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05. Februar 2012 17:24 Uhr

Heimspiel

SC Freiburg zeigt Moral – 2:2 gegen Werder Bremen

Der Pizarro-Faktor kostet den SC Freiburg zwei Punkte: Werder Bremen geht durch seinen peruanischen Stürmer zweimal in Führung – doch beide Male erarbeiten sich starke Breisgauer den Ausgleich.

  1. Ein Tänzchen im Abstiegskampf: So feiert der SC Freiburg den 2:2-Ausgleichstreffer gegen Werder Bremen. Foto: dapd

Feldüberlegen, die größere Anzahl von Torchancen, zweimal einen Rückstand wettgemacht – der SC Freiburg überzeugte am Sonntag im Fußball-Bundesligaspiel gegen Werder Bremen. Die Breisgauer kamen allerdings nicht über ein 2:2 hinaus (Fotos). Dafür war auch Bremens Angreifer Claudio Pizarro verantwortlich, der beide Treffer der Norddeutschen erzielte.

Aggressives Pressing: SC zwingt Werder in die Statistenrolle

Die letzten wärmenden Sonnenstrahlen verabschiedeten sich gerade aus dem Mage-Solar-Stadion, da wurde es ungemütlich für den SC Freiburg. Es war jedoch nicht die bissige Kälte, die den Gastgebern zusetzte. Sie waren es selbst. Laufstark hatten die Breisgauer zuvor nicht nur den Minusgraden getrotzt, sondern Werder Bremen mit aggressivem Pressing in die Statistenrolle gezwungen. Die Dominanz des Sportclub verhinderte aber nicht, dass passierte, was in dieser Saison schon so oft passiert ist: Der Gegner erzielte ein Tor – überraschend und doch auch nicht. Ein Konter, in seiner Entstehung überflüssig und zu unterbinden, genügte den Gästen, um vorzulegen. Wobei die Bremer einen in ihren Reihen haben, der aus Wenig zuverlässig Viel macht: Claudio Pizarro. Zu sehr konzentrierte sich die Freiburger Defensive auf den Ball, dass der Peruaner unbemerkt einen Schleichweg in den Strafraum nehmen und Junuzovics Flanke direkt verwandeln konnte. SC-Keeper Oliver Baumann griff nicht beherzt zu – 0:1 (30.).

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"Bremen hat aus drei Chancen zwei Tore gemacht."

Christian Streich
Die Freiburger Einschätzungen über Pizarros Qualität schwankten später zwischen "europäischer Spitze" (Johannes Flum) und "Weltklasse" (SC-Coach Christian Streich). Einig waren sich alle darin, dass die individuellen Fähigkeiten des peruanischen Werder-Torjägers oft den Unterschied ausmachen. Sein zweiter Treffer kurz nach der Pause (47.) war ein im Grunde überflüssiger Beweis dafür gewesen.

Streich wollte allerdings nicht allein über Pizarro sprechen. Ihn interessierte vielmehr das defensive Versagen seiner Elf vor den Gegentoren. "Wenn man zweimal drei Meter falsch steht, dann kannst du nichts mehr machen. Nach dem Fehler ist gegen Pizarro nichts mehr zu machen", sagte Streich. Die Erinnerung daran lässt ihn innerlich verzweifeln und gleichzeitig brodeln, das ist ihm anzumerken. Im Bemühen um Beherrschung rutscht er unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Vor, zurück, links rechts. Streichs Augen funkeln angriffslustig, die Analyse droht zum emotionalen Ausbruch zu werden. Streich weiß das – und sucht rechtzeitig das Weite.

