Gegentore aus dem Nichts

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

So, 11. Februar 2018

SC Freiburg

Der Sonntag Der SC Freiburg spielt in Hannover offensiv schwach und verliert verdient mit 1:2.

Die Serie des SC Freiburg ist gerissen. Nach neun Spielen ohne Niederlage verlor gestern die Streich-Elf 1:2 in Hannover. Ein Ergebnis, das dem Spielverlauf entsprach, denn gegen den Überraschungsaufsteiger agierte der Sportclub offensiv total harmlos.

Groß war der gegenseitige Respekt vor dem Anpfiff. Die Hannoveraner fürchteten einen Kontrahenten, der seit Mitte November in der Liga nicht mehr verloren hatte, während SC-Trainer Christian Streich nicht müde wurde zu betonen, wie taktisch variabel die Niedersachsen zu agieren verstünden.

Rund 37 000 Zuschauer bekamen daraufhin ein Bundesliga-Spiel geboten, das phasenweise zerfahrener nicht hätte sein können. Hannover 96 verstand es kaum, Druck auszuüben. Der SC Freiburg hingegen erwarb sich im Spiel nach vorne kein Ruhmesblatt. Dies ist teilweise auch den Personalsorgen geschuldet, die den Sportclub plagen. Nicolas Höfler und Janik Haberer fehlten gestern wegen Gelbsperren, Yoric Ravet ist weiterhin verletzt, der polnische Nationalspieler Bartosz Kapustka leider noch immer keine Alternative. So blieb dem SC-Trainerstab nicht anderes übrig, als in der Abwehr auf eine Dreier/Fünferkette zu setzen, vor der in Robin Koch und Amir Abrashi zwei Defensivspezialisten agierten. Die Offensive besetzte das Trio Höler-Petersen-Kleindienst, bis auf eine einzige Ausnahme kam es zu keiner Torchance.

Nichts kündigte jedoch an, dass der SC Freiburg in der 28. Minute in Rückstand geraten könnte, denn defensiv waren die Gäste bis zu jenem Zeitpunkt nie in Verlegenheit geraten. Lediglich einen dankbaren Distanzschuss des 96er-Stürmers Niclas Füllkrug musste SC-Torhüter Alexander Schwolow parieren. Da waren bis dato Tim Kleindienst und Lucas Höler einem Führungstreffer schon näher gewesen, doch in der 23. Minute scheiterten beide an Hannover-Keeper Philipp Tschauner.

Fünf Minuten später indes schlug der Ex-Freiburger Oliver Sorg eine Flanke in den SC-Strafraum, die Robin Koch per Kopf abwehrte. Doch an der Strafraumgrenze stand der Hannoveraner Waldemar Anton, der den Ball ins Freiburger Tor jagte. "Ein viel zu einfaches Gegentor", klagte nach Spielende SC-Verteidiger Manuel Gulde, "wir lassen den zweiten Ball zu frei."

Während der Halbzeitpause reagierte Streich personell und brachte den Mittelfeldspieler Florian Kath für Verteidiger Marc-Oliver Kempf. In der 4-4-2-Grundordnung hatten die Freiburger fortan viel mehr Ballbesitz und Initiative, dennoch konnten sie kaum Kreativität und noch weniger Torgefahr ausstrahlen.

Mehr noch: Gegen den Spielverlauf kassierten Nils Petersen und Co. in der 54. Minute das 0:2. Einen Abschlag Schwolows köpfte der beeindruckend starke Hannoveraner Innenverteidiger Salif Sané in die Freiburger Hälfte, gegen die nicht gut sortierte SC-Abwehr gelangte der Ball über die Stationen Fossum–Füllkrug–Bebou zu Felix Klaus, der die Chance zum Führungsausbau eiskalt nutzte.

Viel Ballbesitz, keine Torchancen

Sosehr sich die Freiburger fortan aufbäumten, einen Hoffnungsschimmer, das Spiel zu drehen, erblickten sie lange Zeit nirgends. Lange Ballstafetten gegen immer defensiver agierende Niedersachsen führten zu keinen Torchancen. Irgendwann versuchten es Koch, Abrashi und Höler mit Schüssen aus der zweiten Reihe, allesamt verfehlten sie weit das Tor Tschauners.

Erst in der 88.Minute gelang Gulde im Anschluss an einen Freistoß das 1:2. Der Sportclub warf in der Nachspielzeit zwar alles nach vorne, doch eine Chance zum glücklichen Ausgleich bot sich nicht mehr.

Hannover 96: Tschauner - Sorg, Salif Sané, Elez - J. Korb, Ostrzolek - Anton, Fossum (90. F. Hübner) - Klaus (73. Bakalorz), Bebou (84. Harnik) - Füllkrug

SC Freiburg: Schwolow - Söyüncü, Gulde, M.-O. Kempf (46. Kath) - Kübler (69. P. Stenzel), R. Koch, Abrashi, Günter - Höler, Kleindienst (63. Terrazzino) - Petersen

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin) - Zuschauer: 37 800

Tore: 1:0 Anton (28.), 2:0 Klaus (54.), 2:1 Gulde (88.)

Gelbe Karten: - / Terrazzino (1), Günter (2)