Spiele für Toleranz und Respekt

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Mi, 08. Juni 2016

Sportpolitik

Teamsport mit hohem Spaßfaktor und Infostände für ernste Themen: Der erste Mischmasch-Cup der Badischen Sportjugend.

SPORTPOLITIK. Mischmasch – das ist ein schönes, selbsterklärendes Wort. Es steht für farbenfrohes Durcheinander, für überraschende Verbindungen, für etwas Neues, das entstehen kann, wenn etwas zusammenwächst, das auf den ersten Blick nicht zusammengehört.

Die Badische Sportjugend (BSJ), der Zusammenschluss aller jungen Mitglieder in den 3300 Sportvereinen Südbadens, hat sich einiges dabei gedacht, als sie ihren ersten Mischmasch-Cup organisierte. Sie lud ein zu einem Spaßturnier, bei dem zehn Teams ungewöhnliche Sportarten ausprobieren – und dann aber zugleich über ernste Themen sprechen konnten, mit denen man normalerweise nicht so leicht in Berührung kommt.

Das Spaßturnier: Es sorgte für den Fun-Faktor, den junge Menschen lieben. Die Teams traten an in so ungewöhnlichen Disziplinen wie Bubble-Soccer. Das ist zunächst einmal einfach nur Fußball. Die Spieler schlüpfen dazu aber in einen körpergroßen Kunststoffball, eine Art Plastikblase, in der sie laufen und rennen, aber auch purzeln und rollen können. Man muss kein Dribbelkünstler sein in diesem Sport, sondern eher schon einen guten Gleichgewichtssinn mitbringen – auch um dann, wenn man wie ein Käfer auf dem Rücken liegt, Kopf unten, Füße oben, möglichst schnell wieder auf die Beine zu kommen. Anschließend konnten sich die Teams beim Ultimate Indiaca messen, einem Spiel, bei dem ein Indiacaball nach bestimmten Regeln in die Punktzone des Gegners zu befördern ist. Auch Mölkky war im Angebot: ein Outdoor-Zielwurfspiel aus Finnland, das ein bisschen wie Boccia aussieht, aber mit einem Wurfholz und Holzkegeln ausgeübt wird.

Der Fun-Faktor war also hoch am vergangenen Samstag in den Räumen der Freiburger Sport-Uni, "und die Sportarten selbst haben auch keine tiefere politische Bedeutung", wie Jennifer Haun erklärte, die Bildungsreferentin der BSJ, die die Cup-Premiere maßgeblich organisierte. Die tiefere Bedeutung erhielt der Nachmittag, wenn die 50 jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter zwischen 18 und 26 Jahren sich erst einmal kräftig ausgetobt und dann Zeit und Muße hatten, mit den vielen Fachleuten ins Gespräch zu kommen, die ihre Info-Stände auf dem Außengelände der Sport-Uni aufgebaut hatten. Da war die Landeszentrale für politische Bildung. Der interkulturelle Verein Fairburg. Das Christophorus Jugendwerk Oberrimsingen. Und eine Initiative der Badischen Sportjugend selbst, die schon seit zwei Jahren unter dem Titel "Sport respects your rights", Sport respektiert deine Rechte, große Aufmerksamkeit bekommt in Südbaden.

Die Initiative sucht nach Wegen, allen Erscheinungsformen sexuell motivierter Gewalt im Sport vorbeugend zu begegnen. Sie informiert Kinder und Jugendliche in den Vereinen über ihre Rechte, wirbt um Sensibilität und Aufmerksamkeit bei Ehrenamtlichen und Funktionären, implementiert den Gedanken der Prävention. Das zunächst von der Europäischen Union angeschobene und mehrmals ausgezeichnete Projekt trägt sich inzwischen selbst und wird von der Badischen Sportjugend mit hohem Engagement vorangetrieben.

Wer wollte, konnte sich beim Mischmasch-Cup darüber informieren – oder auch am Stand der Landeszentrale für politische Bildung darüber, wie man der Diskriminierung von Minderheiten begegnet, was Rassismus und Extremismus genau bedeuten und warum es niemals schaden kann, die Grundregeln einer Demokratie zu kennen. Ganz ähnliche Ziele verfolgt der Interkulturelle Verein Fairburg. Er wirbt für faires Miteinander und Zusammenleben aller Menschen in Freiburg – unabhängig von ihrer Herkunft, Religion, Sprache oder ihrem Kulturkreis.

Keine leichten Themen also für junge Menschen, aber in höchstem Maße spannend. Jennifer Haun erläuterte den Grundgedanken des Nachmittags so: "Die Sportarten sollen zu einem bunten, vielfältigen Sportfest beitragen, und die Info-Angebote zum Nachdenken und Mitmachen aktivieren." Die Bildungsreferentin der BSJ will nun zunächst einmal auswerten, wie die Premiere ankam bei den jungen Menschen, was man anders und besser machen könnte und was die Teilnehmer besonders gut fanden. Sie alle hatten sich auf einen Aufruf der BSJ hin freiwillig für das Projekt angemeldet. Je nach dem, was die Analyse ergibt, könnte es dann 2017 wieder einen Mischmasch-Cup geben.