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13. Oktober 2017

Ringen

Warum Ringer aus dem Ausland hier häufig Probleme haben

Oft haben ausländische Neuzugänge in der Ringer-Regionalliga trotz ihrer Klasse noch Anlaufschwierigkeiten. Eine Ursachensuche.

  1. „Er macht Punkte – und hört dann auf einmal auf“: der russische Halbschwergewichtler Vyacheslav Sugako (KSV Rheinfelden, gegen WKG-Ringer Denis Würger) Foto: Markus Schächtele

RINGEN Regionalliga. Die Rechnung könnte so einfach sein: Geht ein ausländischer Ringer auf die Matte, soll es Punkte regnen. Die Qualität der Athleten ist hoch – dennoch ist die Ausbeute in der Realität oftmals nicht so groß wie erhofft. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Laszlo Szabolcs ist der fleischgewordene Traum eines jeden Regionalligisten. Seit 2015 ringt der Ungar für die RG Hausen-Zell. Seine Bilanz? Makellos. 27 Kämpfe, 27 Siege. Mehr noch, Szabolcs holte 97 von 108 möglichen Punkten. Der erfahrene Weltergewichtler erfüllt die hohen Anforderungen an einen ausländischen Ringer, von denen die Regionalligisten nur zwei pro Kampf einsetzen dürfen. "Laszlo ist ein absoluter Siegringer", sagt Björn Gut, sportlicher Leiter der RG.

Doch nicht Jeder ist ein Szabolcs. Während alle vier Ausländer im RG-Aufgebot mit den hiesigen Gewohnheiten längst vertraut sind, stehen in den Reihen der anderen drei Regionalligisten aus dem Bezirk jeweils auch neue Ausländer. Und die Eindrücke nach den ersten Kämpfen sind recht unterschiedlich.

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Vom Einzelkämpfer zum Teamplayer

Sieben Siege aus acht Kämpfen – die Bilanz von Vyacheslav Sugako vom KSV Rheinfelden liest sich zunächst gut. Doch mit 21 Zählern holte er nicht das Optimum in den einzelnen Duellen heraus. "Er macht Punkte – und hört dann auf einmal auf", schildert Trainer Sascha Oswald die Anlaufschwierigkeiten des russischen Halbschwergewichtlers.

Sugako muss die schwierige Wandlung vom Einzelkämpfer zum Teamplayer meistern. Denn Mannschaftsringen ist eine deutsche Eigenart. Während ausländische Akteure in der Regel nur bei Turnieren antreten, bestreiten hiesige Ringer "mehr Mannschafts- als Einzelkämpfe", erklärt Oswald; schon im Nachwuchs ringen sie auch im Ligensystem.

Für Neuzugänge ist "die Umstellung sehr schwer, wenn man aus dem gewohnten Programm raus muss", sagt Oswald. Mannschaftsringen erfordert ein anderes taktisches Verhalten, im komplexen Rechenspiel der zehn Kämpfe zählt jeder Punkt. Das musste auch Nikolay Dimitrov von der WKG Weitenau-Wieslet lernen. Sein Debüt gewann der bulgarische Halbschwergewichtler, holte beim 11:13 in Aichhalden aber nur einen Punkt. Nicht das erhoffte wie notwendige Resultat.

Zudem gibt es unterschiedliche Ringertypen. Stärker von der Umstellung betroffen sind "passive Ringer, die sehr stark kontern", erklärt WKG-Trainer David Muller. Auch weil "eine ganz andere Kondition gefragt ist. Konterringer benötigen weniger Luft". Statt nur auf Sieg zu ringen, geht es um die höchstmögliche Punktzahl. Heißt auch: "Sechs Minuten weiter Gas geben", so Muller, der wie Oswald auf einen weiteren Unterschied verweist: Reichen bei internationalen Kämpfen zehn Punkte Differenz zum Überlegenheitssieg, sind es hierzulande 15.

Es sind unzählige, kleine Aspekte, welche die Wandlung erschweren – von der sprachlichen Barriere abgesehen. Hinzu kommen auch ungewohnte Abläufe, wie Thomas Weber, Trainer des TuS Adelhausen II, erläutert: Wird international am Abend vor dem Kampftag gewogen, müssen die Ringer in der Liga bereits ein, zwei Stunden später auf die Matte. Eine Umstellung für Geist und Körper. Zudem ist die Jahresplanung oft auf Weltmeisterschaften oder Olympia ausgerichtet – das kostet zusätzlich mentale Kraft.

Und wenn vor 500 Zuschauern jeder einzelne Punkt zählt, ist das eine völlig neue Ringerwelt. Schnell verwandeln sich die Hallen in Hexenkessel. "Es ist recht einzigartig, was wir in Südbaden haben", sagt WKG-Coach Marc Viardot. Dazu treffen die Neuzugänge auf unbekannte Gegner, während die deutschen Ringer oft seit der Jugend aufeinandertreffen.

Einen Vorteil hatte Daniel Jancso, Neuzugang der TuS-Reserve. Der Ungar lebt seit mehreren Jahren in Lörrach, war mit dem deutschen Mannschaftsringen, der Atmosphäre und Mentalität bereits vertraut. "Er weiß, dass von seiner Leistung das Teamergebnis abhängig ist", sagt Weber. Letztlich ist es von Ringer zu Ringer unterschiedlich. So gelang dem zweiten KSV-Neuzugang, dem noch gesperrten Venezolaner Luillys Perez Mora, die Umstellung auf Anhieb.

Bei Dimitrov ging das WKG-Trainerduo beim zweiten Einsatz in Taisersdorf auf Nummer sicher. "Ich habe ihm einen Zettel zugesteckt", erzählt Viardot. Dort aufgelistet: Wie viele Punkte er holen muss, wie viele er kann. Siehe da: Mit dem Schlussgong holte Dimitrov die entscheidende Wertung, um auf drei Teampunkte zu erhöhen. "Es hat ihm Spaß gemacht zu sehen, dass das matchentscheidend sein kann", berichtet Viardot, und Muller ergänzt: "Nikolay hat sich reingefunden." Die Wandlung scheint vollzogen.

Termine: Samstag, 17.30 Uhr: TuS Adelhausen II – WKG Weitenau-Wieslet; 20 Uhr: AVG Sulgen – KSV Rheinfelden, KSV Schriesheim – RG Hausen-Zell.

Autor: Matthias Konzok