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13. Oktober 2017

Tobias Kunz wird zum Rekord-Wolf

Mit gerade einmal 28 Jahren avanciert der flinke Außenstürmer am Freitag zum EHC-Spieler mit den meisten Einsätzen.

  1. Einmal EHC, immer EHC – Publikumsliebling Tobias Kunz Foto: Keller

  2. Vor seinem 551. Einsatz bei den Wölfen: Tobias Kunz Foto: Seeger

EISHOCKEY. Einmal Freiburger, immer Freiburger – das könnte man meinen, wenn man den Blick auf EHC-Stürmer Tobias Kunz richtet. Im verhältnismäßig zarten Sportleralter von 28 Jahren zieht der Torjäger am bisherigen Wölfe-Rekordspieler Ravil Khaidarov vorbei. Am heutigen Freitagabend bestreitet Kunz gegen Kassel sein sage und schreibe 551. Spiel im Dress der Breisgauer. Damit ist er alleiniger Rekordhalter in der 33-jährigen Vereinsgeschichte.

Es ist eine Langzeitbeziehung, wie es sie im Profisport wohl nur ganz selten gibt: Tobias Kunz und der EHC Freiburg. Der 28-Jährige mit dem jugendlichen Erscheinungsbild kann mit Fug und Recht als Aushängeschild des Vereins bezeichnet werden. Kunz ist nicht nur Identifikationsfigur, er ist Publikumsliebling im Breisgau. Die Zahl der Spiele, die er bislang für seinen Verein bestritten hat – "schon der Wahnsinn", findet der Mann mit der Rückennummer 22.

Bereits in der zurückliegenden Spielzeit hatte Kunz auf sich aufmerksam gemacht, als er die magische Marke von 500 Spielen für seinen Heimatklub knackte. Seit seiner Kindheit schnürt er in der Franz-Siegel-Halle die Schlittschuhe, erlernte in Freiburg das Eishockeyspiel und jagt seither – abgesehen von zwei Förderlizenz-Einsätzen beim damaligen DEL-Klub Frankfurt Lions – einzig für die Wölfe dem Puck nach.

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Als treffsicherer Angreifer sorgt er seit dem Jahr 2007 für Tore und Assists in der ersten Mannschaft. Er war beim wirtschaftlichen Absturz in die Regionalliga dabei und begleitete das Wolfsrudel beim Wiederaufstieg über die Oberliga, bis zurück in die zweithöchste deutsche Spielklasse. Nun knackt er die nächste Schallmauer. Am Wochenende wird Kunz zum alleinigen Rekordspieler im EHC-Trikot. Am Freitagabend tritt das Wolfsrudel bei den Kassel Huskies an – für Kunz wird es der 551. Einsatz sein. Damit überholt er Wölfe-Legende Ravil Khaidarov, der mit 550 Einsätzen bis dato der vereinstreueste EHC-Akteur war. "Früher habe ich Khaidarov noch zugesehen und ihn bewundert. Ihn heute als Rekordspieler abzulösen ist schon verrückt", meint Kunz. "Er war damals Vorbild, heute stehe ich selbst da unten auf dem Eis."

Auch Trainer Leos Sulak schätzt seinen konstantesten Schützling für dessen Qualitäten auf wie abseits des Eises und zögerte nie lange, seinen Vertrag zu verlängern. "Der Tobi ist Freiburg", so das knappe, aber vielsagende Lob des Trainers. "Und dass er ein klasse Eishockeyspieler ist, das kann jeder sehen."

Noch nie hat Kunz für einen anderen Klub gespielt. Und solange dieser seine Dienste schätze, plane er nicht, sich einem anderen Verein anzuschließen. Kein Wunder: Von Beruf ist Kunz nicht nur Eishockeyprofi, sondern auch darüber hinaus fest im Breisgau verankert. Abseits des Eises arbeitet er bei der Freiburger Verkehrs AG in der Marketingabteilung der Schauinslandbahn. "Hier passt alles und mein Arbeitgeber ist sehr kulant", versichert er. "Für Training und Spiele darf ich frei nehmen, damit ich mich voll auf den Sport konzentrieren kann." Konzentration ist ohnehin das A und O bei der Nummer 22. So wird Kunz während seines Jubiläumsspiels nur wenig übrig haben für den Hype um seine Person. "Als Spieler bist du da im Tunnel."

Gemeinsam mit Chris Billich und Niko Linsenmaier, der seinen Vertrag auf Zeit bei den Wölfen zuletzt um weitere vier Wochen verlängert hatte, bildet Kunz die gefährlichste EHC-Sturmreihe. Drei Tore und vier Vorlagen konnte das flinke und technisch versierte Leichtgewicht (72 Kilogramm auf 1,80 Meter) im bisherigen Saisonverlauf beisteuern. Highlight war der entscheidende Treffer beim 4:3-Heimerfolg der Wölfe über die Ravensburg Towerstars im Penaltyschießen, als Kunz den gegnerischen Torhüter aussteigen ließ und die Scheibe versenkte.

Gleichzeitig wird das kommende Wochenende ein schwieriges, wenn es gegen die Topklubs aus Kassel und Frankfurt zu bestehen gilt – zumal der EHC noch keinen einzigen Auswärtspunkt ergattern konnte. Und auch bei Kunz läuft noch nicht alles rund in dieser Saison – doch der Stürmer steigert sich mit jedem Spiel und kann sich einer Sache sicher sein: Die Fans stehen hinter ihrem Marathon-Wolf – und wann immer der Stadionsprecher den Namen "Tobi" ausruft, so antwortet die ganze Halle aus voller Kehle "Kunz!"

Autor: Benjamin Resetz