Nachwuchs

Die duale Ausbildung genießt beim SC Freiburg hohen Stellenwert

Michael Dörfler

Von Michael Dörfler

Do, 25. Oktober 2018 um 17:40 Uhr

SC Freiburg

Bei einem Business-Gespräch in der Freiburger Agentur für Arbeit erläutert Klemens Hartenbach die Auswahlstrategie des Sportclub Freiburg. Außerdem hielt er den Ball hoch.

Als Klemens Hartenbach mit dem Ball zu jonglieren beginnt, wird es still im Foyer der Agentur für Arbeit in Freiburg. Jemand zählt mit: "14, 15, 16", dann beugt sich der Sportdirektor des SC Freiburg und fürs Scouting verantwortliche ehemalige Torhüter vornüber und fängt den Ball mit dem Genick auf. Ungläubiges Staunen der ungefähr 130 Gäste, Beifall brandet auf.

Der Sportclub im Arbeitsamt – etwa auf der Suche nach neuen Kräften? Natürlich nicht. "Faktor A – Business Talk" nennt sich eine Veranstaltungsreihe, mit der die Bundesanstalt für Arbeit Unternehmer, Interessierte und Experten zum Erfahrungsaustausch zusammenführt. Als Medienpartner fungiert die Badische Zeitung.

Christian Ramm, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Freiburger Hauses, hatte dazu am Mittwoch eingeladen. "Können Betriebe von einem Fußballverein lernen?", so könnte das Thema des Abends umrissen werden. Der SC Freiburg, der jüngst einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro fürs zurückliegende Geschäftsjahr verkündete, sollte da als Beispiel dienen.

Klagelied der Wirtschaft

Eine der brennenden Fragen überhaupt: Woher und vor allem wie rekrutiert der Sportclub seinen Nachwuchs? Die Wirtschaft, das weiß man, stimmt ein lautes Klagelied an. Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Mittelstand und Handwerk haben es extrem schwer, motivierte, junge Leute zu finden. Eine Tendenz, wie Hartenbach erklärt, die sich auch beim Sportclub bemerkbar macht.

Zunächst pflegen die Freiburger Kooperationen mit einer Reihe von Klubs im Umkreis von etwa 150 Kilometern. Dort erhalten talentierte Jugendliche im Alter zwischen 12 und 16 Jahren zusätzliche Trainingseinheiten von Übungsleitern, die der Sportclub eigens geschult hat. Dazu kommen auch Einheiten in Freiburg. Später, bei Eignung, ist dann ein Übergang in die Freiburger Fußballschule möglich, wo die talentiertesten unter einem Dach zusammengezogen werden. "Was aus denen wird, ist zu diesem Zeitpunkt aber meist noch völlig offen", so Hartenbach.

Auch die Freiburger Kicker haben die Erfahrung gemacht, dass es immer schwieriger wird, Talente aufzuspüren. "Man merkt, dass viele Kinder unter Bewegungsmangel leiden", sagt Hartenbach, der dies auch auf den offenbar unzureichenden Sportunterricht an den Schulen zurückführt.

Familiäres Umfeld schafft Sicherheit

Wichtig für die Freiburger ist auch, dass die Jugendlichen "so lange wie möglich" in ihrem familiären Umfeld bleiben können; "das vermittelt Sicherheit". Und natürlich: Der SC ist auch daran interessiert, dass das schulische und berufliche Fortkommen gleichbedeutend mit den sportlichen Ambitionen bleibt. "Die Ausbildung genießt einen hohen Stellenwert", berichtet Stephanie Nerling, der die pädagogische Leitung im Nachwuchsleistungszentrum des Klubs obliegt: "Wir sind quasi ein 24-Stunden-Kinderheim."

Der Sportclub hat mit Freiburger Schulen und Betrieben Vereinbarungen getroffen, die den Jugendlichen einen dualen Ausbildungsweg möglich machen. Das ist deshalb notwendig, weil die Nachwuchskicker zeitlich hohen Beanspruchungen unterliegen und dafür öfter freigestellt werden müssen. "Ohne diese Partner", so Nerling, "wäre das nicht möglich."

Der Abend stand unter dem Motto "Heimspiel Ausbildung – mit Talenten aus den eigenen Reihen punkten!" und offenbarte in seinem zweiten Teil, dass auch viele Betriebe aus der freien Wirtschaft nur mit innovativen Ideen und dem Beschreiten neuer Wege ihren Nachwuchsbedarf zumindest einigermaßen decken können. Bernhard Schmolck aus Emmendingen, der in der Region mehrere Autohäuser betreibt, und Frank Schoberer, Geschäftsführer des Technologiedienstleisters Alexander Bürkle in Freiburg, verdeutlichten dies an vielen Beispielen. Als Credo schälte sich heraus: "Wenn der Nachwuchs nicht zu uns kommt, müssen wir uns aktiv um ihn kümmern", so Schoberer. Der Sportclub mag da durchaus als überzeugendes Beispiel dienen.