Rheinfelder Uralt-Rekord geknackt

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Von BZ-Redaktion & Matthias Konzok

Mo, 30. Juli 2018

Leichtathletik (regional)

Jamaikanerin Yanique Haye stellt bei der 30. Auflage des Nachtmeetings eine neue Bestmarke über 200 Meter auf.

LEICHTATHLETIK (BZ/zok). Weit über den Hochrhein hinaus reicht die Strahlkraft des Rheinfelder Nachtmeetings. Bei der 30. Auflage boten allerdings nicht nur die internationalen Leichtathleten spannende Wettkämpfe.

Die Nacht hatte gerade den Himmel über dem Europastadion erobert, als die 200-Meter-Läuferinnen unter dem grellen Flutlicht aus den Startblöcken gingen. Der Wettbewerb war dank seines internationalen Flairs einer der diesjährigen Höhepunkte, und die beiden Jamaikanerinnen Yanique Haye und Dawnalee Loney sorgten für den erhofften hochklassigen Sport. Die 28-jährige Haye lief in 23,93 Sekunden zum Sieg und brach damit zugleich einen der Uralt-Rekorde des Nachtmeetings. Den bisherigen Bestwert hatte Eva Schynowski (LC Breisgau/24,36) im Juni 1996 aufgestellt, diese Marke unterbot Haye um fast eine halbe Sekunde. Die 22-jährige Loney (24,82) sicherte sich Rang zwei vor Rebekka Eberle (USC Freiburg/25,04) und Sinah Hänßler-Hug (TuS Lörrach-Stetten/25,58).

Zwei Stunden zuvor hatte die Sonne noch ihre Schatten auf die blaue Tartanbahn geworfen, als Haye über 400 Meter ihren ersten Sieg beim Rheinfelder Nachtmeeting landete. In 54,10 Sekunden verwies sie Loney (54,40) auf den zweiten Platz.

Carolin Gottschalk steigert sich im Hochsprung

Bei den Männern war der Jamaikaner Tyler Mason über 100 Meter zwar nicht am Start, dem spannenden Verlauf tat dies aber keinen Abbruch. Großen Anteil daran hatte William Silvestre Alves vom USC Freiburg. Es war eine hauchdünne Entscheidung, Silvestre Alves knackte erstmals in seiner Laufbahn die 11-Sekunden-Marke und verwies in 10,99 sek den Schweizer Marco Thürkauf (TV Riehen/+0,03) auf Rang zwei. "Ein super Lauf", kommentierte Thomas Rist, Vorsitzender des veranstaltenden TV Rheinfelden, die Darbietung des USC-Athleten, der im Vorjahr im Europastadion auf Rang zehn notiert war (11,89 sek). Die anhaltend hohen Temperaturen hatten keinen nennenswerten negativen Effekt auf die Leistungen, "und die 100-Meter-Läufer mögen es ohnehin gern heiß", so Rist.

Zur jamaikanischen Sportlergruppe, die aus Belgien angereist war, zählte erneut Chad Wright. Der 27-jährige Kugelstoßer steigerte sich gegenüber seines Vorjahressieges um 35 Zentimeter und gewann mit 17,95 Metern. Einen Hauch internationales Flair strahlt zudem Linda Mutter aus. Die 22-jährige Karsauerin studiert in den USA am College in Louisville, Kentucky. Nun trat Mutter in der Heimat wieder zu einem Wettkampf an, in Rheinfelden gewann sie den Hochsprung der Frauen mit 1,58 Meter vor Sinah Hänßler-Hug (1,54).

Den Top-Wert im Hochsprung erzielte indes eine U-20-Athletin. Die Bad Säckingerin Carolin Gottschalk (vormals Marchlewski; bis zur Adoption durch ihren Trainer Kurt Gottschalk) übersprang 1,74 m – eine Höhe, welche die Athletin des TSV Bayer 04 Leverkusen in einem Wettbewerb zuletzt im Juli 2015 gemeistert hatte. In Rheinfelden näherte sie sich ihrem Bestwert (1,80 m) an. Für das Nachtmeeting gemeldet war Gottschalk mit jenen 1,68 m, welche ihr im Juli im Dress des LC Basel den dritten Platz bei der Schweizer Meisterschaft beschert hatten. Beim Nachtmeeting meisterte sie von 1,58 bis 1,74 m sämtliche fünf Höhen im ersten Versuch. Erst als die Latte um weitere vier Zentimeter angehoben wurde, riss Gottschalk erstmals, die Marke von 1,78 m konnte sie letztlich nicht überspringen.

Insgesamt waren 213 Athleten beim Rheinfelder Nachtmeeting an den Start gegangen, Rist zeigte sich mit der Teilnehmerzahl zufrieden, und auch die Zuschauerresonanz war positiv. Die Leichtathletik-Fans sahen unter anderem zwei U-20-Siege von Robin Kummle (TV Wehr), der über 100 Meter mit neuer persönlicher Bestleistung (11,64 sek) sowie im Weitsprung (6,11 m) gewann.

Über jene 100 Meter bewies Henry Fellhauer (TV Bad Säckingen), dass für das besondere Flair, die außergewöhnliche sportliche Note nicht zwingend Top-Athleten erforderlich sind. Fellhauer, Jahrgang 1938 und der mit Abstand älteste Teilnehmer beim Nachtmeeting, trat zum Sprint an, die Uhr stoppte bei seinem Lauf nach 20,02 Sekunden – Fellhauers bester Wert in diesem Jahr.

Mehr Fotos vom Nachtmeeting unter http://mehr.bz/nachtmeeting2018