Gemeinderat stimmt ab

So geht es weiter bei der Planung für das neue SC-Stadion

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Mi, 06. Juni 2018 um 20:42 Uhr

Freiburg

Der Gemeinderat soll am 26. Juni wichtige Beschlüsse zum SC-Stadion fällen – auch zur geänderten Streckenführung der Stadtbahn. Das Ergebnis der Prüfung der "Spiegelvariante" soll erst Ende Juni bekannt gegeben werden.

"Wir sind auf Kurs": Baubürgermeister Martin Haag hat am Mittwoch in einer Pressekonferenz unterstrichen, dass die Stadtverwaltung bei den Planungen für das neue Fußballstadion ihre Hausaufgaben gemacht habe. In der Gemeinderatssitzung am 26. Juni sollen wichtige Beschlüsse fallen, ehe am 24. Juli die Satzung des Bebauungsplans zur Abstimmung gestellt wird (Kommentar). Die Baugenehmigung soll im Herbst vorliegen, Baubeginn Anfang 2019 sein. Das Problem mit den Organtransportflügen an Spieltagen ist gelöst: Sie landen ohnehin nicht mehr in Freiburg.

Die Klagen

Über das Ergebnis der Prüfung der Spiegelvariante (siehe Infobox unten), bei der das Stadion 500 Meter nach Osten versetzt werden würde, will das Rathaus Ende dieses Monats Auskunft geben. Bislang hat es diese Variante abgelehnt. Ob Klagen den Baubeginn und somit die für Sommer 2020 anvisierte Stadioneinweihung verzögern könnten, ist schwer zu sagen. Dies hänge von der Qualität der Klage ab und ob das Verwaltungsgericht aufschiebende Wirkung (vorläufigen Rechtsschutz) zugunsten des Klägers beschließe, so Haag. Dann nämlich könnte mit dem Bau erst begonnen werden, wenn die Klage endgültig vor Gericht im Hauptsacheverfahren verhandelt wurde. Allerdings geschehe dies nur bei Klagen, bei denen der Kläger im Hauptverfahren Aussicht auf Erfolg habe, erklärte Finanzbürgermeister Stefan Breiter und bekräftigte: "Wir gehen nicht davon aus."

Die Organtransporte

Immer wieder wurde die Bedeutung des Flugplatzes für die Organflüge des Transplantationszentrums der Universitätsklinik hervorgehoben, die Rede war von rund 80 Starts und Landungen pro Jahr. Diese Zahl stimmt nicht. Robert Staible, Leiter des Amts für Projektentwicklung und Stadterneuerung, präsentierte andere Zahlen: Von 2015 bis 2017 gab es insgesamt nur 65 Organtransportflüge. In Gesprächen zwischen Rathaus, Deutscher Stiftung Organtransplantation (DSO) und Uniklinik stellte sich heraus, dass die DSO vom Flugplatz Freiburg ohnehin wenig angetan ist: "Sie fliegen hierher, aber sie machen es nicht gerne", sagte Staible. Die DSO bevorzuge Düsenjets – die aber können in Freiburg nicht landen. So wurde der Regelbetrieb für Organtransporte bereits im März komplett umgestellt, alle Flüge landen seitdem in Lahr oder Baden-Baden. Durch die schnelleren Flugzeuge soll der Transport insgesamt nicht länger dauern. Für den Katastrophenfall steht zudem der Flughafen Basel-Mulhouse zur Verfügung. Haag betonte, dass die Entscheidung für diese Lösung einvernehmlich und unabhängig vom Stadionbau gefallen sei. Für die Rettungshubschrauber werde es auch für die Flugsperrzeiten an Spieltagen von zwei Stunden vor bis zweieinhalb Stunden nach dem Spiel eine Lösung geben.

Die Stadtbahn

Am 26. Juni wird im Gemeinderat auch über die geänderte Streckenführung der Stadtbahn abgestimmt, sie soll westlich statt östlich der Madisonallee verlaufen – mit einer Haltestelle Stadion und der Endhaltestelle Messe an der Kreuzung Madisonallee/Hermann-Mitsch-Straße. Entsprechend der Änderungen gegenüber der mehr als zehn Jahre alten Planung des Trassenendstücks mussten die Zuschussanträge bei Bund und Land neu gestellt werden, so Frank Uekermann, Leiter des Garten- und Tiefbauamts. Mit dem Bau dieses letzten Abschnitts soll Anfang 2019 begonnen werden, fertig sein soll die Strecke im dritten Quartal 2020.

Die Kosten

Laut Finanzbürgermeister Breiter sind im aktuellen und im nächsten Doppelhaushalt insgesamt 36,8 Millionen Euro für Erschließung und Infrastruktur vorgesehen. Damit die Bauarbeiten für die neuen Straßen auf dem Stadionareal ausgeschrieben, vergeben und im September begonnen werden können, müssen im Etat sechs Millionen Euro ins Haushaltsjahr 2018 vorgezogen werden. Dies werde möglich, da Verpflichtungsermächtigungen aus anderen Projekten umgeschichtet werden (zwei Millionen Euro) und die Stadt laut Steuerschätzung vom Mai von Mehreinnahmen von vier Millionen Euro ausgehen kann.
Die Spiegelvariante
Flugschulbetreiber Udo Harter hat Mitte 2017 eine Alternative für den Standort des neuen SC-Stadions vorgelegt: Er will die Arena weg vom Wolfswinkel 500 Meter nach Osten ans Möbelhaus XXXLutz verschieben. Dafür sollen die Flugplatzgebäude samt Tower auf die andere Seite verlegt werden. Damit stünde das Stadion doppelt so weit weg von den Häusern der Mooswaldsiedlung – und auch nicht mehr in der Hauptwindrichtung der Start- und Landebahn. Laut Harter unterstützen alle Flugplatznutzer seine Idee. Rathaus und SC lehnen den Vorschlag ab. Er sei nicht umsetzbar.

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