Freiburg

Wie der Bürgerentscheid den SC Freiburg verändert hat

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Di, 03. Februar 2015 um 00:00 Uhr

SC Freiburg

"Der wichtigste Sieg der letzten 20 Jahre": Der Bürgerentscheid über die Stadionfrage hat den Sportclub Freiburg verändert – denn er hat die SCler noch mehr zusammengeschweißt.

FREIBURG. Der Discjockey der Passage 46 spielte den Stadionsong sicher an die zehn Mal – stets zur neuen Begeisterung der Gäste auf der Tanzfläche: "SC Freiburg immer wieder vor." Mit einer rauschenden Party im Theater Freiburg feierte der Klub bis weit nach Mitternacht sein Sechs-Punkte-Wochenende. Erst am Samstag das emotionale 4:1 gegen Eintracht Frankfurt, dann am Sonntag das ebenfalls überraschend deutliche 58:42 beim Bürgerentscheid. "Das war der wichtigste Sieg der letzten 20 Jahre", schnaufte Präsident Fritz Keller durch.

Es war in der Passage 46 zu sehen: Der Bürgerentscheid hat den Verein verändert, weil die Wahl die SCler noch mehr zusammengeschweißt hat. Dabei ist es für den Freiburger Erstligisten kein leichter Einsatz auf politischem Terrain gewesen. Ein Bürgerentscheid polarisiert immer. "Wir haben auch Federn gelassen und es hat uns draußen sicher ein paar Sympathiepunkte gekostet", bedauert der SC-Boss. Er macht keinen Hehl daraus, dass es ihm lieber gewesen wäre, der Gemeinderat hätte die Entscheidung getroffen: "Ich bin ein Fan der repräsentativen Demokratie", sagt Fritz Keller.

Aber dann stürzten sich die SCler doch mit Verve in den Wettstreit um die Wählerstimmen. Alle wussten: Wahlen an sich sind schon unberechenbar – und für Wahlen in Freiburg gilt dies erst recht. Der Präsident ging voran, diskutierte quasi täglich an Ständen in diversen Stadtteilen mit den Bürgern. In der vergangenen Woche wurden sogar an drei Tagen Profikicker als Wahlkämpfer eingewechselt. Ähnliches dürfte es im deutschen Fußball noch nicht oft gegeben haben. Auch SC-Kapitän Julian Schuster warb am Freiburger Bertoldsbrunnen fürs Stadion: Der Bürgerentscheid sei schon ein Thema in der Mannschaft gewesen, sagt er: "Nicht als Druck, der auf uns lastet, sondern positiv: Du weißt, dass der Verein eine wichtige Entscheidung für die Zukunft getroffen hat und die Bürger hierüber abstimmen." Natürlich habe man darüber im Freundeskreis oder im Kindergarten gesprochen.

Fast jeder Mitarbeiter des SC hatte irgendwelche Jobs im Wahlkampf übernommen. Die Strategie des Klubs war: Auch wenn man ausnahmsweise einmal als Goliath in eine Partie ging, wollte man der sympathischere Wahlkämpfer sein. Auch die Fans zogen mit: "Es hat den SC immer ausgezeichnet, dass wir in Extremsituationen eine Einheit waren", freut sich Marc Schmid, Vorsitzender der Fangemeinschaft der SC-Fanklubs. Vor allem Fritz Keller und seinen Kollege hätten einen "herausragenden Job" gemacht, findet er. Auch die Ultras unterstützten von Anfang an das Projekt "Neues Stadion" – und hatten nicht zuletzt am Samstag die aufwändige Choreographie vorbereitet. "Jeder hat jetzt gesehen, dass es uns um den Verein geht", sagt Marius Kanzinger von der Ultra-Gruppierung Corrillo. Man will im Gespräch bleiben, wenn es um die weitere Planung fürs Stadion und die Vorstellung der Fans geht.

Und dann ist da noch die Geschichte von Vladimir Darida. Der SC-Profi war als tschechischer EU-Bürger wahlberechtigt, hatte aber keine Wahlbenachrichtigung bekommen. Er setzte Himmel und Hölle in Bewegung, damit er doch noch wählen konnte. Und so kam der SC auch noch zu der Stimme seiner Nummer sieben.