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05. März 2016 11:02 Uhr

Doping-Kommission

Uni Freiburg will Resultate sehen

Der Rücktritt der Doping-Kommission hat die Uni Freiburg stark unter Druck gesetzt. Jetzt erklärt sie, die damalige Lage falsch beurteilt zu haben – holt jedoch gleichzeitig zum Gegenschlag aus.

  1. Haben sich nicht mehr viel zu sagen: Kommissionsvorsitzende Letizia Paoli und Uni-Rektor Hans-Jochen Schiewer Foto: dpa

Sie erwartet von der zum 1. März zurückgetretenen "Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin", dass diese ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. In einer am Freitag veröffentlichten Presseerklärung heißt es wörtlich: "Die Universität fordert alle ehemaligen Mitglieder der Kommission auf, den Ertrag ihrer Arbeit öffentlich zu machen. Insbesondere der Abschlussbericht der Kommissionsvorsitzenden, der ein zusammenhängendes und schlüssiges Gesamtbild zeichnen sollte, kann nach siebenjähriger Arbeit der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden."

Uni Freiburg wirft Letizia Paoli vor, nicht ihren Pflichten nachgegangen zu sein

Gegen die Kommissionsvorsitzende Letizia Paoli von der Uni Leuven (Belgien) fährt die Freiburger Hochschule schweres Geschütz auf: "Unabhängig von formalen Aspekten hat sich die Kommissionsvorsitzende mit ihrem Verhalten der vergangenen Wochen der Erfüllung ihrer Pflichten aus dem von ihr mitunterzeichneten Vertrag nunmehr endgültig entzogen", heißt es in der Uni-Pressemitteilung.

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Letizia Paoli hatte den Kommissionsvorsitz von 2009 bis zum 29. Februar 2016 inne. Sie beklagte in den vergangenen Jahren öfter, dass ihre Forschergruppe in ihrer Aufklärungsarbeit durch die Uni Freiburg behindert worden war. Das hatte die Albert-Ludwigs-Universität indes stets zurückgewiesen.

Die Uni bestätigt: Der Rücktritt gilt auch für Paoli

In ihrer Mitteilung unterstrich die Uni nochmals, dass sich die sechsköpfige Kommission aufgelöst habe. Dieser Beschluss gelte auch für Paoli. In den vergangenen Tagen war vom Rücktritt der übrigen fünf Mitglieder die Rede gewesen. Ob die Kriminologin sich ihren Mitstreitern angeschlossen hatte, war zunächst unklar geblieben.

Die Universität wies in ihrer Presseerklärung übrigens zum wiederholten Male darauf hin, dass für die Arbeit der Kommissionsvorsitzenden Paoli bereits 362 000 Euro nach Leuven überwiesen worden seien. Nähere Angaben dazu, was mit dem Geld genau geschah, machte die Uni aber auch am Freitag nicht. Paoli selbst hat freilich wiederholt erklärt, dass die Summe nicht in ihre eigene Tasche geflossen sei, sondern auf ein Konto ihrer Universität KU Leuven. Sie habe sich nicht selbst bereichert. Mit dem Geld seien unter anderem Forschungsprojekte für junge Nachwuchswissenschaftler finanziert worden.

Die Uni Freiburg erklärt, sie habe die Lage falsch beurteilt

In dieser Woche war die Universität Freiburg um Rektor Hans-Jochen Schiewer arg in die Bredouille geraten, nachdem bekannt geworden war, dass der Freiburger Rechtsanwalt Wolfgang Schmid in den 1990er-Jahren zunächst den Doping-Arzt Armin Klümper und Jahre später die Uni und ihre Klinik bei der Aufklärung beriet – unter anderem mit der Prüfung eines Gutachtens just über Klümper.

Auf eine schriftliche Anfrage der Badischen Zeitung erklärte am Freitag ein Sprecher im Namen der Uni: "Im Sommer 2015 gab Dr. Schmid den Hinweis, dass er in den 1990er Jahren für Prof. Klümper ein zivilrechtliches Verfahren geführt hat. Die Universität gesteht ein, die Lage damals falsch beurteilt zu haben und bedauert es, Dr. Schmid nicht umgehend von seinem Mandat entbunden zu haben." Dieser war laut Unisprecher am 2. März von seinem Amt enthoben worden, also nachdem Medien von seiner Verbindung zu Klümper berichtet hatten.

Autor: Georg Gulde