SC Freiburg

Havard Nielsen wartet auf seinen Einsatz

René Kübler

Von René Kübler

Di, 10. Januar 2017 um 17:05 Uhr

SC Freiburg

Ein bisschen anders hatte sich Havard Nielsen sein Comeback wohl vorgestellt: Seit einem Jahr weilt er beim SC Freiburg – jetzt hofft der Norweger nach vielen Verletzungen auf einen Neuanfang.

Eigentlich war geplant, dass der 23-Jährige im Testspiel des SC Freiburg gegen die PSV Eindhoven ein paar Minuten das tut, was er gelernt hat: angreifen. Doch dann verletzte sich Pascal Stenzel und Nielsen fand sich auf der rechten Außenverteidigerposition wieder.

"Ich wusste ein paar Mal nicht so richtig, wo ich mich positionieren soll", gesteht er. Aufgefallen ist das nicht – und Nielsen im Freiburger Gesamtgefüge keineswegs abgefallen. Dass am Ende eine 1:2-Niederlage stand: Sei’s drum. Wer ein Jahr lang fast nur verletzt ist, kann sich an kleinen Dingen freuen. "Hauptsache gespielt", sagt Nielsen.

In Sotogrande begann vor einem Jahr die Leidensgeschichte

Im Januar 2016 hat die (Leidens) -Geschichte des norwegischen Nationalspielers begonnen. In Sotogrande, wo die Freiburger auch jetzt wieder im Trainingslager sind. Nielsen war von RB Salzburg zum Sportclub gewechselt. Mit wenig Spielpraxis, aber großer Hoffnung. Seitdem hat er seine fußballerische Vita um gerade mal 268 Spielminuten ergänzt – und um einige Verletzungen: Achillessehnenprobleme, Bauchmuskelzerrung, Leistenbruch, Knieprellung.

Eine Erklärung dafür hat der norwegische Patient nicht gefunden, er kann nur vermuten. "Früher hatte ich nie Verletzungen", sagt Nielsen. Allerdings, so räumt er ein, habe er auch nur Fußball gespielt und andere Dinge vernachlässigt, die angesichts der Anforderungen zu einer Profikarriere dazugehören: "Vielleicht habe ich speziell im Bereich Regeneration und Kraft nicht genug gearbeitet."

Gute Erinnerungen an die Zeit in Braunschweig

Inzwischen hat Nielsen gelernt, in sich hineinzuhören. Zu verstehen, was sein Körper braucht, um voll leistungsfähig zu sein. Seit seiner Leistenoperation im September vergangenen Jahres hat er viel im physischen Bereich gearbeitet, um der Havard Nielsen zu werden, den sie in Freiburg gut brauchen können. Der Havard Nielsen, den Klemens Hartenbach noch immer vor Augen hat.

"Ich habe immer noch die Bilder aus seiner Braunschweiger Zeit im Kopf", sagt der SC-Sportdirektor. Eine gute Mischung aus Ausdauer und Schnelligkeit habe Nielsen damals ausgezeichnet. Eine, die ideal passe zur Art und Weise, wie in Freiburg Fußball gespielt werde. Allerdings nur, wenn Nielsen zu 100 Prozent fit sei. "Und bislang", räumt Hartenbach ein, "war er bestenfalls zu drei Vierteln fit."

"Ich bin quasi wieder ein Neuzugang" Havard Nielsen
Nielsen selbst kann und will da nicht widersprechen: "Es ist traurig, das sagen zu müssen. Aber ich bin quasi wieder ein Neuzugang." Da sei das Gefühl, nichts geleistet zu haben für den Sportclub. Ein Gefühl genau so quälend wie jenes, nicht richtig dazuzugehören, wenn man verletzt ist – obwohl Nielsen betont, dass Mannschaft und Trainer ihn durchweg unterstützt hätten. Genau wie seine Freundin, die mit Fußball nicht ganz so viel am Hut hat und ihn, wie er sagt, mit anderen Themen ablenken konnte.

Langsam will Nielsen versuchen, sich wieder an sein früheres Leistungsniveau heranzutasten. Einem wie ihm fällt das besonders schwer, dieses Langsame. "Ich bin ein Typ, der in jedem Training Vollgas gibt", erklärt er. Jetzt aber muss der Norweger dosieren und "schauen, wie mein Körper funktioniert". Wann er wieder in der Bundesliga spielen kann und auf welcher Position, darüber will er noch nicht so viel nachdenken. Als Außenverteidiger dürfte er jedenfalls kaum vorgesehen sein. Eher als hängende Spitze oder als offensive Flügelkraft.

Zunächst aber müssen "Körper und Geist aufgebaut werden", wie Klemens Hartenbach es ausdrückt. "Und dann", sagt Nielsen, "sitzen wir in einem Jahr hoffentlich wieder hier und können sagen: Es war ein gutes Jahr."
Neues aus dem Trainingslager:

Amir Abrashi musste unterdessen das Trainingslager der Freiburger in Spanien verletzungsbedingt verlassen und ist zu medizinischen Untersuchungen nach Freiburg zurückgekehrt. Der Albaner hatte sich am Sonntag im Spiel gegen den FC Vaduz (3:1) eine Blessur am Sprunggelenk zugezogen.

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