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07. Februar 2010 12:37 Uhr
Rund ums Stadion
Von Kröten und Menschen: Erster Test für das neue SC-Verkehrskonzept
Die neue Regelung des Verkehrs rund ums Stadion funktioniert – sagt die Polizei nach dem Heimspiel des SC gegen Schalke. Anwohner und Naturschützer sehen das anders.
Gisela Friederich steht im fliederfarbenen Anorak am Bahnübergang an der Ecke Möslestraße/Waldseestraße und macht für jedes Auto, das über die westliche Waldseestraße Richtung Stadion fährt, einen Strich auf einem Zettel. Eine Dreiviertelstunde vor Spielbeginn sind es 43 Striche. "Viel zu wenig, um eine Öffnung der Straße für den Verkehr zu rechtfertigen", findet Friederich.
Ihr Mann Karl-Ernst Friederich, der in seiner Funktion als Vorsitzender des Bürgervereins Oberwiehre-Waldsee das neue Verkehrskonzept bereits als "völlig überzogenen Schnellschuss" scharf kritisiert hatte, nickt zustimmend: "Die Gefahr für Familien, die dort mit ihren Kindern spazieren gehen, Radfahrer oder Jogger ist aber auch trotz weniger Autos gegeben, denn im Normalfall rechnet man ja nicht mit Autos auf der Waldseestraße."
Die Beobachtungen der Friederichs bestätigt Gabriel Winterer, Chef des Polizeireviers Freiburg-Süd, der den Einsatz am Samstag leitete. "Die Waldseestraße ist in der Vorspielphase nur ganz schwach genutzt worden, aber es kommt ja darauf an, das Straßennetz insgesamt auszunutzen, um größere Probleme zu vermeiden", so Winterer. Genau das habe wunderbar funktioniert, weder vor noch nach dem Spiel sei es zu nennenswerten Verkehrsstörungen gekommen.
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"Der Fairness halber muss man aber sagen, dass die Situation trotz ebenfalls ausverkauftem Stadion nicht wirklich vergleichbar war mit der vor zwei Wochen", räumt Winterer ein. Damals haben Winterwetter und Freitagabendverkehr für einen Verkehrsinfarkt gesorgt, vom Stadion bis zur Autobahnausfahrt Mitte ging nichts mehr.
Dass die ankommenden Fußballfans am Samstag direkt in Richtung Parkhaus der Pädagogischen Hochschule gelotst wurden, hat sich gelohnt: "Das Parkhaus war so gut wie voll", sagt Winterer zufrieden und verweist auf das knappe Dutzend Autos, das hier bisher bei SC-Heimspielen parkte, während ein Großteil der Spielbesucher zum Ärger der Anwohner das wilde Parken in den Wohngebieten rund ums Stadion favorisierte.
Eine gute Stunde nach dem Spiel kann Kuno Morat Feierabend machen. Der Polizist hat den Verkehr an der Ecke Möslestraße / Waldseestraße geregelt und die Fußballfans auf die westliche Waldseestraße geleitet. Die ist in dieser Richtung bereits seit dem Sommer stundenweise nach dem Abpfiff geöffnet. "Die meisten wissen das inzwischen, die Strecke wird immer besser angenommen", erzählt Morat, während die Autos sich an ihm vorbeischlängeln. Kein Gehupe, kein Stau.
Als die Schalker Fanbusse samt Polizeieskorte auf die Waldseestraße einbiegen, wird das Naherholungsgebiet kurz in flackerndes Blau getaucht und einige Spätjogger schauen irritiert. Dann schiebt sich die Autoschlange wieder zügig über die Strecke, 45 Minuten nach dem Spiel ist der größte Andrang vorbei, besondere Vorkommnisse gab es nicht.
"Wenn es so läuft, ist das natürlich auch für die Anwohner die weitaus angenehmere Variante", sagt Einsatzleiter Winterer. Kristin Hunger, die in der Türkenlouisstraße wohnt und mit ihren zwei und vier Jahre alten Töchtern gern die Waldseestraße zum Spazierengehen nutzt, sieht das nicht ganz so. "Das hier ist für uns per se eine gefahrenfreie Zone. Sich selbst und die Kinder daran zu gewöhnen, dass hier zu unregelmäßigen Zeiten eben doch Autos fahren, mal in die eine Richtung, mal in die andere, finde ich schwierig", sagt die junge Mutter.
Rund 400 Fahrzeuge, schätzt die Polizei, nehmen nach dem Spiel den Weg über die Waldseestraße. Das sind Dirk Niethammer genau 400 zu viel. "Mit diesem Verkehrskonzept nehmen Stadt und Polizei keinerlei Rücksicht auf den Artenschutz", sagt der Vorsitzende des Naturschutzbundes Freiburg (Nabu). Es sei kein Schutz der im Waldsee heimischen Amphibien mehr möglich, der Autoverkehr "Stoßstange an Stoßstange" bedeute für Kröten, Frösche, Molche und Lurche Lebensgefahr.
Niethammer wirft der Stadt vor, sich weder mit dem ebenfalls im Artenschutz engagierten Bürgerverein noch dem Nabu abgestimmt zu haben. Selbst die städtische Naturschutzbehörde habe von dem neuen Verkehrskonzept erst aus der Presse erfahren. "So ein Alleingang kann einfach nicht sein, hier leben zum Teil geschützte Arten, da ist die Stadt auch rechtlich in der Pflicht", sagt Niethammer.
Argumente, die die Stadt nicht gelten lässt – noch nicht. "Wir haben mehrfach darauf hingewiesen, dass dies nur ein Probelauf ist", sagt Rathaussprecherin Edith Lamersdorf. Eine Pflicht zur Einbeziehung der Naturschutzbehörde habe bisher nicht bestanden. "Wenn es an die Auswertung des Versuchs geht und darum, ob das neue Konzept weiter angewandt wird, müssen und werden wir natürlich auch den Artenschutz bedenken und mit den entsprechenden Behörden abklären", so Lamersdorf.
Verärgerte Anwohner, gefährdete Kröten, Verkehrsinfarkte – eine Passantin, die Kuno Morat halb erstaunt, halb amüsiert beim Regeln an der Waldseestraße zuschaut, sieht’s pragmatisch: "Der SC steigt eh bald ab, dann ist hier wieder weniger los."
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Autor: Claudia Füßler
