Der SC-Trainer und seine Ehrungen

STANDPUNKT: Der authentische "Streich des Jahres"

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

So, 31. Dezember 2017

SC Freiburg

Was Christian Streich, der Trainer des SC Freiburg, nicht alles ist: "Bücherfreund des Jahres" – für den baden-württembergischen Buchhandel, "Mann des Jahres" – für das Sportmagazin kicker . Das suggeriert neben herausragenden sportlichen Leistungen eine große Belesenheit und, so die Blattmacher aus Nürnberg, die Fähigkeit zur "fundierten Gesellschaftskritik".

So viel Ehr’ kann auch erdrücken. Zwischen Bodensee und Taubertal lesen zahlreiche Menschen mehr und Anspruchsvolleres als der Fußball-Lehrer aus Freiburg, von dem zudem gesellschaftspolitisch kaum ein Zitat bekannt ist, das sich über die Leitplanken linksgrüner Freiburger Dogmatik hinauswagt.

Um rasch vor den gewürdigten den echten Christian Streich treten zu lassen, sei behauptet, dass er zu den Menschen gehört, die eine Laudatio nicht aushalten, weil der Blick in die eigene Seele ihnen eine andere Person als die öffentlich geehrte offenbart.

Als Streich von den kicker - Redakteuren aufgezählt bekam, wen sie alles schon als "Männer des Jahres" gekürt hatten, sagte er spontan: "Wenn Sie mir diese Namen vorlesen, wird mir ganz . . . Zum Glück haben Sie aufgehört."

Das schlechte Gewissen beim Eintritt in die mediale Scheinwelt verrät mehr über die moralische Integrität des Freiburger Trainers als jedes politisch korrekte Statement. Wer zu Recht behauptet, Gespräche und Interviews mit Streich sind ein besonderes Erlebnis, kann sich kaum auf dessen originelle Aussagen zur Steuer- oder Flüchtlingspolitik berufen, denn Gleiches ist überall zu vernehmen.

Besonders an Streich ist vielmehr, wie sehr ihn das grelle Rampenlicht der Öffentlichkeit blendet, und das gleichzeitige Geständnis, öffentliches Lob schmeichle ihm.

Im "Profi-Fußball-Zirkus" kämpft der Freiburger Trainer nicht nur um Punkte und Erfolge, sondern auch darum, bleiben zu dürfen, wie er ist, und nicht sein zu müssen, wie es der öffentliche Imperativ fordert. Die Ehrung zum "Mann des Jahres" konterte er mit dem Satz: "Wenn Sie mich aber privat kennen und jeden Tag mit mir zusammenleben würden, würde ich wahrscheinlich keine Auszeichnung kriegen." Chapeau: Das ist fürwahr der authentische "Streich des Jahres".