Heimspiel

Der Einsatz von Christian Günter gegen Wolfsburg ist fraglich

Michael Dörfler

Von Michael Dörfler

Fr, 08. Februar 2019 um 20:00 Uhr

SC Freiburg

Der Sportclub Freiburg möchte im vierten Spiel der Rückrunde endlich den ersten Sieg einfahren. Ein Fragezeichen steht hinter Günter, Schlotterbeck und Lienhart dürften wieder zum Einsatz kommen.

Irgendwie sind ja gefühlte Wahrheiten auch tatsächliche Wahrheiten. Demnach sind die Wolfsburger für die Freiburger nervende Schreckgespenster. Zumindest bei Heimspielen – und ein solches sieht der Spielplan für den Samstagnachmittag mal wieder vor. Die Nackenhaare dürfen sich getrost aufstellen. Die letzten fünf Begegnungen an der Dreisam haben die Kicker aus der Autostadt allesamt siegreich beendet. Es ist dies die beste Auswärtsserie der Niedersachsen gegen ein Team aus der Bundesliga überhaupt. Brrrr. Aber allein durch solch missbilligenden Laute werden die Wölfe wohl nicht zu possierlichen Tierchen mutieren. Als Warnung darf der Hinweis auf die Statistik gleichwohl gelten.

In dieser zeigen sich aber auch andere Zahlen. Beruhigendere zumal. Von 2003 bis 2011 gewann der Sportclub nämlich ebenfalls fünf Heimspiele gegen den VfL. Lang ist’s zwar her, aber siehe da: Mehr Heimsiege in Folge gegen eine Mannschaft schaffte Freiburg bis heute nie mehr in seiner Bundesliga-Geschichte. Ja was denn nun?, dürfte sich der eine oder andere Anhänger der Breisgauer beim Studium der Akten fragen. Hauen wir die jetzt weg, oder gibt’s wieder mal auf die Mütze?

Der VfL hat einen Kraftakt im Pokal hinter sich

Gefühlt jedenfalls wird’s eine harte Nuss zu knacken geben für die Mannschaft von Christian Streich. Schon am Donnerstag hat der Trainer seine Hochachtung für den Kollegen Bruno Labbadia zu erkennen gegeben, der aus den kickenden Diven vergangener Jahre mit viel Engagement ein kompaktes Ensemble geformt habe. Verbal hat Streich den Hut gezogen. Vor allem, weil Labbadia den Wolfsburgern das beigebracht habe, was landläufig als eine der stärksten Eigenschaften der von Streich angeleiteten Freiburger gilt: "Die Wolfsburger werden rennen bis zum Umfallen, denn sie wissen, dass sie es mit einer anderen Spielweise bei uns schwer haben werden."

Eine Aussage, die sofort den Blick auf die beiden zurückliegenden Partien beider Teams lenkt. Der VfL ist im Pokal unter der Woche mit 0:1 in Leipzig ausgeschieden. So ganz überraschend kommt dieses Ergebnis zwar nicht daher – gleichwohl war es ein Kraftakt. Und zwar für beide Teams. Das Laufen könnte auf Sicht also unangenehm werden für die Grün-Weißen. Ausgeruhter, wenn man diesen Wellness-Begriff überhaupt verwenden möchte, scheint da der Sportclub zu sein. Dessen letztes Spiel war nicht am vergangenen Mittwoch, sondern schon am Sonntag. Wobei das späte 2:2 beim VfB Stuttgart zumindest noch ein Stück weit nervenberuhigend geriet. "Nicht auszudenken, wenn wir dort verloren hätten", blickte Streich unter der Woche zurück.

Das mit dem Müssen ist in Freiburg meist so eine Sache

Was am Neckar versäumt wurde, nämlich nach guter Leistung zu gewinnen, trachten die Freiburger jetzt gegen die Wolfsburger nachzuholen. Es braucht nach den zwei Niederlagen zum Auftakt der Rückrunde auch dringend mal wieder ein Drei-Punkte-Spiel, damit der Klub kollektiv durchatmen kann. Die Abstände in der Tabelle nach hinten sind so kommod nicht, um die Gedanken an möglicherweise noch drohendes Ungemach ad acta legen zu können.

Doch das mit dem Müssen ist in Freiburg meist so eine Sache. Die Mannschaft hat viele Qualitäten, aber dann halt doch nicht so viele, dass Siege selbstverständlich wären. Und dann ist da ja auch noch die ständige Kunde von Verletzungen. Manuel Gulde hat’s jetzt in Stuttgart erwischt – er wird nach seinem Muskelfaserriss ein paar Wochen fehlen. Dazu wird auch noch um Christian Günter gebangt, der mit ein paar Stichen am Schienbein genäht werden musste. Bis Donnerstag hatte der Verteidiger nicht trainiert. "Ich weiß nicht, ob’s bei ihm geht", sagte Streich – der aber die Nehmerqualitäten des Schwarzwälders noch im gleichen Satz pries. Hoffnung ist also da.

Offene Planstelle in der Offensive zu vergeben

Auf alle Fälle dürfte sich Keven Schlotterbeck in den SC-Dress kleiden. Der 21-Jährige feierte nach seiner Einwechslung für Gulde in Stuttgart ein beachtenswertes Debüt. Ruhig und sachlich am Ball fügte er sich nahtlos in den Abwehrblock ein. Selbes darf auch Philipp Lienhart bescheinigt werden. Der stille Österreicher hat sich nach langer Wartezeit für seine Beförderung von der Bank ins Abwehrzentrum mit einer zufriedenstellenden Leistung bedankt. Beide, Schlotterbeck und Lienhart, müssen jetzt aber einen weiteren guten Auftritt folgen lassen – was oftmals schwierig genug ist.

Unabhängig der noch offenen Systemfrage, ist wohl auch noch eine vermeintlich offene Planstelle in der Offensive zu vergeben. Will der SC seine spielerischen Qualitäten in vorderster Linie stärken, dürfte Luca Waldschmidt ganz gute Karten fürs Mittun in der Hand halten. Nicht ausgeschlossen ist auch, dass Mike Frantz wieder in die Startelf rückt. Für Frantz spricht seine große Erfahrung und sein nimmermüder Kampfgeist. Zumindest gefühlt, könnte beides am Samstag gut zu gebrauchen sein.

SC kompakt: Gulde (Muskelfaserriss), Höfler (Reha nach Innenbandriss), Kath (Aufbau nach Leisten-OP), Borrello (Trainingsrückstand nach Kreuzbandriss), Kleindienst (Reha nach Meniskus-OP) und Sallai (Adduktorenreizung) sind nicht dabei.

Tickets für das Spiel sind noch zu haben, da die Gäste ihr Kontingent bei weitem nicht ausgeschöpft haben.