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06. Dezember 2011 00:03 Uhr

Innenstadt

Spritzen auf dem Spielplatz: Warum häuft sich der Fixermüll?

Spritzen liegen in den Spielplatzhecken, benutzte Fixer-Utensilien rund um den Parkplatz beim Freiburger Faulerbad. Das hat mit dem Wegfall von Ein-Euro-Jobbern zu tun.

  1. Rund um den Spritzenautomaten an der Faulerstraße stoßen sich Anwohner am Fixermüll. Foto: Ingo Schneider

  2. Spezieller Abfallbehälter für Spritzen Foto: Ingo Schneider

Seit es keine Ein-Euro-Jobber mehr gibt, die regelmäßig sauber gemacht haben, fühlt sich niemand mehr für den Müll rund um den Spritzenautomaten in der Faulerstraße zuständig. Drogenhilfe, Garten- und Tiefbauamt sowie die Stadtreinigung suchen seit Monaten nach einer Lösung. Ein Ergebnis ist jedoch nicht in Sicht.

Christian Dicken wohnt und arbeitet im Sedanviertel und läuft oft durch die Faulerstraße. Der vierfache Familienvater kennt die Müll-Problematik seit Jahren. Als Vater sei man bei diesem Thema "vorgepolt", meint er. Zwei seiner vier Kinder sind im Spielplatzalter. Im Sommer kann er sie dort nicht barfuß spielen lassen. "Das regt einen schon auf", ärgert sich der im Bürgerforum Sedanquartier/Im Grün engagierte Dicken.

Glücklich ist mit der Situation niemand

Außer dem Kinderspielplatz befinden sich noch drei Kitas in unmittelbarer Nähe des Sammelpunktes für Drogenabhängige. Esther Antwi von der "Kita Glacisweg", die direkt gegenüber des Automaten ihren Spielgarten hat, macht mit ihren Kollegen immer wieder Kontrollgänge, damit die ein- bis sechsjährigen Kinder draußen ungestört spielen können. Dabei finden sie häufig weggeworfene Fixer-Werkzeuge. "Wir haben gelernt damit zu leben", sagt die Erzieherin trocken. Glücklich ist mit der Situation niemand. So empfinden etwa auch Inhaber von Tiefgaragenstellplätzen sowie diverse Eltern die Lage als äußerst unangenehm und sehen eine deutliche Zunahme des Mülls. Doch wieso ist das so?

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Jeanette Piram von der Drogenhilfe Freiburg hat eine Erklärung für das "Aufstauen des Konsummülls": Der Wegfall der Ein-Euro-Jobber. Mit dem Projekt "Clean-Up" der Einrichtung "Sprungbrett" hatten bis Jahresanfang ehemalige Junkies und Substituierte (Menschen, die Drogenersatzstoffe erhalten) als Ein-Euro-Jobber für Ordnung und Sauberkeit gesorgt. Mit Hilfe des Bürgertelefons für Spritzenfund konnten die ehemaligen Drogenabhängigen binnen weniger Stunden Spritzen und Müll beseitigen. "Die Ein-Euro-Jobber waren Insider", erzählt Piram und weiß: "Alle in der Stadt sind sich einig, dass dieses Projekt gut war."

Ein neue Gesetzeslage veränderte die Situation jedoch. Seit dem 1. Januar 2011 dürfen sich Ein-Euro-Jobber nicht mehr selbst verwalten. Da dies beim Sprungbrett der Fall war, kam vom Jobcenter kein Geld mehr und die Stellen fielen weg. Es folgten ein "Runder Tisch" mit Drogenhilfe, Garten- und Tiefbauamt und der Stadtreinigung. "Wir sind daran interessiert, dass wir ein schnelles Ergebnis bekommen", berichtet etwa Martina Schickle von der Stadt Freiburg. Ein zeitnahes Ende ist bisher nicht in Sicht. Anfang des Jahres hatte Piram noch Hoffnung, dass eine schnelle Lösung gefunden werden kann, mittlerweile ist auch bei ihr Ratlosigkeit eingetreten.

Spritzen-Entsorgung nur mit Spezialhandschuhen

Die Stadtreinigung leert zwar regelmäßig den Spritzenmülleimer und kümmert sich wie Stadtgärtner um den "üblichen" Müll, der rund um die Grünanlagen in der Faulerstraße liegt. Die Spritzen und Fixer-Utensilien bleiben allerdings unangetastet. Aus gutem Grund: "Das Gesundheitsrisiko für meine Mitarbeiter ist zu groß", erklärt Geschäftsführer Michael Broglin auf BZ-Anfrage. Für die Entsorgung der Spritzen brauche man Spezialhandschuhe und andere Werkzeuge sowie bereitwillige Menschen, fügt Piram hinzu. Für die Diplom-Psychologin steht fest: "Es ist eine politische Entscheidung, ob man dafür finanzielle Ressourcen bereit stellt."

Was passiert, wenn nicht bald eine Lösung gefunden wird, und wie gefährlich ist der Spritzenmüll wirklich? "Das Infektionsrisiko ist gering, aber eine Gefahr besteht natürlich immer", sagt Piram. Christian Dicken sieht das ähnlich und hat prinzipiell nichts gegen den Standort des Spritzenautomaten, sagt aber auch: "An so einer Stelle nur dann, wenn die Sauberkeit gewährleistet werden kann." Jeanette Piram und andere Nachbarn halten nichts von einer Schließung des vor Jahren hart umkämpften Automaten. "Einen idealen Standpunkt gibt es in Freiburg nicht, sagt sie und weiß genau: "Es wird immer jemanden geben, den das stört." Dabei seien die Spritzenautomaten eingeführt worden, um die anderen drumherum, das Gemeinwesen, zu schützen.

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Autor: Fabian Vögtle