Erste Runde im DFB-Pokal

Freiburgs Nils Petersen spielt gegen den Verein seines Vaters

Daniela Frahm

Von Daniela Frahm

Sa, 12. August 2017 um 10:07 Uhr

SC Freiburg

Petersen vs. Petersen: In der ersten Runde des DFB-Pokals trifft Nils Petersen mit dem SC Freiburg auf seinen Vater Andreas. Er ist der Trainer des Gegners Germania Halberstadt.

Mit Plakaten wie für einen Boxkampf oder einen Blockbuster im Kino wird das Pokalspiel "Petersen gegen Petersen" in Halberstadt beworben. Es soll ein heißer Pokalfight werden, wenn der Regionalligist VfB Germania Halberstadt mit Trainer Andreas Petersen den Bundesligisten SC Freiburg mit Nils Petersen empfängt. Auch wenn da nicht nur Vater und Sohn aufeinander treffen, sondern ihre Mannschaften, ist es eine durchaus filmreife Geschichte. (siehe auch: Dortmund spielt in Freiburg)

"Er hat mich mal vor einem Auswärtsspiel in der Zweiten Liga angerufen und gesagt, dass er geträumt hat, ich mache einen Hattrick" Freiburgs Stürmer Nils Petersen über seinen Vater
Denn schon vor der Pokalauslosung, die sich beide gemeinsam in Halberstadt angeguckt haben, hatte Andreas Petersen genau diese Konstellation vorhergesagt. Es war nicht das erste Mal, dass der Vater von Freiburgs Topjoker seherische Fähigkeiten bewiesen hat. "Er hat mich mal vor einem Auswärtsspiel in der Zweiten Liga angerufen und gesagt, dass er geträumt hat, ich mache einen Hattrick", erzählt Nils Petersen. Das habe er zuvor nie in der zweiten Liga geschafft, und in dem Spiel sei es ihm tatsächlich geglückt.

Freiburgs Trainer rechnet im Vater-Sohn-Duell mit unverkrampftem Petersen

Vater und Sohn haben eine enge Verbindung, telefonieren fast täglich miteinander. Meistens geht es dabei um Fußball. Nach Spielen werden diese analysiert, nach dem Training werden neue Übungsformen besprochen. Beide sind über die jeweils andere Mannschaft gut informiert. Und so warnt der Sohn: "Wenn Mannschaften von meinem Vater eines können, ist es rennen und marschieren."

Sohn Nils in jeder Taktik-Besprechung des Vater dabei

Andreas Petersen war selbst Stürmer, mit Anfang 20 Torschützenkönig in der zweiten Liga der DDR, musste seine Spielerkarriere aber verletzungsbedingt beenden und wurde Trainer. Als Jugendlicher habe er in jeder Taktik-Besprechungen seines Vaters dabei gesessen, erzählt Nils Petersen. "Papa war ein harter Hund und er ist es immer noch, aber man kriegt dafür auch Erfolg zurück."

In der vergangenen Saison hat Andreas Petersen mit Halberstadt in der Relegation den Aufstieg in die Regionalliga geschafft und das Pokal-Finale gegen den Drittligisten Magdeburg 0:1 verloren, sich aber trotzdem für den DFB-Pokal qualifiziert. Grund: Die gute Platzierung der Magdeburger in der Liga als Vierter. Bei dem Pokalspiel Halberstadt gegen Magdeburg war Andreas Petersens Sohn Nils dabei und hat sich auch schon einige Trainingseinheiten angeschaut.

Trotzdem will Christian Streich dieses Insiderwissen nicht zu sehr anzapfen. "Nils soll sich auf sich und unsere Mannschaft konzentrieren", so der SC-Trainer. Dass die große mediale Aufmerksamkeit seinen Stürmer lähmen könnte, befürchtet er nicht: "Er kann das einordnen und kanalisieren."

"Er kennt jeden Spieler von uns, ich seine nicht alle." Christian Streich über Andreas Petersens Team Halberstadt
Nils Petersen wurde in Wernigerode am Harz geboren und hat in der Jugend drei Jahre bei Germania Halberstadt gespielt. In der Trainerkabine hängt noch ein Mannschaftsfoto mit dem "Dicken", wie ihn sein Vater noch immer liebevoll nennt, weil er in der Jugend ein bisschen pummelig gewesen sei. Andreas Petersen ist stolz auf seinen Sohn, das ist zu spüren. Und er sieht ihn in Freiburg am richtigen Ort, weil er hier das Vertrauen, die Wertschätzung und das familiäre Umfeld habe, das er brauche.

Vater Petersen hat schon viele Spiele des SC live gesehen, alle anderen wahrscheinlich im Fernsehen, und er hat sich auch schon mehrfach mit Christian Streich ausgetauscht, wie der SC-Coach erzählt. "Er kennt jeden Spieler von uns, ich seine nicht alle."

Vater Petersen verärgert über Freiburger Europa League-Aus

Trotzdem ist für Streich klar, dass sein Team der Favorit ist. "Aber wir müssen mit einer sehr guten Einstellung ins Spiel gehen und ein seriöses und konzentriertes Spiel abliefern." Was passiert, wenn das nicht hundertprozentig gegeben ist, habe man beim Euro-League-Aus gegen Domžale gesehen.

Das Spiel hat Andreas Petersen am Fernseher verfolgt und vor Wut gegen etwas getreten, obwohl er gerade etwas gehandicapt ist, weil er ein künstliches Kniegelenk bekommen hat. Das wird ihn auch beim Coachen im Pokalspiel einschränken. Der Saisonstart ist dem Regionalliga-Aufsteiger trotzdem geglückt. Nach drei Spielen hat Halberstadt vier Punkte auf dem Konto.

Für Vater und Sohn wird es in der kommenden Saison jeweils um den Klassenerhalt gehen. Im Friedensstadion von Halberstadt werden sie heute aber zu Gegnern. Der telefonische Austausch musste in den vergangenen Tagen deshalb ein paar Themen ausklammern. "Wir sind beide so professionell, dass keiner Dinge ausplaudert", sagt Nils Petersen, "es geht um viel Geld, und beide wollen in die zweite Runde kommen."
Voraussichtliche Aufstellungen

Halberstadt:
Büchel – Eggert, Lachheb, Blume – Hübner, Campagna, Boltze, Michel, Twardzik – Beil, Nattermann.

Freiburg:
Schwolow – Stenzel, Lienhart, Kempf, Günter – Frantz, Höfler, Abrashi, Haberer – Niederlechner, Petersen.

Schiedsr.:
Günsch (Marburg).

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