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14. November 2017 00:01 Uhr

Nationalelf

Toni Kroos ist bei Bundestrainer Löw gesetzt

Im letzten Länderspiel des Jahres trifft die deutsche Nationalmannschaft in Köln auf Frankreich. Auch wenn Bundestrainer Löw den 27-jährigen Kroos einmal schont, hat er seinen Platz im WM-Kader.

  1. Unumstrittene Stammkraft: Toni Kroos, hier bei der EM 2016 Foto: DPA

Warum der 11.11. in Köln ein besonderer Tag ist (Karneval), muss man an dieser Stelle nicht genauer ausführen. Wer in der Domstadt lebt oder eine besondere Beziehung zu ihr pflegt, verpasst die entsprechenden Festivitäten in der Regel nur ungern. Toni Kroos hält sich – sofern er nicht bei seinem Arbeitgeber Real Madrid weilt – gerne in Köln auf. Nach seinem Abschied aus Deutschland hat er sich dort einen Zweitwohnsitz zugelegt. Das Länderspiel an diesem Dienstag gegen Frankreich (20.45 Uhr/ARD) wäre nun die ideale Gelegenheit gewesen, im Vorfeld ein bisschen reinzuschnuppern in das bunte Treiben. Doch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft verlängerte stattdessen lieber ihren London-Trip um einen Tag und reiste erst am 12.11. an. Kroos kann es verschmerzen. "Da wir uns ja aus fußballerischen Gründen treffen, war es vielleicht ganz gut, am 11.11. nicht in Köln zu sein", sagt der 27-Jährige – und schmunzelt.

Was anderes hätte man von Kroos auch nicht erwartet. Ohne eine hochprofessionelle Einstellung zu seinem Beruf hätte der gebürtige Greifswalder wohl kaum eine derartige Weltkarriere hinlegen können. Er hätte auch beim Test in England (0:0) gerne mitgewirkt, wie zu hören war. Doch Joachim Löw, der Bundestrainer, zog es vor, seinen noch leicht angeschlagenen Mittelfeldstrategen zu schonen. Und so verfolgte Kroos das Geschehen in Wembley von der Tribüne aus. "Es war mal eine ganz interessante Perspektive", berichtet er. Eine, in deren Genuss er in absehbarer Zukunft aber kaum mehr kommen dürfte. Kroos zählt zu den wenigen Akteuren im deutschen Kader, der nicht nur seinen Platz im Kader für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr sicher hat, sondern der auch unumstrittene Stammkraft ist.

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Das Gerangel der anderen um die WM-Teilnahme kann Kroos gelassen verfolgen. Und er weiß um die Chancen, die der entstandene Andrang bietet. "Wir haben jetzt eine Vielzahl an Spielern, die Abschlüsse suchen und in die Tiefe gehen", erklärt er. Dadurch seien neue Varianten möglich. Man habe inzwischen ein, zwei Varianten mehr als beim verlorenen EM-Halbfinale gegen die Franzosen vor knapp eineinhalb Jahren. Kroos erinnert an Turniere, in deren Vorfeld die Personalauswahl aus anderen Gründen problematisch war. "Es gab Jahre, da hat man noch drei Spieler dazugeholt, die man gar nicht brauchte." Nun sei da eine Auswahl von 30, 40 Akteuren, die in seinen Augen problemlos zur WM fahren können. "Es ist doch ideal, wenn der Bundestrainer da am Ende ein großes Problem hat", findet Kroos.

Joachim Löw weiß um dieses Privileg. Gleichzeitig muss er andere Wege gehen, um aus dem Überangebot den aus seiner Sicht perfekten Kader herauszufiltern. In Prestigeduellen wie jenem in England und dem nun anstehenden gegen Frankreich hätte der deutsche Coach früher wohl eher konservativ agiert, auf bewährte Kräfte gesetzt. "Nun kann ich einige Spieler schonen und kann andere testen", sagt Löw. Dabei wolle er eine gewisse Fehlerkultur zulassen: "Damit wir korrigieren und die Spieler daraus lernen können." Das Ergebnis müsse da auch mal hinten anstehen. Wobei für einen wie Toni Kroos trotzdem klar ist: "Wir wollen natürlich gewinnen."

Autor: René Kübler