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12. November 2008

Was Hänschen nicht lernt

Einer Studie zufolge ist das Sportangebot in deutschen Kindergärten und Grundschulen deutlich schlechter als im Rest Europas

  1. Schulsport kann Spaß machen, wenn er gut ist: Kinder beim Sprinten Foto: dpa

ESSEN (dpa/epd). Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) brachte mit einem Satz auf den Punkt, was Sportwissenschaftler auf 500 Seiten im Detail beschrieben: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr." Mit Blick auf den "Zweiten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht" heißt das: Wer nicht schon als Kind die richtigen Grundlagen vermittelt bekommt, wird sich auch später nicht durch Sport fit und gesund halten.

Dabei geht es dem von der Essener Krupp- Stiftung initiierten Projekt nicht um den Aufstieg vom Talent zum Weltmeister, sondern um das Erlernen motorischer Grundlagen, das Miteinander der Kinder und um ein gesundes Leben.

Was die Sportwissenschaftler vor allem monieren: In der Ausbildung der Erzieherinnen fehle die Bewegungsausbildung ganz. An Grundschulen würden bis zu 80 Prozent des Sportunterrichts von fachfremden Lehrern erteilt. Daher sei es nicht verwunderlich, dass die Bewegungsförderung der Kinder auf niedrigem Niveau stagniere.

Im europaweiten Vergleich von 19 OECD-Staaten erreiche Deutschland nur Platz 18 und schneide in Sachen Betreuung, Bildung und Bewegungsförderung von Kindern schlecht ab, kritisierte der Leiter des Kindersportberichts, der Essener Professor Werner Schmidt.

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Das wollen die Sportwissenschaftler ändern und schauen auf die Nachbarländer im Europas Norden. Sie liegen in Vergleichen vorn, auch im Sport. "Die Skandinavier investieren drei- bis viermal mehr im Grundschulbereich. Auch in den Kindergärten haben die Erzieher viel mehr Möglichkeiten, weil allein schon mehr ausgebildetes Personal zur Verfügung steht", sagt Schmidt. In Deutschland geht es zumindest im Kindergarten voran. Es gibt sogenannte Bewegungskindergärten. So kümmert sich in Essen ein Diplom-Sportlehrer um einige Einrichtungen. 100 solcher Bewegungskindergärten gibt es in Nordrhein-Westfalen. Andere Bundesländer sind ebenfalls am Ball.

Beim Thema Schulsport zucken dagegen selbst Lehrer mit den Achseln. "Wir fahren die Kinder mit dem Bus zur zehn Kilometer entfernten Schwimmhalle, lassen sie zehn Minuten ins Wasser und fahren sie dann wieder zurück", erzählt der Rektor einer Dortmunder Schule. Die Turnhalle der Schule ist dazu ebenso marode wie überlastet, der Sportplatz Brachland.

"Die Möglichkeiten des Sports müssten in Deutschland wesentlich systematischer ausgeschöpft werden als bisher", betonen die Verfasser der Studie. Im Mathe-Unterricht könnten die Kinder zum Beispiel Rechnungen körperlich nachvollziehen. So lassen sich 100 Meter einfach ablaufen.

"Bewegung fördert das Lernen", heißt es. "Wer sich mehr bewegt, ist auch in der Schule besser und legt ein besseres Sozialverhalten an den Tag", mahnt der Sportbericht.

Autor: kna