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11. Februar 2012

Unheilvolle Mischung

Der Sportclub Freiburg verliert beim VfL Wolfsburg mit 2:3.

  1. SC-Spieler Daniel Caligiuri (links), hier im Zweikampf mit Marco Russ, konnte sich oft durchsetzen. Foto: michael heuberger

WOLFSBURG. Der SC Freiburg hat erneut die Chance verpasst, wichtige Punkte im Abstiegskampf zu sammeln. Beim VfL Wolfsburg unterlag der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga gestern Abend 2:3 (2:2).

Normalerweise sind die Profis des SC Freiburg bis ins kleinste Detail auf den Gegner vorbereitet. Nach intensiven Spielbeobachtungen kann die Konkurrenz so gut wie nichts vor den Breisgauern verheimlichen. Beim VfL Wolfsburg ist es jedoch nichts so einfach mit der Informationsbeschaffung. Was nicht daran liegt, dass es bei den Niedersachsen geheimer zugeht als anderswo. Sie haben nur einen, der gerne Verwirrung stiftet. Nicht bewusst, sondern einfach weil es zu seinem Arbeitsstil gehört. Felix Magath ist der berüchtigtste Personalaustauscher der Bundesliga. Nicht nur, weil er während Transferperioden enorm aktiv ist – zuletzt verpflichtete der VfL-Coach acht neue Spieler. Magath hat auch keinerlei Probleme, seine Startelf von Spiel zu Spiel durcheinander zu wirbeln. Wer im Verlauf der Woche nicht nach dem Geschmack des dominanten Chefs trainiert hat, findet sich schnell auf Ersatzbank oder gar Tribüne. Deswegen musste Christian Streich, Magaths Freiburger Gegenüber, vor der Partie einräumen: "Wir wissen nicht so genau, wie Wolfsburg spielt."

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Es sollte sich recht schnell zeigen, dass die Gastgeber nicht sonderlich beeindruckend spielten. Es lag jedenfalls nicht an der Wolfsburger Spielkultur, dass die Freiburger schnell zurücklagen – und das gleich zweimal. Es war vielmehr erneut die unheilvolle Mischung aus unerträglicher Schlafmützigkeit des SC in der Anfangsphase und einer Fehlentscheidung des Schiedsrichtergespanns. Wie freistehend Jiracek in der 5. Minute nach einem Eckball zum 1:0 einschießen durfte, war nicht zu glauben. Sollte es – wovon auszugehen ist – eine Zuteilung bei Standards des VfL gegeben haben, in diesem Moment hatte zumindest ein SC-Akteur seinen Bewachungsauftrag vergessen.

Immerhin reagierten die Gäste auf den Rückschlag ebenso zuverlässig engagiert wie sie zuvor defensiv versagten. Bereits in der 11. Minute glich Johannes Flum aus. Weil die Unparteiischen dann aber eine doppelte Abseitsstellung übersahen, durfte Schäfer zum 2:1 abstauben (14.). Wieder mussten die Südbadener etwas entgegnen – und taten es: Der äußerst aktive Daniel Caligiuri zirkelte den Ball zum 2:2 in die Maschen (38.). Danach schien der Sportclub endgültig die Kurve zu kriegen, agierte ballsicherer und druckvoller als die Wolfsburger. Allerdings hatte die Elf von Christian Streich auf den Außenpositionen in der Viererabwehrkette weiter Probleme, besonders Michael Lumb wurde das eine oder andere Mal überlaufen. Kurz vor der Pause konnten seine Kollegen nur mit großer Mühe den erneuten Rückstand vermeiden.

"Wir wissen nicht so genau, wie Wolfsburg spielt."

SC-Trainer Christian Streich
Dem neuformierten und dadurch noch unharmonischen Magath-Team blieb die individuelle Klasse. Speziell der athletische Neuzugang Giovanni Sio hatte einige gute Aktionen. Nach Wiederanpfiff setzte sich der Angreifer gegen drei Kontrahenten durch, SC-Schlussmann Oliver Baumann wehrte Sios Schuss aufmerksam ab (53.). Die Freiburger verpassten derweil erneut ihren Einsatz. Durch ihre Passivität ermöglichten sie den engagierten "Wölfen" die Spielkontrolle – und das 3:2. Wieder hatte sich Jiracek der Bewachung entzogen, sein abgefälschter Schuss senkte sich hinter Baumann ins Tor (61.).

Der Sportclub benötigte ein drittes Comeback in diesem Spiel. Doch mit zunehmender Dauer schwanden die Kräfte, das Unterfangen wurde von Minute zu Minute aussichtsloser. Die Wolfsburger waren auch weiterhin kein übermächtiger Gegner. Das mussten sie nun aber auch nicht mehr sein. Einigermaßen solides Verteidigen genügte, um den Gegner in Schach zu halten. Caligiuri bot sich zwar noch eine gute Gelegenheit (78.), diesmal bekam er aber keinen vernünftigen Abschluss mehr hin. Und Makiadis Schuss von halbrechts wurde von der VfL-Abwehr geblockt. Die Punkte waren weg.

Was den Freiburgern blieb, waren zwei Erkenntnisse: Im Offensivspiel haben sie sich verbessert, sind in der Lage, auf Schwächen ihrer Kontrahenten zu reagieren und diese in Bedrängnis zu bringen. Defensiv arbeitet der SC im Kollektiv mittlerweile ganz ordentlich, macht sich gute Ansätze aber immer wieder durch individuelles Fehlverhalten kaputt.

Gegen mäßige Wolfsburger waren die Freiburger trotzdem konkurrenzfähig. Doch am nächsten Samstag (18.30 Uhr) kommt der deutsche Rekordmeister FC Bayern München.

Wolfsburg: Benaglio, Träsch, Russ, Felipe Lopes, Rodriguez, Josué (46. Hasebe), Jiracek, Dejagah (73. P. Ochs), M. Schäfer, Mandzukic, Sio (62. Polter). Freiburg: Baumann, Sorg, Diagne, Höhn, Lumb (79. Freis), Flum, Makiadi, Schmid (62. Rosenthal), D. Caligiuri, Jendrisek, Santini (65. Reisinger). Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg). Tore: 1:0 Jiracek (5.), 1:1 Flum (11.), 2:1 M. Schäfer (14.), 2:2 D. Caligiuri (38.), 3:2 Jiracek (61.). Zuschauer: 23 000. Gelbe Karten: Dejagah (4), Rodriguez / Freis.

Autor: René Kübler