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24. Juli 2012 20:35 Uhr

Frauenfußball

Der SC Freiburg tauscht fast die ganze Frauenmannschaft aus

Aus dem Kader der vergangenen Saison sind zehn Spielerinnen nicht mehr dabei. Darunter auch Kapitänin Kerstin Boschert - sie verlässt nach elf Jahren enttäuscht den Verein.

  1. War elf Jahre lang beim SC: Kerstin Boschert (hier mit Trainer Milorad Pilipovic) Foto: Seeger

Zehn Spielerinnen, die in der vergangenen Saison in der Bundesligamannschaft des SC Freiburg standen, werden in der kommenden Saison nicht mehr dabei sein. Darunter ist auch das wohl prominenteste Gesicht der SC-Frauen, Kapitänin Kerstin Boschert, die elf Jahre lang für den Verein gespielt hat.

"Die Art und Weise, wie die Abteilung geführt wird, ist nicht mit meinen Prinzipien zu vereinbaren, was eine vertrauensvolle Zusammenarbeit angeht." Kerstin Boschert
Die 28-Jährige hat ihren Vertrag aufgelöst. "Die Art und Weise, wie die Abteilung geführt wird, ist nicht mit meinen Prinzipien zu vereinbaren, was eine vertrauensvolle Zusammenarbeit angeht", erklärt Boschert auf BZ-Anfrage. Deshalb habe sie beim Vorstand um eine Vertragsauflösung gebeten. Dies sei ein sehr schwieriger Schritt gewesen, so Boschert. Der Grund für ihre Entscheidung sollen Unstimmigkeiten mit Managerin Birgit Bauer gewesen sein. Nach BZ-Informationen soll es seit Monaten persönliche Animositäten gegeben haben. Dafür spricht auch, dass Boschert nicht offiziell verabschiedet wurde.

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Bauer wollte dies auf BZ-Anfrage nicht kommentieren. SC-Vorstand Fritz Keller erklärte: "Kerstin Boschert hat in den elf Jahren beim Sportclub viel Gutes geleistet. Ich bedauere, dass sie geht, aber sie geht aus freien Stücken. Man wird im Fußball immer erleben, dass es Unzufriedenheit gibt, das gehört dazu."

Neben Boschert gehören auch Myriam Krüger, Isabelle Meyer, Stephanie Wendlinger, Julia Zirnstein (gehen alle zum Zweitligaaufsteiger SC Sand), Lydia Miraoui, Essi Sainio (Ziel bei beiden unbekannt), Isabella Schmid (USA) und Alisa Schmidt (zweite Mannschaft) nicht mehr zum Kader. Torfrau Marisa Brunner hatte bereits im März wegen gesundheitlicher Probleme ihren Rücktritt erklärt. Sie wollte anschließend beim SC als Torwarttrainerin anfangen.

Als die Verhandlungen scheiterten, ging die Schweizerin, die ebenfalls Unstimmigkeiten mit Bauer gehabt haben soll, zum FC Basel. Dorthin folgt nun Boschert – obwohl sie weiß, dass das sportliche Niveau in der Schweizer Liga nicht mit der Bundesliga zu vergleichen ist. "Letztlich geht es mir vor allem darum, in Ruhe Fußball spielen zu können", sagt Boschert. Seit zwei Wochen trainiert sie in Basel. Am kommenden Sonntag, 29. Juli, trifft sie mit ihrem neuen Team in einem Vorbereitungsspiel auf den SC und ihren ehemaligen Trainer.

"Ich bedauere sehr, dass Kerstin weggegangen ist", erklärt Pilipovic. "Sie war sehr anerkannt im Verein und in der gesamten Bundesliga, das ist ein herber Verlust für die Mannschaft." Die Gründe, warum die anderen Spielerinnen den Verein verlassen müssen, seien unterschiedlich, so der Trainer. Miraoui und Schmidt hätten immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Bei Krüger, Wendlinger und Zirnstein habe es rein sportliche Gründe, dass ihre Verträge nicht verlängert worden seien. Ein Jahr nach dem Wiederaufstieg in die erste Bundesliga steht Pilipovic nun vor einer schweren Aufgabe: "Wir fangen quasi bei Null an. Ich hoffe trotzdem, dass wir unser Ziel erreichen und die Klasse halten. Aber die zweite Saison ist generell immer schwieriger."

Die SC-Frauen waren in der vergangenen Saison in die erste Liga zurückgekehrt und Tabellen-Achte geworden. Für die kommende Saison, die für die Freiburgerinnen am 2. September mit einem Heimspiel gegen Leverkusen beginnt, wurden nun Sylvia Arnold (USV Jena) und Claire Savin (1899 Hoffenheim) verpflichtet. Außerdem sollen die US-Amerikanerinnen Katherine Reynolds, Jenista Clark (Lokomotive Leipzig) und Fiona O’Sullivan sowie Jobina Lahr (Leipzig) und Eva-Maria Virsinger (VfL Sindelfingen) den neuen Kader bilden. Carmen Höfflin und Torhüterin Ann-Kathrin Selz rücken aus der zweiten Mannschaft des SC nach. Im nächsten Vorbereitungsspiel an diesem Freitag, 27. Juli, in Hofstetten treffen die neuen SC-Spielerinnen übrigens gleich auf vier Ehemalige – dann geht es nämlich gegen den SC Sand.

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Autor: Laetitia Obergföll