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28. Oktober 2011 14:32 Uhr

Reizthema Bengalos

DFL lehnt Legalisierung von Pyrotechnik im Stadion ab

Pyrotechnik im Stadion sorgt für viel Ärger. Die Liga hat nun eine Legalisierung kategorisch abgelehnt. Warum will die Szene nicht davon lassen? Was sagt die Feuerwehr zu den Gefahren?

  1. Diese Woche im DFB-Pokal: Karlsruher Fans entzünden Feuerwerkskörper beim Spiel gegen Schalke 04. Foto: dpa

Tumulte beim Spiel Kaiserslautern gegen den SC Freiburg, Spielunterbrechungen beim Pokalspiel Dortmund gegen Dresden – bengalische Fackeln sind derzeit das Reizthema zwischen Offiziellen und einem Teil der Fanszene in Deutschland. Der SC Freiburg wendet sich am Freitag beim Heimspiel gegen Bayer Leverkusen mit einem Flugblatt an die eigenen Anhänger. Tenor könnte die Forderung sein, dass sich die Fans eindeutig von solchen Vorkommnissen wie in der Pfalz distanzieren.

Pyrotechnik ist auf den Zuschauerrängen schon länger verboten – zum Ärger der Ultra-Fans, die im Stadion mit Choreographien, Einpeitschern mit Megafonen und koordinieren Schlachtrufen auftreten.Sie machen etwa 10 Prozent der organisierten Fußballanhänger im Land aus.

Rauball: Ultras führen Geisterdebatte

Vor der laufenden Saison gab es Gespräche zwischen Deutschem Fußball Bund (DFB), Deutscher Fußball Liga (DFL) und Ultras über das Pyro-Verbot. Nach Meinung der Ultras wurde vereinbart, dass diese an den ersten drei Spieltagen auf bengalische Feuer verzichten. Im Gegenzug werde danach über eine Legalisierung gesprochen. Die Fußballfunktionäre bestreiten das. Und auch Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga hat unter dem Eindruck der Vorkommnisse der vergangenen Tage nochmal nachgelegt: "Es gibt da eine Geisterdebatte, dass der Deutsche Fußball-Bund und die Liga die Pyros doch ’legalisieren’ könnten. Schon die Gesetzeslage verhindert das", sagte Rauball der "Süddeutschen Zeitung".

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Laut Versammlungs- und Ordnungsrecht dürfe nur ein ausgebildeter Feuerwerker ein Feuerwerk machen – "und das ganz sicher nicht im Bereich einer dicht besetzten Tribüne im Stadion. Das ist verboten. Die Vereine können daran nichts ändern".

Ultras haben gemeinsame Kampagne gestartet

56 Ultragruppen – darunter die Wilden Jungs und die Natural Born Ultras aus Freiburg – wollen das nicht hinnehmen. Sie haben die Kampagne "Pyrotechnik legalisieren! Emotionen respektieren" gegründet. Dass derzeit viele bengalischen Feuer bei Spielen abgebrannt werden, sei aber keine konzertierte Aktion, sagt der Hannoveraner Jannis Busse, 29 Jahre alter Sprecher der Kampagne. "Im Moment setzten Ultras aber wieder verstärkt Pyrotechnik ein. Nachdem der DFB den Dialog so brüsk zurückgewiesen hat, sind viele enttäuscht. Die Leute, die für Zurückhaltung eingetreten sind, haben momentan einen schweren Stand."

Der Idee der Kampagne widerspreche das aber nicht, "denn diese sagt ja, dass Pyrotechnik schon lange ein Teil der Fankultur ist". Vorkommnisse wie beim Spiel Kaiserslautern gegen den SC Freiburg seien kontraproduktiv, bestätigt Busse. Dort hat es Verletzte gegeben, nachdem die Polizei versuchte, die Personalien von zwei Fans aufzunehmen, die Pyro abgebrannt hatten. "Wir finden aber, dass die Polizei ihr Vorgehen hinterfragen muss. Sie bewertet das Abbrennen von Pyrotechnik als Straftat – dementsprechend tritt sie in solchen Fällen auch auf. Rechtlich ist es aber eine Ordnungswidrigkeit, das hat kürzlich das Amtsgericht in Freiburg bestätigt", so Busse.

Hitze und Atemwegsreizungen

Wie gefährlich ist Pyrotechnik überhaupt? Adolf Fleck, stellvertretender Leiter der Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg, hat schon vor Jahren die Fakten zum Thema zusammen getragen. Quintessenz: Die in Fankurven üblichen bengalischen Feuer und Magnesiumfackeln entwickeln eine Hitze von bis zu 1500 Grad – und mehr. Die entstehenden Gase können Atemwege reizen oder verätzen, im schlimmsten Fall bis hin zum Lungenödem.

Während sich die auf Nitrat basierenden bengalischen Fackeln mit Wasser löschen lassen, ist das bei den aus der Seenotrettung stammenden Magnesiumfackeln nur zehn Sekunden nach dem Anzünden möglich. Danach kann man sie nur noch ausbrennen lassen – das dauert 60 Sekunden. Fleck rät in dieser Zeit zu einem Sicherheitsabstand von fünf Metern. Kommt die Fackel in Kontakt mit Kleidung, brenne diese sofort.

Das Metallrohr, in dem sich die brennbaren Bestandteile der Fackel befinden, wird weißglühend, deshalb "ist das heiße Rohr noch bis zum Erkalten als Zündquelle gefährlich".

Ultras wie Jannis Busse wollen zertifizierte bengalische Fackeln "kontrolliert" abbrennen dürfen. "Da die verwendeten Feuerwerkskörper das CE-Zeichen haben, gehe ich nicht davon aus, dass diese exorbitant gesundheitsgefährdend sind." Die Nürnberger Fans, die sich bei einem Spiel im Februar 2010 in Bochum durch Pyrotechnik verletzten, hätten diese unsachgemäß verwendet. Aus Sicht von Busse war das aber die berühmte Ausnahme von der Regel.

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Autor: Peter Disch