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20. März 2017

Bundesliga

SC Freiburg schafft es in Augsburg nicht, fußballerische Qualität einzubringen

Der SC Freiburg hält beim hart umkämpften 1:1 in Augsburg körperlich dagegen, schafft es aber nicht, seine fußballerische Qualität einzubringen.

  1. SC-Kapitän Julian Schuster (links) diskutiert mit Moritz Leitner. Foto: dpa

AUGSBURG. Aus der Nähe betrachtet hat Konstantinos Stafylidis durchaus etwas Furchteinflößendes. Der kompakte Körper, flächendeckend tätowiert, die wilde Frisur samt passendem Bart, dazu ein Verband am Arm, der Leidensfähigkeit dokumentiert. So stellt man sich einen verwegenen Verteidiger vor. Doch dann ist dieser Mann plötzlich ganz sanft. Als Stafylidis nach dem 1:1 des FC Augsburg gegen den SC Freiburg in den Katakomben der WWK-Arena den kleinen John Schmid entdeckt, herzt er den Jungen liebevoll, umsäuselt ihn mit hoher Stimme. Nach und nach kommen dann auch die Freiburger Protagonisten, um ihren derzeit angeschlagenen Ex-Kollegen Jonathan Schmid und seinen Sohn herzlich zu begrüßen.

Es sind Szenen, die ganz und gar konträr sind zu dem, was sich während der 92 Minuten zuvor draußen auf dem Rasen abspielte. Stafylidis, der ruppige griechische Defensivakteur, und seine Augsburger Kollegen hatten in erster Linie mit körperlichem Engagement versucht, nicht noch weiter abzusacken in der Tabelle. Die Freiburger hielten wacker dagegen, verloren sich dabei aber ein bisschen selbst. Und ihr Fußballspiel.

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In Augsburg sei das so eine Sache, erklärt Mike Frantz hinterher. "Hier ist es immer eklig. Wenn du hier nur Fußball spielen willst, dann kriegst du auf den Sack." Man müsse sich anpassen, um zu verhindern, dass der Gegner sein Ziel erreicht. "Sie wollen einem den Schneid abkaufen", sagt Frantz, "aber das ist ihnen heute nicht gelungen." Der Routinier klingt durchaus ein bisschen stolz, dass dem Sportclub der Kraftakt einigermaßen geglückt ist: "Auch wenn wir natürlich immer den Anspruch haben, gut Fußball zu spielen."

Doch das war an diesem regnerisch-stürmischen Nachmittag in Augsburg nicht das Sternchenthema. Irgendein Spieler lag immer am Boden, quasi im Minutentakt musste Schiedsrichter Sascha Stegemann das intensive Gegeneinander unterbrechen. Jede Menge Zweikämpfe, einige Nicklichkeiten, fünf verletzungsbedingte Auswechslungen, aber wenig erstklassiger Fußball. "Es war an der Grenze", findet Mike Frantz, der nicht als zimperlich bekannt ist in der Szene. Weshalb er auch nicht klagen will. Schon gar nicht über die Gangart des Gegners.

"Kein Vorwurf an Augsburg. Es gehört sich so, dass man auch mal hinlangt und einstecken muss." Dass der Sportclub am Ende sogar mehr Fouls (21) begangen hat als der Gegner (16), zeigt, dass die Breisgauer gewillt waren, sich diesmal nicht beeindrucken zu lassen vom rustikalen Spielstil dieses Gegners. Genau das war in der Vergangenheit immer wieder geschehen.

Die SC-Profis mussten sich nicht den Vorwurf gefallen lassen, nicht alles gegeben zu haben. Nur das, was sie eigentlich viel besser können als die Augsburger, zeigten sie zu selten. Vor Florian Niederlechners Elfmetertreffer zum 1:0 (30.) war das fußballerische Vermögen der Freiburger kurz aufgeblitzt. Eine schnelle Direktkombination hatte Frantz den Durchbruch in den gegnerischen Strafraum ermöglicht – und FCA-Torhüter Marwin Hitz nur noch die Fouloption gelassen. Ansonsten agierte der Sportclub speziell in Halbzeit eins so, wie es Trainer Christian Streich beschreibt: "Nicht passsicher genug und ohne uns vorne behaupten zu können."

Die Spielästhetik hätte womöglich weniger gelitten, wäre Hitz für seine Notbremse vom Unparteiischen vom Platz gestellt worden (Niederlechner: "Ein Mann mehr hätte geholfen"). Oder wenn sich Nicolas Höfler nicht früh eine klaffende Risswunde am Knie zugezogen hätte. Fehlt einem Spiel die Struktur, macht es sich besonders bemerkbar, wenn einer fehlt, der ihm diese verleihen könnte. Eine kurzfristige Folge von Höflers Ausscheiden war der Augsburger Ausgleich durch Stafylidis, der Lukas Kübler entwischte und zum 1:1 einköpfte (38.). Langfristig sind Christian Streich durch einen weiteren erzwungen Wechsel die Hände gebunden. "Wir hatten überlegt, zur Pause das System zu ändern", verrät der SC-Coach später: "Doch dann kam Lukas Kübler und hat gesagt: Es geht nicht mehr." Ein Pferdekuss. So musste Streich sein Team weiter mit Dreier-/Fünferabwehrkette agieren lassen, anstatt ihrem Spiel nach vorne mehr Ballsicherheit und Ideen verleihen zu können – durch eine Einwechslung Vincenzo Grifos.

Den Gästen blieb letztlich nur die eine Option. Sie mussten sich weiter durch diese spaßfreie Partie quälen. "Es hat sicher schon schönere Spiele gegeben", bestätigt Florian Niederlechner. Besonders für einen Stürmer. "Aber da muss man sich einfach durchkämpfen und weiter marschieren." Als nach einer knappen Stunde die körperliche Intensität ein wenig nachließ, entstanden zumindest Räume, mit denen die Freiburger fußballerisch etwas mehr anzufangen wussten als die Gastgeber. Die Augsburger blieben bei ihrer schlichten Hoch-und-weit-Methode. Was immerhin genügte, um die beste Chance der zweiten Halbzeit zu produzieren: Moritz Leitners Kopfball zehn Minuten vor Schluss, der das Ziel jedoch deutlich verfehlte.

Auch diese Szene sorgte dafür, dass sich die Freiburger hinterher mit dem Ergebnis deutlich mehr anfreunden können als ihre Kontrahenten. "Um hier als Sieger vom Platz gehen zu können, muss mit dem Ball ein bisschen mehr kommen", räumt Julian Schuster ein. "So, wie es gelaufen ist, nehmen wir den Punkt gerne mit", betont Mike Frantz. Und Christian Streich? Dessen Bilanz fiel passend aus: "Ich bin zufrieden, dass es bei Chico Höfler nur eine tiefe Fleischwunde ist."

Autor: René Kübler