Die Politik zeigt sich entrüstet

sid

Von sid

Mo, 14. Mai 2018

Fußball-WM

Einreisestopp für ARD-Journalist Seppelt soll aufgehoben werden.

KÖLN (sid). Das WM-Einreiseverbot für ARD-Investigativ-Journalist Hajo Seppelt wird zum Politikum. Von politischer Seite werden teilweise massive Maßnahmen gefordert, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vertraut dagegen auf den Einfluss des Fußball-Weltverbandes (Fifa).

Vor allem die FDP sieht Außenminister Heiko Maas (SPD) in der Pflicht. Er solle "den russischen Botschafter einbestellen und darauf hinweisen, dass auch während der WM eine freie Berichterstattung für Deutschland unabdingbar ist und auch im Interesse Russlands liegen dürfte", sagte der stellvertretende Parteivorsitzende Wolfgang Kubicki der Welt am Sonntag. FDP-Außenexperte Alexander Graf Lambsdorff forderte im Nachrichtensender Phoenix ebenfalls die Einbestellung von Botschafter Sergej Netschajew. Das Auswärtige Amt stellte klar: "Wir haben, auch in Absprache mit der ARD, mit den zuständigen Stellen Kontakt aufgenommen und drängen auf unverzügliche Klärung."

Russland hatte das Visum für Seppelt für ungültig erklärt und diesem die Einreise zur WM verweigert. Seppelt stehe auf einer Liste der in Russland "unerwünschten Personen". Für den Journalisten liegt der Grund für die Maßnahme auf der Hand. "Offenkundig hat die Aufdeckung des Staatsdoping-Systems so große Tragweite, dass Russland glaubt, solche Maßnahmen ergreifen zu müssen", sagte Seppelt und fügte an: "Man darf gespannt sein, ob die Fifa, die den Zugang zu ungehinderter Berichterstattung über ihr Turnier gewährleisten muss, sich dieser Sache annehmen wird."

Grünen-Chefin Annalena Baerbock verlangt Konsequenzen durch die Bundesregierung. Es gehe um die Pressefreiheit, die ein Kernbestandteil aller WM-Bewerbungen sei. Die Regierung "muss klipp und klar deutlich machen, dass die Verweigerung der Einreise für kritische Journalisten nicht akzeptabel ist". Außerdem appellierte sie an die Politiker, der ersten WM-Endrunde auf russischem Boden fernzubleiben.

DFB-Präsident Reinhard Grindel glaubt derweil fest an eine Lösung der Causa Seppelt. "Die Fifa hat betont, welch hohen Stellenwert die Pressefreiheit für sie hat. Ich habe volles Vertrauen, dass die Fifa jetzt ihren Einfluss geltend macht, damit Herr Seppelt ungehindert aus Russland berichten kann", so der 56-Jährige.