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09. März 2012 10:35 Uhr

Wettskandal

Sperre: Alzenau-Keeper unter Manipulationsverdacht

Der größte Wettskandal des europäischen Fußballs erreicht den SC Freiburg: Der DFB sperrt den Torwart aus Alzenau, weil er vor dem Spiel beim SC Freiburg II über Manipulationen gesprochen haben soll.

Seit Jahren ermittelt die Bochumer Staatsanwaltschaft im Zockermilieu, systematische Spielmanipulation untersuchte die Behörde in mehr als 30 Partien: darunter auch ein Regionalligaspiel des SC Freiburg II.

Am 19. September 2009 setzte sich die zweite Mannschaft des Sportclubs mit 1:0 bei Aufsteiger Bayern Alzenau durch. Squipon Bektasi erzielte den Siegtreffer für den lange Zeit in Unterzahl spielenden SC – Daniel Williams (jetzt 1899 Hoffenheim) war bereits nach 19 Minuten des Feldes verwiesen worden.

Abgehörte Telefonate mit einem Wettbüro-Betreiber

Jene Umstände sind es freilich nicht, die die Bochumer Ermittler stutzig werden ließen, sondern vielmehr das Verhalten des damaligen Alzenauer Torhüters Elvir Smajlovic. Während keine SC-Spieler unter Verdacht stehen, soll sich Smajlovic in mehreren – abgehörten – Telefonaten gegenüber dem Betreiber eines Bielefelder Wettbüros mehr oder weniger unzweifelhaft über bestimmte Ergebnisse seiner Mannschaft ausgelassen haben. Smajlovic bestreitet dies bis heute. "Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie ein Spiel verschoben", sagt der 35-Jährige, "ich kann in den Spiegel schauen, ich bin unschuldig".

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Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sah das ein wenig anders und verurteilte den Torhüter zu einer einjährigen Sperre. Bis zum 18. Januar 2013 muss sich Smajlovic von Sportplätzen und Stadien fernhalten. Der Vorwurf: Verabredung zur Manipulation in drei Fällen. Neben dem Freiburg-Spiel sind die Partien der Alzenauer gegen den VfR Aalen sowie die Stuttgarter Kickers aus der Spielzeit 2009/10 betroffen. Smajlovics Mannschaft verlor auch diese Spiele – das Kuriose: Der Torhüter zählte dabei zu den stärksten Akteuren seiner Mannschaft. Gegen den Sportclub attestierte ihm der ehemalige Alzenauer Trainer Klaus Reusing sogar eine "sehr, sehr gute Leistung". Von der Verurteilung war er dementsprechend überrascht: "Jeder, der die Spiele gesehen hat, weiß, dass da gar nichts gelaufen sein kann."

Gesperrt wurde Smajlovic allerdings auch nicht dafür, das Spiel gegen den SC Freiburg II manipuliert zu haben – dies konnte ihm der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nie nachweisen. Aber: "Der Spieler hat Spielabsprachen zum Nachteil der eigenen Mannschaft getroffen", sagt Norbert Weise vom DFB-Kontrollausschuss. Bereits die Manipulationsabsprache ist im Sinne der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB sportstrafrechtlich relevant. "Er hat dies nicht zugegeben, hat aber Kontakte zu einer Person zugegeben, die vom Landgericht Bochum wegen Wettmanipulation verurteilt wurde", betont Weise.

Man habe sich nur allgemein über Fußball unterhalten, entgegnet Smajlovic. Geld sei ihm dabei nicht angeboten worden, eine mögliche Beeinflussung sei sehr subtil verlaufen: "Ich habe mir nichts dabei gedacht, das war auch schwierig zu erkennen." Smajlovic sagt, heute bereue er, die Telefonate nicht sogleich zur Anzeige gebracht zu haben. Die Sperre des DFB hat er akzeptiert. "Das war kein Schuldgeständnis, sondern eine Problemlösung", sagt der momentan vereinslose Torhüter. Die Sperre wollte er daher so schnell wie möglich hinter sich bringen. Dies sei besser, als ständig in Ungewissheit zu leben, mit nicht unerheblichen Anwaltskosten und der Belastung für seine Familie. "Wäre ich 20, hätte ich die Sperre sicher nicht akzeptiert", sagt Smajlovic.

Staatsanwaltschaft Bochum will sich nicht äußern

Nun will er die Fußballschuhe an den Nagel hängen und in das Trainergeschäft einstiegen. Smajlovic hofft, dass er sobald keine Post aus Bochum bekommen und "die ganze Sache in einem Jahr vergessen sein wird". Allerdings könnten ihm neben sportrechtlichen auch strafrechtliche Konsequenzen drohen; die Staatsanwaltschaft Bochum wollte sich dazu auf Nachfrage nicht äußern.

Seine ehemaligen Weggefährten lassen indes nichts auf den Torhüter kommen: Dennis Hartmann etwa hält Smajlovic für einen tadellosen Sportler: "Ich würde ihn von jeder Schuld freisprechen", sagt sein ehemaliger Mitspieler. Ähnlich äußert sich Klaus Reusing. Auf den ehrgeizigen Torhüter sei hinter der Alzenauer Abwehr schließlich immer Verlass gewesen. "Ohne ihn wäre der Verein damals auch nicht aufgestiegen, er hat einen großen Anteil am Erfolg", sagt der Trainer.

Reusing denkt kurz nach und lächelt. Ja, eine Sache sei ihm aber dennoch aufgefallen: Elvir Smajlovic habe schon immer recht viel telefoniert.

Autor: Steffen Schneider