Deutliches Chancenplus für den SC Freiburg

Das Gute am Freiburger Spiel hat den Frust verstärkt. Schon vor dem 0:1 sei man drauf und dran gewesen, ein Tor zu erzwingen. Immerhin hatte sein Team zeitnah nachgeliefert, Makiadi nach einer Lumb-Ecke das 1:1 geköpft (32.). Dem neuerlichen Rückschlag nach Wiederanpfiff folgte abermals der Ausgleich – Jonathan Schmid traf zum 2:2 (70.). "Und dann", so Streich, "hatten wir wahnsinnig viel Druck auf dem Schläger." Dass sich Pavel Krmas verletzte und der SC die Schlussphase der Partie zu zehnt bestreiten musste, verhinderte das aus Streichs Sicht logische Ende: "Bei dem, was wir investiert haben, mussten wir dieses Spiel gewinnen."

Das Zusammenzählen der Torchancen auf beiden Seiten bestätigte Streich. Mit seiner Rechnung ("Bremen hat aus drei Chancen zwei Tore gemacht") lag er ungefähr richtig. Die Zahl der Freiburger Abschlussmöglichkeiten lag jedenfalls deutlich über der des Gegners. Nach Rosenthals scharfer Hereingabe stibitzte Affolter dem einschussbereiten Jendrisek in höchster Not den Ball quasi vom Fuß (18.). Makiadis Schuss flog knapp über das Werder-Tor (22.), Lumbs Versuch aus der Distanz landete am Lattenkreuz (25.). Im zweiten Spielabschnitt scheiterten Schmid (48.) und zweimal Reisinger (65./79.) am Bremer Nationaltorwart Tim Wiese. "Wenn man zweimal in Führung geht, wünscht man sich, dass die Mannschaft etwas ruhiger agiert", sagte Gästetrainer Thomas Schaaf. Eine Alleinschuld für die hektische Betriebsamkeit seiner Akteure wollte er diesen aber nicht geben. Vielmehr zeigte Schaaf lobend mit dem Finger auf die Kontrahenten: "Die Freiburger haben uns mit viel Mut immer wieder in Bedrängnis gebracht."

Pizarro im nächsten Spiel gesperrt

Als dann Klaus Allofs vor die Mikrofone trat, um seine Sicht der Dinge kundzutun, war zunächst nicht klar, wen er mit seinen Ausführungen meinte. "Man muss die richtigen Dinge machen, muss dran sein", forderte der Bremer Manager im Nachgang. Natürlich sprach er von den Seinen, es hätte aber auch um die Freiburger Defizite gehen können. In der Pause, verriet Christian Streich, habe er seine Akteure viermal darauf hingewiesen, im Bewachen der Konkurrenz aufmerksam zu sein, sich individualtaktisch richtig zu verhalten. Vergebens, auch wenn die Einsicht hinterher da war. "Vor dem Tor ist entscheidend, da muss man am Mann bleiben", sagte Johannes Flum. "Und wenn der Mann Pizarro heißt, schon zweimal."

Immerhin stellt sich für die Freiburger das "Problem" Pizarro in dieser Saison nicht mehr. Im Gegensatz zu den Bremern. Weil Pizarro die fünfte gelbe Karte sah, ist der Torgarant der Hanseaten im nächsten Spiel daheim gegen Hoffenheim gesperrt. Was tun? "Wir werden den Spielbetrieb nicht einstellen", versprach Klaus Allofs, wohl wissend, dass Werder ohne den Pizarro-Faktor an diesem Tag chancenlos gewesen wäre.
Statistik
Freiburg: Baumann, Sorg, Krmas, Höhn, Lumb, Flum, Makiadi, Schmid (74. D. Caligiuri), Rosenthal (62. Santini), Putsila (56. Reisinger), Jendrisek. Bremen: Wiese, Fritz, Affolter, Sokratis, Hartherz, Ignjovski, Junuzovic, Trybull (76. Schmitz), Ekici (63. Marin), Rosenberg, Pizarro. Schiedsrichter: Brych (München). Tore: 0:1 Pizarro (29.), 1:1 Makiadi (32.), 1:2 Pizarro (47.), 2:2 Schmid (70.). Zuschauer: 22 000. Gelbe Karten: Jendrisek (2), D. Caligiuri (2) / Pizarro (5), Ekici (2).

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Autor: René Kübler, aktualisiert um 21 Uhr