Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

04. April 2012 11:04 Uhr

Porträt

Oliver Sorg: Jung, gut, ruhig und sachlich

Vom Kapitän bei den Amateuren zum Stammspieler bei den Bundesliga-Profis – ein großer Schritt? Abwehrspieler Oliver Sorg hat sich beim Sportclub Freiburg zur Fachkraft gemausert .

"Mit Philipp Lahm", sagt Oliver Sorg, "hätte ich mich schon ganz gern unterhalten." Der Münchner Nationalverteidiger ist eines der Idole des 21-jährigen Youngsters des SC Freiburg, der seit Beginn der Rückrunde mit prima Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hat. Wie Lahm ist Sorg Abwehrspieler und wie der Bayern-Spieler kann Sorg sowohl rechts als auch links verteidigen. Dass es zu dem ins Auge gefassten Meinungsaustausch mit dem Münchner nicht kam, hat ein Stück weit auch mit Sorgs Leistung zu tun. 0:0 trennte sich der Sportclub in jenem Spiel von den Bayern, was dazu führte, "dass die hinterher nicht mehr so gute Laune hatten". Immerhin konnte Sorg noch das Trikot von Lahm ergattern.

Sorg, der in der Hinrunde dieser Spielzeit mit den Amateuren des SC Freiburg in der Regionalliga Süd noch gegen Gegner wie den FC Memmingen oder Bayern Alzenau anzutreten hatte, misst sich seit jenem Telefonanruf von Trainer Christian Streich, der den US-Urlauber Sorg im Winter ins Trainingslager der Profis nach Spanien beorderte, mit Größen wie Franck Ribéry, Claudio Pizarro oder zuletzt in Leverkusen mit Stefan Kießling. Was ihm dazu einfällt? "Gegen die musst du 90 Minuten lang hellwach sein."

Werbung


Erster Einsatz auf der linken Seite beim 3:1 in Hamburg

Das ist dem gebürtigen Engener bislang ganz gut gelungen. Alle elf Spiele in der Rückrunde hat er bestritten, alle über 90 Minuten. Dabei wirkte Sorg oftmals derart ruhig und abgebrüht, als sei ihm dieser Job ins Kinderbett gelegt worden. "Na ja", sagt er, "das mit der Ruhe hab’ ich wohl bei den Amateuren gelernt." Dort wurde er zum Kapitän ernannt, hatte folglich viel Verantwortung auf seinen Schultern, Vorbildfunktion dazu. "Wenn ich da rumhample und nervös bin", sagt er, stecke er die anderen nur an.

Dass er jetzt, nachdem der Kollege Mensur Mujdza seinen Mittelfußbruch wieder kuriert hat, seinen Arbeitsplatz von der rechten auf die linke Abwehrseite verlegen musste, stört ihn überhaupt nicht: "Das ist kein großer Unterschied." Seinen ersten Einsatz auf links, beim 3:1-Auswärtssieg beim Hamburger SV, habe er einem taktischen Einfall von Trainer Streich zu verdanken gehabt. Er hat seine Sache damals gut gemacht – und ist auf der linken Seite haften geblieben. Vielfältig einsetzbare Spieler, das weiß Sorg, sind bei den Trainern gern gesehen. Zumal, wenn sie jung und ehrgeizig sind.

Sorgs Pläne beinhalten aber nicht nur Fußball. Derzeit lässt er sich zum Sport- und Fitnesskaufmann ausbilden. Im Mai soll die dreijährige Phase abgeschlossen sein, was er sogar ein bisschen zu bedauern scheint. Einen praktischen Teil der Ausbildung hat Sorg nämlich beim SC Freiburg im Management, in der Marketingabteilung, dem Fanshop und in der Medienarbeit absolvieren können. "Super" sei dies gewesen, noch heute schaut er fast täglich bei den Kollegen im Verwaltungstrakt vorbei.

Schöne Umgebung, nette Wohnung

Seit 2006 ist Sorg bereits im Verein, damals wechselte er vom FC Singen in die Freiburger Fußballschule – und damit zu Trainer Christian Streich. Und dieser sei seiner Arbeitsweise seither treu geblieben: "Ob der Jugendliche oder jetzt g estandene Profis trainiert, da ist kein Unterschied zu bemerken", sagt Sorg. Wobei, natürlich, die Intensität jetzt eine höhere sei. Indes sei, wie Sorg sich erinnert, die Vorbereitung bei den A-Junioren auch schon happig gewesen.

Was seine Zukunftspläne anbelangt, bleibt Sorg angenehm bescheiden: "In der nächsten Saison mit dem Sportclub wieder in der ersten Liga spielen." Weiter denken möchte er gar nicht. "Natürlich", so sagte er, "träumt man von einer Karriere." Er fühle sich aber in Freiburg super wohl, genieße die schöne Umgebung und seine nette Wohnung. Alles Weitere werde sich ergeben. Vielleicht klappt’s mit dem Small Talk dann bei einer nächsten Begegnung mit Philipp Lahm.



Mehr zum Thema:

Autor: Michael Dörfler