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30. Mai 2012
Interview
So blickt Trainer Pilipovic auf die Saison der SC-Frauen zurück
BZ-Interview mit Milorad Pilipovic, dem Trainer der Frauen-Mannschaft des SC Freiburg, über eine schwache Rückrunde, eine starke Liga und den Sparkurs beim Hamburger SV.
FREIBURG. Fünf Spiele in Folge verloren, fünf Spiele in Folge ohne Tor. Die Erstligafußballerinnen des SC Freiburg haben zum Saisonende Schwäche gezeigt. Dennoch bleiben sie erstklassig. Am Pfingstmontag beendeten sie ihre Aufstiegssaison auf Platz acht der Tabelle. Laetitia Obergföll wollte von SC-Trainer Milorad Pilipovic wissen, was am Ende der Saison los war, wie es weitergehen soll und wie sich der Frauenfußball in den vergangenen Jahren verändert hat.
BZ: Herr Pilipovic, Ihre Mannschaft hat die Saison auf dem achten Tabellenplatz beendet. Einen Großteil der Spielzeit waren Sie allerdings auf Platz fünf oder sechs. Sind Sie enttäuscht über das Ergebnis?Pilipovic: Nein, überhaupt nicht. Ich wusste die ganze Zeit, dass wir uns in einer Region bewegt haben, in die wir eigentlich nicht gehören. Deshalb habe ich auch in der besonders erfolgreichen Zeit versucht, den Ball flach zu halten und nicht so stark auf die Tabellensituation zu schauen. Als Aufsteiger haben wir eine sehr gute Hinrunde gespielt und ich bin auch mit dem Endergebnis sehr zufrieden. Schließlich hätte uns auch der Hamburger SV noch überholen können.
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BZ: Die letzten fünf Spiele in Folge hat der Sportclub verloren. Was ist schiefgelaufen?
Pilipovic: Einige unserer wichtigsten Spielerinnen sind langfristig ausgefallen (Hasret Kayikci (Kreuzbandriss), Lydia Miraoui (Schien- und Wadenbeinbruch), Essi Sainio (krank), Anm. d. Red.). Diese Verletzten konnten wir nicht einfach so ersetzen. Mit Blick auf die kommende Saison war es aber auch ganz gut, dass ich anderen Spielerinnen mal eine Chance geben und sie so testen konnte.
BZ: Sie hatten Glück, dass sie zu dem Zeitpunkt den Klassenerhalt schon so gut wie in der Tasche hatten.
Pilipovic: Ja, zum Glück war das so. Aber wir haben in der Hinrunde vor allem auswärts auch wirklich sehr guten und erfrischenden Fußball gespielt. Zuhause ist es uns dagegen in der ganzen Saison nicht gelungen, stabil zu spielen. Wenn der Gegner sich zurückzieht, haben wir große Probleme, Chancen zu erarbeiten und aufs Tor zu schießen.
BZ: In der ersten Frauenbundesliga dominieren seit langem Potsdam, Frankfurt und Duisburg. Aber es scheint, als seien diese Vereine nicht mehr so unschlagbar wie noch vor einigen Jahren. In dieser Saison ist Wolfsburg sogar Vizemeister geworden. Wird die Liga insgesamt stärker?
Pilipovic: Das ist so. Ich denke zum Beispiel, dass Bayern München sehr bald kommen und oben mitspielen wird. Das Problem im Frauenfußball ist, dass die beiden Aufsteiger meist nicht konkurrenzfähig sind und direkt wieder absteigen. Diese Regel haben wir gebrochen und dafür viel Lob von allen Seiten bekommen. Damit haben wir auch ein Fundament gelegt für die Zukunft.
BZ: Den HSV haben Sie vorhin schon angesprochen. Die Mannschaft hat als Neunter den Klassenerhalt geschafft. Der Verein hat dennoch entschieden, seine Frauenmannschaft aus der Bundesliga zurückzuziehen, um zu sparen. Können Sie sich vorstellen, dass so etwas auch beim SC passiert?
Pilipovic: Das weiß ich nicht, schließlich hätte ich so etwas auch nicht zu entscheiden. Aber was beim HSV passiert, ist schade für den Sport. Generell denke ich, wenn ein Verein sich für Frauenfußball entscheidet, dann muss er auch voll und ganz dahinterstehen.
BZ: Im Vorfeld der WM 2011 in Deutschland wurde viel über die Auswirkungen für den Frauenfußball gesprochen. Hat sich seither etwas verändert?
Pilipovic: Zum Spiel Potsdam gegen Absteiger Lok Leipzig kamen zuletzt immerhin 6500 Zuschauer, das ist schon beeindruckend. Optisch hat sich in den letzten 20 Jahren viel getan. Der Frauenfußball ist deutlich athletischer und ästhetischer geworden. Das heißt natürlich nicht, das er in den nächsten 100 Jahren den Stellenwert des Männerfußballs haben wird. Im Frauenfußball geht es allerdings wesentlich fairer zu als bei den Männern, sowohl in den Zweikämpfen als auch im Team und auch im Verhalten dem Schiedsrichter gegenüber. Da könnten sich die Männer mal etwas abschauen.
BZ: Sie haben die Mannschaft 2010 übernommen, vorher waren Sie als Trainer immer im Männerfußball beschäftigt. Werden Sie den Frauen weiterhin treu bleiben?
Pilipovic: Ich würde es sehr gerne, weil die Arbeit mit den Mädels einen Riesenspaß macht.
BZ: Was sind die Ziele für die nächste Saison?
Pilipovic: Das Team muss weiter stabilisiert werden. Dafür brauchen wir auch punktuell sportliche Verstärkung, vor allem, um die langfristig verletzten Spielerinnen zu ersetzen. Wir müssen Stein auf Stein setzen, damit wir weiterhin mit dem Abstieg nichts zu tun haben.
MILORAD PILIPOVIC
Der 54-Jährige trainiert die Bundesligamannschaft der Frauen des SC Freiburg seit der Saison 2010/2011. Der Serbe kam 1984 nach Deutschland und erzielte in seiner ersten Saison für den damaligen Zweitligisten SC Freiburg in 34 Spielen zehn Tore. In der darauffolgenden Saison wechselte er zum Karlsruher SC und stieg 1987 in die erste Bundesliga auf. Dort stand er in drei Jahren 56 Mal auf dem Platz. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere trainierte er die Oberligisten FC Villingen und danach den Bahlinger SC. Sein derzeitiger Vertrag beim SC Freiburg gilt noch für ein Jahr.
Autor: lo
Autor: lo



