Daniela Frahm

So, 11. Februar 2018 um 21:57 Uhr

SC Freiburg

Beim 1:2 in Hannover gelingt dem SC Freiburg nicht, was ihm zuletzt regelmäßig gelungen war: einen Rückstand noch aufzuholen.

Etwas seltsam sah er schon aus, der vor dem Spiel gegen den SC Freiburg neu verlegte Rasen in der HDI Arena in Hannover, die einzelnen ausgerollten Bahnen waren noch gut voneinander zu unterscheiden. "Er war ein bisschen ungewohnt, weil er hart und auch schmierig war", berichtete Linksverteidiger Christian Günter, fügte jedoch sofort hinzu: "Am Platz lag es heute aber absolut nicht." Wie seine Mitspieler suchte er keine Ausreden für die erste Niederlage des SC Freiburg nach neun ungeschlagenen Spielen in Folge, sondern analysierte selbstkritisch die Ursachen für das 1:2 bei Hannover 96, bei dem der Anschlusstreffer von Manuel Gulde (88. Minute) zu spät fiel, so dass die Freiburger diesmal nicht mehr ihre Comeback-Qualitäten zeigen konnten.

Ballverluste und fehlende Durchschlagskraft

"Wir hatten zu viele einfache Ballverluste", sagte Günter, "in der zweiten Halbzeit war es besser, aber da hat die Durchschlagskraft gefehlt." Am Ende hatte der Sportclub zwar mehr Ballbesitz, eine bessere Passquote und ist auch ein bisschen mehr gelaufen als der Gegner. Das resultierte aber auch daraus, dass er wieder mal einem Rückstand hinter laufen musste. Auch weil die Freiburger in der 23. Minute eine Doppelchance vergaben: Nach einer Vorlage von Nils Petersen scheiterte zunächst Tim Kleindienst und direkt danach Lucas Höler am glänzend reagierenden Torwart Philipp Tschauner. "Es müssen auch mal andere ein Tor machen als Nils", wiederholte Trainer Christian Streich eine schon häufiger vorgebrachte Forderung.

Die Mannschaft von André Breitenreiter war deutlich effizienter. Obwohl sie zum ersten Mal auch wieder von den Fans in der Nordkurve unterstützt wurde, die ihren Stimmungsboykott ruhen lassen, weil Präsident Martin Kind seine Übernahmepläne zunächst ruhen lässt, hielt sie sich mit Offensivbemühungen anfangs zurück – und überließ den Gästen den Spielaufbau. Die wenigen Torschüsse waren allerdings gleich gefährlich. Zunächst parierte Torwart Alexander Schwolow den Versuch von Niclas Füllkrug (11.), bei dem Schuss von Waldemar Anton (28.) aus dem Rückraum konnte er jedoch nichts mehr reparieren. "Es ist unfassbar bitter, dass wir so reingekommen sind und eigentlich erst nach dem 0:2 angefangen haben, Fußball zu spielen", ärgerte sich der frustrierte Schwolow, der vor dem zweiten Gegentor durch den Ex-Freiburger Felix Klaus (54.) auf dem seifigen Untergrund ausgerutscht war.

Auf Konter gelauert

Hannover hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon zurückgezogen und vor allem auf Konter gelauert. Der SC hatte nach der Pause nicht nur personell, sondern auch taktisch gewechselt. Offensivspieler Florian Kath kam für Innenverteidiger Marc Oliver Kempf, der als einzige Veränderung zur Vorwoche den gesperrten und schmerzlich vermissten Janik Haberer ersetzt hatte. Die Freiburger stellten von 3-4-3 auf 4-4-2 um, konnten damit auch mehr Druck erzeugen, gelangten aber trotzdem nicht gefährlich in den Strafraum, weil sie einige Situationen "nicht sauber zu Ende gespielt haben", wie Streich bemängelte. An der Mentalität seines Teams hatte er erneut nichts auszusetzen, "aber du kannst es nicht jedes Mal korrigieren".

Dass der Sportclub schon 13 Punkte nach Rückständen geholt hat, auf diesen Ligarekord hätte nicht nur Streich gerne verzichtet. "Wenn man immer einem 0:1 hinterher rennt, ist das ein enormer Kraftaufwand", erklärte Manuel Gulde, "es wäre einfacher, mit einer Führung auch mal auf Konter spielen zu können." Der Innenverteidiger hat die ganze Hinrunde wegen Rückenproblemen verpasst, seit dem Beginn der Rückrunde stand er aber in allen Spielen über die kompletten 90 Minuten auf dem Feld. Das war auch für ihn nach der langen Pause überraschend, aber er konnte sich darüber in Hannover genauso wenig freuen wie über sein erstes Bundesligator. Zu sehr trauerte der 26-Jährige der vergebenen Chance hinterher, weitere Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln.

Der Abstand nach hinten bleibt gleich

Angesichts der gleichzeitigen Niederlagen der Konkurrenten im Abstiegskampf "hätten wir uns heute absetzen können, deshalb ist es umso ärgerlicher", sagte Gulde. Der Abstand auf die Mainzer, die auf dem Relegationsplatz stehen, beträgt weiterhin nur fünf Punkte. Streich sieht seine Mannschaft deshalb in einer sehr trügerischen Situation, sie sei zwar stabil, "aber wir müssen wissen, dass wir ständig versuchen müssen, mehr Qualität auf den Platz zu bringen, um auch mal in Führung zu gehen".

Der Aufsteiger aus Hannover hat diese Qualitäten gezeigt und mit jetzt 31 Punkten einen weiteren Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht. Ruhe kehrt deshalb bei 96 aber nicht ein. Trainer Breitenreiter musste erklären, warum seine Spieler nach dem Spiel sich nur aus großer Entfernung bei der Nordkurve bedankten und dafür sogar mit Pfiffen bedacht wurden. "Ich war da schon nicht mehr draußen", lavierte er sich heraus, "aber ich bin sehr glücklich, dass wir heute wieder das ganze Stadion hinter uns hatten." Darauf kann sich der SC immer verlassen, auch am kommenden Sonntag im wichtigen Spiel gegen Bremen.

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