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18. Dezember 2008 13:48 Uhr

Zuschauerzahlen der Hinrunde

Weniger Fans wollen den SC Freiburg sehen

Verglichen mit der Vorrunde der vergangenen Saison sind die Zuschauerzahlen beim SC Freiburg rückläufig, dennoch gibt sich der Klub zufrieden.

Nein, von einem Zuschauerschwund will Heinrich Breit nichts wissen. Gar nichts. Im Gegenteil. Der Schatzmeister des SC Freiburg kann der Entwicklung der vergangenen Monate sogar eine positive Seite abgewinnen – und das, obschon in der abgelaufenen Vorrunde rund 20 000 Personen (siehe Grafik) weniger die Eingangstore des Badenova-Stadions passierten als noch in der Spielzeit davor. Bei jeweils acht Heimspielen wohlgemerkt.

So spürbar der Rückgang auch sein mag, geschockt oder alarmiert sind die SC-Verantwortlichen keineswegs. Denn sie vergleichen die Zahlen nicht nur mit dem Vorjahr, sie blicken auch auf die davor liegenden Spielzeiten zurück. Und das beruhigt sie dann schon wieder. Denn gegenüber den Spielzeiten 2005/06 und 2006/07 nimmt das Interesse an der sportlichen Betätigung im Badenova-Stadion wieder zu – wenngleich nicht gerade rasant.

Der Blick weiter zurück ist vielleicht auch deshalb interessant, weil er einer in eine andere Ära ist. Damals agierte noch Volker Finke als Cheftrainer, der im Sommer 2007 nach 16 Jahren seinen Stuhl zu räumen hatte. Und verglichen mit den beiden letzten Zweitliga-Spielzeiten von Finke, hat der Sportclub wieder an Interesse gewonnen. Dutts Elf zog in dessen erster Vorrunde 07/08 rund 3000 Personen pro Spiel mehr an als in den beiden Spielzeiten zuvor die jeweils nur knapp am Aufstieg gescheiterte Finke-Elf. Ein Stück weit Neugierde und Lust aufs Neue vermutlich.

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Aktuell hat der Zuspruch pro Partie jedoch gelitten. Etwa 2600 Zuschauer weniger pro Spiel besuchten im Schnitt die acht Heimpartien des Sportclubs im Vergleich zur Vorsaison. Doch der Schnitt (14.908 Besucher) liegt trotzdem über dem der letzten beiden Finke-Jahre (14 .356 beziehungsweise 14 .347). Und das, obschon der Dauerkartenverkauf beim Sportclub in den letzten vier Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist.

Der Trend geht zum Einzelticket

Dass in den zurückliegenden Jahren immer mehr Einzeltickets verkauft wurden, findet Breit mit einem Blick aufs Vereinskonto gar nicht sonderlich tragisch. Zwar bilden die Dauerkartenkäufer ein verlässliches Polster, der Ertrag beim Einzel-Ticket ist jedoch größer. Immerhin ist eine Einzelkarte, je nach Kategorie, im Schnitt um 15 Prozent teurer als der einer Dauerkarte entsprechend kalkulierte Preis.

Rund 1,4 Millionen Euro netto (1,7 in der Vorsaison) hat der SC Freiburg in dieser Vorrunde an Zuschauereinnahmen generiert, das sind etwa 175.000 Euro pro Spiel oder etwas mehr als 11,5 Euro pro Zuschauer. Das sind zwar keine Reichtümer, Heinrich Breit ist jedoch nicht unzufrieden. Zwei Mal nämlich hatten die Breisgauer an einem Montag zu Hause anzutreten, im September gegen Hansa Rostock (14 .926 Besucher) und im November gegen den St. Pauli (15.896), und schon fast traditionell steht der Montagabend einem sehr großen Zuschauerandrang eher entgegen. Und dass mit Ausnahme von Mainz 05 in der Rückrunde noch alle Top-Teams nach Freiburg reisen müssen, lässt die Verantwortlichen an der Schwarzwaldstraße – was die Zuschauerzahlen anbelangt – eher hoffnungsfroh in die Zukunft blicken.

Letztmals vor einem Jahr ausverkauft

Ganz genau 23 941 Plätze hat das Stadion im Freiburger Osten derzeit, das Breits Unterlagen zufolge letztmals am 10. Dezember 2007 ausverkauft war. Mit 98,7 Prozent verkaufter Karten statistisch jedenfalls. Mit Borussia Mönchengladbach war damals eine für Zweitligaverhältnisse extrem zuschauerträchtige Mannschaft zu Gast.

Das bestbesuchte Heimspiel in dieser Vorrunde war die Partie am 3. Oktober gegen den MSV Duisburg, die 18.769 Personen sahen, gefolgt vom Spiel gegen Mainz mit 18.453 Zuschauern. Nur etwas mehr als 11.000 Personen kamen gegen Wehen, Koblenz und zuletzt Oberhausen.

Koblenz ist nicht Bayern München

Dass der Verkauf der Dauerkarten rückläufig ist, hat wohl auch damit zu tun, dass der SC nicht mehr in der ersten Liga spielt. Damals wurden bis zu 16 000 Saisontickets an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht. Eine solche Karte war damals eine Art Währung in Freiburg. In den jeweils nur eine Saison dauernden zwei Zweitligaspielzeiten (1997/98 beziehungsweise 2002/03) dazwischen, wurden immer noch rund 15.000 solcher Tickets veräußert – die Fans hatten noch immer die Aussicht auf die Top-Klubs und hofften, diese bald wieder im Breisgau zu sehen. Jetzt jedoch spielt der SC schon im vierten Jahr in Folge in Liga zwei. Die Kaufzurückhaltung ist deshalb für Breit nachvollziehbar, der sagt: "Es gibt halt auch Leute, die nur die ganz Großen wie Bayern München und Schalke 04 sehen wollen." Mit Wehen und Koblenz ist das dicke Geschäft normalerweise eben nicht zu machen.

Es sei denn, diese Gäste reisen dann an, wenn schlagzeilenträchtige Konstellationen herrschen. Am letzten Spieltag der Vorsaison, als der Sportclub mit ein bisschen Dusel noch aufsteigen hätte können, zog Wehen rund 20.300 Besucher ins Stadion an der Dreisam. Und am 20. Mai 2007 kamen gegen Koblenz rund 24.000 Zuschauer. Emotion pur: Auch damals ging’s um den Aufstieg – und Volker Finke hatte letztmals das Sagen.

Autor: Michael Dörfler