Kein kompletter Ausschluss

dpa

Von dpa

Mi, 06. Dezember 2017

Sportpolitik

Einzelne russische Athleten dürfen zur Winterolympiade 2018 / Funktionäre wegen Dopings gesperrt.

LAUSANNE (dpa/BZ). Allen Betrügereien zum Trotz ist Russland ein historischer Komplett-Ausschluss für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang erspart geblieben. Stattdessen darf die Sport-Großmacht unbelastete Athleten unter neutraler Flagge in Südkorea an den Start schicken. Das entschied die 14-köpfige Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) unter Vorsitz von Präsident Thomas Bach am Dienstag.

Auf der mit Spannung erwarteten Sitzung in Lausanne verzichtete das IOC damit 66 Tage vor dem Beginn der Spiele in Südkorea auf die Höchststrafe für Russland im Zuge des ungeheuerlichen Dopingskandals von Sotschi 2014. In weiteren Maßnahmen wurde das Nationale Olympische Komitee Russlands (ROC) für die Winterspiele gesperrt. In Südkorea dürfen damit nur unbelastete russische Athleten "unter strikten Konditionen" teilnehmen. Sie werden unter olympischer Flagge starten. Der frühere russische Sportminister Witali Mutko, der aktuell Chef des russischen Fußballverbandes und Organisationschef der Weltmeisterschaft 2018 ist, wurde als eine Schlüsselfigur im Dopingskandal für alle zukünftigen Olympischen Spiele ausgeschlossen. ROC-Präsident Alexander Schukow wurde zudem als IOC-Mitglied suspendiert. Einen Komplett-Ausschluss – es wäre der erste in der 121-jährigen Geschichte der Olympischen Spiele wegen Doping-Verstößen gewesen – wird es jedoch nicht geben.

"Es handelt sich um einen nie dagewesenen Angriff auf die Integrität der Olympischen Spiele und des Sports. Diese Entscheidung soll einen Strich ziehen unter die verheerende Episode", sagte Bach auf einer Pressekonferenz am Abend und nahm damit Stellung zum mutmaßlich staatlich orchestrierten Dopingsystem in Russland, das in Sotschi seinen negativen Höhepunkt erfahren hatte. Mithilfe des Geheimdienstes sollen zahlreiche Dopingproben von russischen Sportlern ausgetauscht worden sein. Das IOC hat bislang durch seine zwei Kommissionen 25 Sotschi-Teilnehmer lebenslang gesperrt und Russland elf Medaillen, darunter vier goldene, aberkannt.

Trotz der erdrückenden Beweislage konnten sich Bach, der als Freund von Russlands Staatschef Wladimir Putin gilt, und seine Kollegen nicht zu einem Komplett-Ausschluss durchringen. Schon vor den Sommerspielen in Rio hatte das IOC – im Gegensatz zum Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) – Russland von einer drastischen Strafe verschont. Damals hatte das IOC die Verantwortung auf die Verbände übertragen, die eine Einzelfallprüfung der jeweiligen Sportler durchführen sollten. Viele Verbände waren damit überfordert und ließen die Athleten en bloc starten. IOC-Präsident Bach muss sich seitdem immer wieder anhören, er persönlich habe nicht genug Härte gegen Russland gezeigt.