2. Bundesliga

Fabian Schleusener: Ein Gundelfinger stürmt für den SV Sandhausen

Matthias Kaufhold

Von Matthias Kaufhold

Fr, 07. September 2018 um 12:59 Uhr

2. Bundesliga

Beim Bahlinger SC schaffte Fabian Schleusener als bester Goalgetter der Oberliga den Sprung zum Torjäger mit Profi-Ambitionen. Jetzt stürmt der Gundelfinger beim Zweitligisten SV Sandhausen.

Bekanntlich sieht man sich immer zweimal im Leben. Fabian Schleusener könnte dieser Spruch häufig über die Lippen kommen. Beim Bahlinger SC schaffte der aus Gundelfingen stammende Angreifer im zweiten Anlauf vor drei Jahren als bester Goalgetter der Oberliga den Sprung zum Torjäger mit Profi-Ambitionen. Seit dieser Saison spielt Schleusener in der zweiten Bundesliga für den SV Sandhausen – und wen trifft er dort? Trainer Kenan Kocak, der vor vier Jahren sein halbjähriges Gastspiel beim Regionalligisten Waldhof Mannheim begleitete.

Das bedeutet aber nicht, dass Schleusener seinem Coach nun etwas beweisen müsste nach dem Motto: Beim zweiten Mal, da zeig ich’s dir. Kocak war schon damals von den Qualitäten des turboschnellen Stürmers überzeugt. "Wir haben uns nie wirklich aus den Augen verloren", sagt Schleusener.

Bei den Gesprächen mit Sandhausen in diesem Frühjahr habe er bei Kocak schnell gespürt, "dass da weiter großes Interesse bestand". Mannheim in der Winterpause 2014 wieder Richtung Bahlingen verlassen zu haben, hätte mit seinem Studienwunsch zu tun gehabt. Schleusener begann damals an der Dualen Hochschule in Lörrach ein BWL-Studium, das heute freilich auf Eis liegt. Die Sache mit dem Fußball nahm dann doch größere Dimensionen an.

Schleuseners Laufbahn erscheint auf den ersten Blick wie der Versuch der Weltumseglung mit einer Jolle, die zuweilen als Spielball von Wind und Wetter über die sturmumtoste See treibt – aber nie untergeht und ihr Ziel nicht verliert. Manche Dinge dauern ein bisschen länger und laufen nicht nach Schema F.

Ausgeliehen vom SC Freiburg – zum dritten Mal

Er ging den Weg der Straße, den Weg über die Amateurschiene, fern des zertifizierten Ausbildungsbetriebs á la Freiburger Fußballschule. Schleusener wechselte als C-Jugendlicher von seinem Heimatverein SV Wildtal – sein jüngerer Bruder Eric spielt noch heute bei der Spvgg. Gundelfingen/Wildtal in der Kreisliga A – zum FC Denzlingen, schaffte hier als A-Jugendlicher den Sprung in die erste Mannschaft (Verbandsliga) und weckte das Interesse des regionalen Platzhirsches Bahlinger SC. Zwölf Oberliga-Tore für den BSC in der Saison 2012/13, ab nach Mannheim, die schnelle Rückkehr und nach 27 Toren und dem Aufstieg in die Regionalliga der Wechsel zum SC Freiburg, zweite Mannschaft. Mit 23 Jahren schimmerten erste Umrisse von Profitum durch den Nebel seiner Karriere.

Doch linear ist anders. Ganze elf Minuten Zweitligaluft schnupperte der Angreifer beim Sportclub unter Christian Streich in der Saison 2015/16. Das Jahr in der Zweiten wurde mit dem bitteren Abstieg aus der Regionalliga besiegelt – ausgerechnet zum Saisonfinale beim Bahlinger SC, der ebenfalls runter musste. Immerhin hatte Schleusener beim Sportclub nun einen Profivertrag in der Tasche, und der Verein sah etwas in ihm.

So setzte das inzwischen handelsübliche Verleihwesen ein: ein Jahr Dritte Liga beim FSV Frankfurt (inklusive sechsmonatiger Pause wegen eines Kreuzbandrisses), ein Jahr Dritte Liga beim Karlsruher SC. 17 Tore für den knapp am Aufstieg gescheiterten KSC waren der Beleg, es auch höher schaffen zu können. "Es gab viele gute Gespräche mit anderen Zweitligisten", sagt Schleusener. Doch nur in Sandhausen hatte er den Eindruck, dass der Verein hundertprozentig auf ihn setzt.

Ganz von der Angel wollten die Freiburger den Spätberufenen aber nicht lassen. Und so wurde wieder ein Leihgeschäft vereinbart zwischen den beiden Klubs, die gute Beziehungen unterhalten und am Donnerstag die Länderspielpause kurzerhand für ein Testspiel nutzten (siehe Sport auf Seite 16). Der Ex-Freiburger Karim Guédé spielt inzwischen ebenfalls in Schwarz-Weiß, Lucas Höler ging vor einem halben Jahr den umgekehrten Weg.

Spielerisch sieht Schleusener ebenfalls Parallelen zwischen dem Sportclub und seinem aktuellen Verein: "Auch wir wollen mit Ball agieren und Fußball spielen." Seine läuferische Stärke kann die beidfüßig agierende Offensivkraft, die in der Mitte und auf den Flügeln eingesetzt werden kann, freilich eher bei einem gut funktionierenden Umschaltspiel über Konter ausspielen. Funktioniert hat das in dieser Saison noch nicht: Sandhausen ist Tabellenvorletzter, hat in vier Spielen gerade ein Tor und einen Punkt ergattert.

Schleusener findet, dass die Mannschaft gemessen an ihren Auftritten bislang zu schlecht weggekommen ist: "Die Punktausbeute spiegelt nicht unsere Leistungen wider", ist er überzeugt. Vorne fehlte die Effektivität, hinten leisteten sich die Sandhausener individuelle Fehler, die umgehend bestraft wurden. Auch ihn trifft die Kritik. Als Stürmer werde man eben immer an Toren gemessen. Getroffen hat der 26-Jährige bislang einmal, im DFB-Pokal beim 6:0-Erfolg in Oberhausen. Dabei setzt Kocak auf ihn. Schleusener gehörte stets zur Anfangsformation, auch wenn die Eingewöhnung nicht leicht fällt: "Der Unterschied zur Dritten Liga ist definitiv da", sagt er. In der zweiten Liga ginge alles einen Tick schneller und körperbetonter zu.

Den Kontakt zu Freunden und Familie in seiner Heimat pflegt er weiterhin. Interessiert verfolgt Schleusener die Entwicklung in Bahlingen. Dass sein früherer Teamkollege Dennis Bührer die Kaiserstühler zumindest vorübergehend an die Spitze führte, wundert ihn nicht: "Dennis war als Spieler sehr ehrgeizig", sagt Schleusener. "Ich denke, dass er der Mannschaft diese hohen Ansprüche auch als Trainer gut vermitteln kann."

Und dann ist da noch der Sportclub, sein eigentlicher Arbeitgeber. Auch wenn er sich als Leihspieler sofort mit seinem neuen Klub identifiziert, reißt der Draht nicht ab. Die sportliche Leitung verfolgt seinen Entwicklungsprozess. Durchaus möglich, dass Streich ihn in der nächsten Saison wieder im Kader hat. Bekanntlich sieht man sich immer zweimal im Leben.