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20. Januar 2016 00:00 Uhr

Trainingslager

SC Freiburg: Torrejón hat viel Spaß am neuen Job

Der Spanier Marc Torrejón fühlt sich als rechter Verteidiger beim SC Freiburg ausgesprochen wohl. BZ-Redakteur René Kübler hat sich im Trainingslager mit dem Defensivspieler unterhalten.

  1. Will mit dem SC zurück in Liga eins: Marc Torrejón Foto: Keller

SOTOGRANDE. "Gut Bohro", hallt es über den Trainingsplatz des SC Freiburg im spanischen Sotogrande. "Super so, Junge." Es ist Marc Torrejón, der seinen unerfahrenen Kollegen derart lautstark unterstützt. Bohro ist gerade mal 18 Jahre alt und steht am Beginn seiner Karriere. Torrejón wird im Februar 30 – und hat schon mehr als zehn Jahre Profifußball auf dem Buckel.

Die Zeit in seiner Heimat genießt der Spanier. Zum einen, weil er hier mal wieder ausgiebig Spanisch sprechen kann. Zum anderen, weil in ihm schöne Erinnerungen hochkommen. Sein erstes Profijahr hat Torrejón einst in Málaga verbracht. Das ist ungefähr eine Autostunde von Sotogrande entfernt, wo er sich mit dem SC Freiburg derzeit auf die Rückrunde in der zweiten Fußball-Bundesliga vorbereitet. "Eine tolle Zeit, wir waren lauter junge Leute damals", erzählt der Abwehrspieler. Seine Augen leuchten.

Stellt sich nur die Frage, warum Torrejón 2012 von Racing Santander zum 1. FC Kaiserslautern gewechselt ist – auch noch in die zweite Liga. Kaum ein spanischer Fußballer geht diesen Weg. "Die Mentalität in Spanien ist, dass die spanische Liga die beste Liga der Welt ist", erklärt Torrejón. Das Interesse seiner Landsleute an anderen Ligen sei daher generell gering. Zu Unrecht, wie er findet. "Für mich ist die Bundesliga viel besser als die spanische Primera Division", betont Torrejón. Auch Liga zwei in Deutschland findet er "überragend". Grund: "In Getafe beispielsweise spielst du vor 3000 Zuschauern, in Deutschland kommen sogar in der zweiten Liga 30 000 Besucher.

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Gleichwohl würde Torrejón lieber in der ersten Liga spielen. Deswegen wäre er nach dem Abstieg im Sommer gerne zu einem anderen Verein gewechselt. Ein Angebot habe es gegeben. Doch das war nicht der einzige Grund, weshalb Torrejón Freiburg verlassen wollte. "Als Profi willst du immer spielen", erklärt er. "Gegen Ende der Saison saß ich aber häufig auf der Bank." Der Frust ist inzwischen verarbeitet, die Trotzphase zu Beginn der Runde überwunden, auch seine Rotsperre und eine nervige Verletzung hat der Spanier abgehakt. Der Routinier hat in den Profimodus geschaltet. "Ich habe einen Vertrag. Und wenn der Chef sagt, dass ich bleiben muss, dann bleibe ich."

Marc Torrejón klingt keineswegs verbittert. Die Freiburger Erfolge in der Vorrunde haben ihn überrascht. "Damit habe ich nicht gerechnet", sagt er. Gleichzeitig haben sie seinen Ehrgeiz zusätzlich angestachelt. "Ich bin mit Freiburg abgestiegen und will mit Freiburg wieder aufsteigen", nennt Torrejón sein klares Ziel. Wie es erreicht werden kann, daran lässt er keine Zweifel: "Ich muss in die gleiche Richtung gehen wie die Mannschaft." Also dort spielen, wo er gebraucht wird.

Aufgrund der Freiburger Personalnot ist Torrejón inzwischen nicht mehr Innenverteidiger, sondern besetzt die Position rechts hinten in der Viererabwehrkette. "Ich hatte als Profi noch nie Rechtsverteidiger gespielt", räumt er ein. Als Trainer Christian Streich ihn gefragt habe, ob er das könne, habe er trotzdem sofort gesagt: "Ja klar, probieren wir’s."

Stand heute wird Torrejón auch zu Beginn der Rückrunde rechts verteidigen. Die Anfangsschwierigkeiten hat er überwunden. Auch wenn er zunächst feststellen musste: "Wenn du da draußen nach rechts schaust, siehst du nur die Zuschauer." Inzwischen empfindet er sogar richtig Spaß an seinem neuen Job, "weil ich offensiv viel mehr machen kann als im Zentrum".

Aus einer schwierigen Lage ist also eine Win-Win-Situation geworden.

Autor: René Kübler